von Einem, der auszog, um 3000 Perry-Rhodan-Romane zu lesen

Schlagwort: Thomas Rabenstein

Erstkontakt im Jahr 2020

Schöne Grüße von Osminda und Herrn Rabenstein

Während die kosmische Hanse versucht, sich Olli-Bolli, den Schrecken der Basis vom Hals zu halten, blätterte ich nebenbei in ein wenig bodenständiger Ausgleichsliteratur. Als kleinen Weihnachtsgruß erhielt ich hierzu von Thomas Rabenstein seinen Roman Osminda zugeschickt (Oder um es direkt zu sagen: Ich erhielt ein kostenloses Rezensionsexemplar, nur mal so, der Transparenz wegen.)

Osminda und das Observatorium

Thomas Rabenstein

Mit Osminda erzählt Thomas Rabenstein die Geschichte eines Erstkontaktes, also einen Klassiker des SF-Genres. Im Zentrum des Romans stehen der alleinerziehende Astronom Hubble und seine Teenagertochter. Hubble pflegt in einem bekannten Observatorium ein paar alte Teleskopschätzchen und versucht den Spagat zwischen Alleinerziehung und Karriere als Wissenschaftler. Vater und Tochter haben sich in ihrem Leben nach dem Tod von Hubbles Frau eingerichtet, als während einer Sturmnacht eine seltsame Person auftaucht. Sie hat seltsame Ähnlichkeit mit der verstorbenen, stellt sich aber schnell als nicht von dieser Welt heraus. Hubbles Tochter findet schnell einen Draht zu der Unbekannten und geht die Sache gründlich anders an, als ihr wissenschaftlich ausgebildeter Vater.

Was mir an Osminda gefiel

Osminda – Titelbild von Lothar Bauer

Ich mag, wie Thomas Rabenstein schreibt. Sein Beitrag zu den verlorenen Jahrhunderten um Band 3000 der Perry Rhodan Serie brachte mich zu Nebular. Hier war Thomas Rabenstein so nett, mir ein kleines Interview zu geben. Um so erfreuter war ich, auch einmal einen Einzelroman lesen zu können. Eine Erstkontaktgeschichte ist jetzt nichts wahnsinnig Neues, aber vor allem in der zweiten Hälfte des Buches, nimmt die Geschichte gut Fahrt auf und Rabenstein präsentiert ein paar sehr schöne Details und einen wirklich guten Grund für den Erstkontakt. Außerirdische, die nicht einfach so vom Himmel fallen, sind mir durchaus ein Vergnügen. Außerdem hat Osminda ein wirklich eindrucksvolles Cover, das ich mir nicht nur einmal angeschaut habe. Dazu gibt es noch zwei Innenillustrationen. Ich finde es großartig, wenn Selfpublisher solchen Wert auf die Gestaltung ihrer Bücher legen.

Was mir an Osminda nicht gefiel

Die ersten einhundert Seiten des Buches ziehen sich mehr, als sie müssten. Längst ist dem Leser klar, dass Osminda nicht von der Erde kommt, aber Astronom Hubble ist derart stur und skeptisch, dass es fast schmerzt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die leicht chaotische Tochter nun endlich das Ruder übernehmen möge und die Handlung weitertreibt. Mehr Außerirdische, weniger Skepsis und weniger Beziehungskiste – das wäre mein Wunsch für die erste Hälfte des Buches gewesen. Aber keine Angst, wer durchhält, wird mit einem rasanten und fantasievollen Finale belohnt!

Fazit

Mit Osminda legt Thomas Rabenstein einen feinen Einzelroman vor, der lange braucht, um in die Gänge zu kommen, aber Leserinnen und Leser mit einem tollen Ende belohnt. Wer Thomas Rabenstein noch nicht kennt, sollte eventuell zuerst zu Nebular greifen, da es hier direkt in die Vollen und auf die Zwölf geht. Nebular-Kenner lernen mit Osminda eine etwas andere Seite des Stuttgarter Autors kennen, von der ich mich gut unterhalten fühlte.

Der Herr über Nebular

Thomas Rabenstein im Interview

Thomas Rabenstein

Parallel zu meiner Reise zur Kaiserin von Therm und BARDIOC brauche ich gerade eher Science Fiction ohne viel kosmisches Brimborium, aber dennoch spannend. Nach der Lektüre von „Der goldene Frieden“ stieß ich auf Thomas Rabenstein und seine Serie NEBULAR und war sogleich nicht ganz unbegeistert, um es vorsichtig zu formulieren. Eine geeinte Erde, Raumfahrt im Sonnensystem, tolle Atmosphäre und eine unerwartete Bedrohung. Schöööön!
Nebular ist eine klassische Space Opera mit allem, was mein Herz erfreut, und so war es mir Ehre und Vergnügen zugleich, Thomas einige Fragen stellen zu können.

Thomas, der Kurzroman „Der goldene Frieden“ war dein erster Beitrag zum Perryversum als Autor. Wie sieht es mit dem Leser Thomas Rabenstein aus? Verfolgst du Rhodan aktuell? Welche Teile der Serie hast du gelesen?

Mit dem Perry Rhodan Universum verbindet mich enorm viel. Mit 14 Jahren fiel mir »Unternehmen Stardust« in der 4. Auflage in die Hände. Ich war sofort Feuer und Flamme für die Serie, die ich regelrecht verschlang und die für mich einen vorläufigen Höhepunkt mit dem Zyklus »Die Meister der Insel« erreichte. Auch die nachfolgenden Geschichten faszinierten, so blieb ich dabei. Später wechselte ich die Auflage, las sogar zwei parallel, und mit Zukäufen auf CONs holte ich die Erstauflage ein. Mit wenigen Ausnahmen bei den 800’er Bänden habe ich die Serie von Anfang an bis Heft 2275 gelesen. Ein weiteres Highlight waren für mich die 1800’er Romane des Thoregon-Zyklus.

In dieser Zeit entstand das Internet und ich trat den ersten Online Communities bei, die sich bildeten. Meine Homepage war selbstverständlich Perry Rhodan gewidmet. Ich gehörte zu den Gründungsmitgliedern des PROC, der noch heute für die Fans ein Begriff ist. Das war ein inspirierender Lebensabschnitt, in dem Aktive das Fandom im Internet aufbauten, auf CONs auftraten und vor allem eines hatten: Enorm viel Spaß. Ich bin froh, mitgemacht zu haben, und möchte diese Zeit nicht missen, denn ich entdeckte damals auch die Freude am Schreiben.

In einem Interview mit Robert Feldhoff, den ich für den PROC auf einem Garching CON traf, fragte ich den damaligen Exposéautor, welchen Rat er engagierten Nachwuchsautoren gibt, um ihre Fertigkeiten zu verbessern. Seine Antwort lautete: Schreiben, schreiben, schreiben. Das hab ich beherzigt.

Mit Band 3000 bin ich wieder in die Serie eingestiegen und lese aktuell 3002 als eBook.

Bekannt geworden bist du mit deiner eigenen Science Fictionserie „NEBULAR“. Wie würdest du diese Serie passionierten Rhodanisten und Rhodanistinnen beschreiben und schmackhaft machen?

NEBULAR 1 – Die Triton-Basis – (c) Thomas Rabenstein

Die Nebular Serie entstand 1999, das war das Jahr der totalen Sonnenfinsternis, die ich mir nicht entgehen lassen wollte. Ich baute daheim mein Teleskop auf und wartete darauf, dass der Tag zur Nacht wird. Leider fiel das Schauspiel wegen der dichten Bewölkung ins Wasser und ich sammelte stattdessen Notizen für eine eigene Serie. Zunächst war das nur ein Experiment. Die ersten Romane, die ich aktuell überarbeite, waren noch holprig geschrieben. Natürlich unterliefen mir Anfängerfehler. In meinem Kopf stauten sich aber viele Ideen, die aufs Papier wollten, also schrieb ich weiter.

Learning by doing allein genügte mir nicht. Ich besuchte deshalb einige Seminare bei der geschätzten Autorin Uschi Zietsch. Dort lernte ich Autorinnen und Autoren kennen, die später für Perry Rhodan arbeiteten, wie zum Beispiel Michell Stern oder Marc Herren.

Die Schreibseminare waren enorme Motivationsbooster für mich und das half bei der Entwicklung der Nebular Serie.

Natürlich war ich von Perry Rhodan inspiriert und fasziniert. Schreibt man aber eigene Geschichten, dann betrachtet man das Ganze mit anderen Augen. Es stellt sich die Frage, wie man solch ein Projekt organisiert, plant, umsetzt. Wie entwickelt man den Handlungsstrang, wie legt man Spuren, auf die man in späteren Romanen zurückgreifen kann …

Ich ersann eine »Nebular Kosmologie«, die bis zum aktuellen Band bestand hat. Die Geschichte beschreibt den Weg der Menschheit ins All, die Erforschung der Milchstraße und das Zusammentreffen mit fremden Zivilisationen, jedoch in einem neuen Kontext. Ein paar Leitlinien verfolge ich bis heute, die quasi meinen roten Faden darstellen:

  • Konflikte (Raumschlachten, etc.) sind Teil der Handlung und Spannungsmomente, aber nicht der bestimmende und prägende Faktor. Bevor ein Planet explodiert, bevorzuge ich eine clevere Lösung der Protagonisten.
  • Nebular ist klassische »Space Opera«, kein Military Science Fiction und auch kein Hard Science Fiction.
  • In der Serie gibt es zwar langlebige Außerirdische und Tricks, wie man die Zeit überlistet, aber keine Unsterblichkeit. Generationswechsel und neu auftauchende Protagonisten sind die Regel. Aktuell findet ein solcher Wechsel statt, natürlich fließend, damit die Leser sich an die neuen Charaktere gewöhnen.
  • In der Serie erhalten Protagonist keinen Überlebensbonus. Missionen gelingen nicht immer und selbst ausgefeilte Einsätze laufen aus dem Ruder. Auch Helden sterben ganz triviale Tode. Bei Nebular muss man jederzeit damit rechnen.
  • Die Serie ist bemüht, ein modernes Bild des Kosmos zu vermitteln. Begriffe wie: Zwergplaneten, der Kuipergürtel, die Oortsche Wolke, Jupitertrojaner, Lagrangepunkte, und mehr, gehören von Anfang an dazu. Platz für Überraschungen ist dennoch genug vorhanden (Planet X …)

Magst du ein wenig spoilern? Ich selbst lese gerade NEBULAR Episode 4 „Der Globusterfürst“. Bleiben wir im Sonnensystem, oder geht es irgendwann nach draußen, weit raus ins Universum?

Mit Episode 4 stehst du am Anfang. Die Geschichte entwickelt sich und bald hält die Menschheit nichts mehr im Sonnensystem. In der aktuellen Handlung (Stand Nebular 63) ist die Milchstraße zwar in weiten Teilen unerforschtes Terrain, was aber bei der Ausdehnung und der Anzahl der Sterne nicht verwundert. Was mich immer wieder freut, sind Handlungsthemen, die viel Später in der Presse erschienen, wie zum Beispiel die Nanobots, die ich 2002 in die Serie einführte. Aktuell warte ich gespannt auf die ersten Bilder von Sagittarius A*, dem Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße, um das unsere Helden im Nebular Universum eine enorme Megastruktur entdeckten.

Ab Heft 70 des laufenden Handlungsabschnittes (Zyklus) erfahren die Leser sogar etwas über Andromeda. Die Schicksale der Andromedagalaxie und der Galaxis, sind eng miteinander verbunden. Daraus entsteht ein Konflikt, der seit Äonen besteht und von dem die Menschen nichts wussten.

Neben Einzelheften bietest du verschiedene Sammelbandversionen und auch gedruckte NEBULAR-Ausgaben an. Unterschieden sich die verschiedenen Fassungen inhaltlich, wie es bei Rhodan etwa mit Heftromanen und Silberbänden der Fall ist?

NEBULAR XL 1 – (c) Thomas Rabenstein

Die Serie ist in drei Publikationsformen unterteilt: Einzelepisoden, Sammelbände (3-5 Episoden) und XL-Sammelbände (3 Sammelbände). Es gibt die Wahl für die bevorzugte Nebular Dosis. Wie erwähnt, überarbeite ich die frühen Romane zur Neuveröffentlichung. Sammelband 1 (Episode 1-5), ist fertig. Ebenso Sammelband 5. Beide werden auch als Printausgabe angeboten (Nur bei Amazon). Sammelband 2 und alle folgenden, sind als Nächstes dran. Die Einzelepisoden 1 – 8 wurden komplett überarbeitet, die Episoden 9-30 und die zugehörigen Sammelbände folgen.

Ich hoffe, das hat jetzt nicht verwirrt. Am Ende steht die komplette Serie in überarbeiteter Form der ersten Bände als eBook und Print im Verkauf.

Deine Webseite ist gerade im Umbau. Kannst du uns schon verraten, was die Leserinnen und Leser dort in Zukunft erwartet?

NEBULAR Sammelband 1 (c) Thomas Rabenstein

Die neue DSGVO Verordnung hat mich auf dem falschen Fuß erwischt. Ein überarbeitetes Konzept ist erforderlich, über das ich schon länger brüte und welches optional einen eigenen eShop beinhalten soll. Das wird etwas dauern, deshalb habe ich die Aktivitäten für die Übergangszeit auf den Social Media Plattformen verstärkt. Man findet meine Seiten auf Twitter, Facebook, Instagram und neuerdings auch auf MeWe. Experimentell unterstütze ich »Vero« und »Ello« und poste dort Infos zur Serie.

Später soll die neue Webseite der Drehpunkt sein, von dem ich eigene Artikel, Bloginhalte, Glossar, Datenblätter, etc, auf den Social Media Kanälen teile.

Gibst du uns noch einen Literaturtipp mit auf die Reise? Was liest du gern, wenn du nicht gerade mit dem Kopf im Weltraum steckst?

Das ist ein Knackpunkt, den du ansprichst. Ich weiß, Autoren gelten als belesen und ich versuche, am Ball zu bleiben, was bei dem Workload nicht leicht fällt. Zuletzt las ich »Der Marsianer«, der mir ausgesprochen gut gefiel, auch die Hintergrundgeschichte, denn der Autor veröffentlichte den Roman anfangs als Selfpublisher, später wurde er verfilmt. Eine eindrucksvolle Erfolgsstory und ein Roman, den ich empfehle, weil die Handlung wissenschaftlich recherchiert wurde.

Für das nächste Buch, das ich mir nach Ostern vornehme, hole ich mir einen Tipp von deinem Blog.

In diesem Sinne, zu den Sternen!

Ad Astra, lieber Thomas, und herzlichen Dank für das Gespräch. Literaturtipps sind im Heftehaufen ja zwei oder drei zu finden. Konkret erfreute mich in letzter Zeit der Kurzgeschichtenband „Der Raum zwischen den Worten“ von Uwe Hermann, den bereits im Newsletter der PRFZ besprach. Und Volker Hoff war so nett, mir Paradox 2 von Phillip P. Petersson zu leihen.

Der goldene Frieden im Film

Ich erzähle spoilerfrei etwas über den Kurzroman von Thomas Rabenstein, der mich tatsächlich ein wenig neugierig auf seine Serie „Nebular“ macht.

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