von Einem, der auszog, um 3000 Perry-Rhodan-Romane zu lesen

Autor: Markus Regler (Seite 1 von 2)

Ich bin 41 Jahre alt und Exil-Oberbayer in Ostwestfalen.
Ich mag Science Fiction und Fantasy, insbesondere Perry Rhodan. Ich spiele und schaue gerne Fußball. Und ich versuche mich an eigenen Texten.
Den Rest meiner Zeit nehmen meine drei Kinder und meine wunderbare Ehefrau in Beschlag.

Das Erwachen der Hüterin – Elben einmal anders

Ein Gastbeitrag von Markus Regler

Mit „Das Erwachen der Hüterin“ legt E. S. Schmidt den ersten Band der Trilogie „Die Chroniken der Wälder“ vor.

Darin wird die Geschichte des Menschen Daric Tedesohn und der Elynn Aroanída erzählt, die beide aus ganz verschiedenen Welten stammen und in Liebe zusammenfinden. Was hier zunächst wie eine Romantik-Geschichte klingt, ist mit gehörig Action gewürzt.

Willkommen in der Welt der Elynn

In der Fantasy-Welt von Schmidt leben neben den Menschen die elbenartigen Elynn. Als große Stärke des Romans habe ich es empfunden, dass die Elynn nicht das nächste 08/15-Elbenvolk seit Tolkien sind, sondern ihre eigenen besonderen Fähigkeiten und Lebensart haben, die sie von anderen ähnlichen Völkern abgrenzen. Die Elynn und ihre Kultur sind liebevoll und detailreich ausgestaltet. Hervorragender Weltenbau! Toll!

Seit einer großen Auseinandersetzung vor fast 1200 Jahren, die Grundlage für Sagen und Legenden ist, existieren die beiden Völker weitestgehend getrennt voneinander. Die Elynn leben in Wäldern, verlassen diese höchst selten und gelten gemeinhin als mystische Wesen. Sie werde oft mit Skepsis betrachtet, da sie im Ruf stehen, Menschen in die Wälder zu locken und dort wahlweise zu verführen oder verschwinden zu lassen. Die Elynn hingegen schauen auf die Menschen herab und sehen sie auf einer Stufe nur knapp über wilden Tieren.

Vor diesem Hintergrund treffen der Schwertsklave Daric und Aroanída aufeinander. Daric ist wegen Mordes dazu verurteilt in der Arena zu kämpfen und ist sehr erfolgreich darin. Aroanída hält sich zum ersten Mal überhaupt unter Menschen und auf dem Weg zu ihrem Vater, der als eine Art Botschafter in einer Menschen-Stadt residiert. Ihre Reisegemeinschaft wird überfallen und sie müssen sich als einzige Überlebende alleine durchschlagen. Trotz aller trennenden Gräben verlieben sich die beiden ineinander und finden am Ende des ersten Abschnitts zusammen.

Klare Struktur

Der Roman gliedert sich in vier Abschnitte. Die Teile I und II sowie III und IV sind jeweils zeitlich zusammenhängend. Jeder Teil hat seinen eigenen Spannungsbogen und erzählt im Grunde eine eigene Geschichte.

Während ich die Abschnitte I und II quasi eingesogen habe, zog sich Abschnitt III etwas zäh dahin. Hier hätte der Spannungsbogen etwas steiler sein dürfen, zumal das darin vorkommende Kriegsszenario Stoff für Action geboten hätte. So bleibt es bei vereinzelten „Spannungsspitzen“ und den Protagonisten gehen die Herausforderungen für meinen Geschmack ein wenig zu glatt von der Hand.

Der abschließende Abschnitt IV des Romans wartet allerdings mit einem Paukenschlag auf, der schlagartig alles auf den Kopf stellt, was Figuren und Leser bis dahin über die Vergangenheit zu wissen glaubten. Dennoch kommt auch dieser Teil für mich nicht ganz an die erste Hälfte des Buches heran, wo der Roman geradezu ein page turner war.

Etwas gehadert habe ich mit einer Szene ziemlich am Anfang. Während Daric und Aroanída gemeinsam auf der Flucht sind, entkleidet sich Aroa an einem Teich, um zu schwimmen. Daric ist von ihrem Anblick so verführt, dass er übergriffig wird. Aroanídas Reaktion darauf ist erst wütend und dann peinlich berührt, weil sie vergessen hatte, dass Menschen so triebgesteuert sind. Man muss zur Verteidigung sagen, dass die Wirkung der Elynn auf Menschen auch im weiteren konsistent so beschrieben wird. Auch der freizügigere Umgang der Elynn mit Sexualität wird thematisiert. In sich ist das alles schlüssig. Allerdings weiß ich nicht, ob ich eine solche Grundsituation (Frau ist schön – Mann küsst sie ungefragt – Frau gibt sich die Schuld) lesen will. Zumal Daric im weiteren Verlauf des Romans als beherrscht und zivilisiert geschildert wird.

Stimmungsvoll erzählt

Erzählerisch hat das Buch einiges zu bieten, was mir sehr gut gefallen hat.

Schmidt erzählt die Geschichte ausschließlich und abwechselnd aus der Perspektive der beiden Hauptfiguren und legt dem Leser auf charmante Weise die Weltsicht beider Völker dar. Aroa versteht die Handlungsweisen der Menschen nicht, ebenso wie sich für Daric die Lebensweise der Elynn nicht vollständig erschließt. Bilateraler sense-of-wonder sozusagen.

Die vier Episoden des Romans unterscheiden sich auch in ihren Grundstimmungen. Das macht es abwechslungsreich für den Leser und man hat nicht das Gefühl viermal dasselbe zu lesen. Auch der Zeitsprung zwischen den Abschnitten II und III tut der Geschichte gut. So kann man den Figuren ein wenig „Entwicklungszeit“ geben und die neuen Abenteuer frisch aufsetzen.

Vor allem in der zweiten Hälfte des Buches treten immer wieder ethisch-philosophische Fragen auf. Wie weit soll man gehen, um anderen zu helfen, wenn es einem auf Dauer Schaden zufügt? Muss man Errungenschaften, die sich als negativ herausgestellt haben, ablehnen und tabuisieren, obwohl sie auch Gutes bewirken könnten? Diese Fragen werden auch im konkreten Kontext nicht abschließend beantwortet und sie werden uns wohl auch in den beiden noch kommenden Teilen der Reihe beschäftigen.

Mir hat es sehr viel Spaß bereitet, diesen Roman zu lesen. Ich freue mich schon auf die Fortsetzungen, zumal die Autorin den Leser am Schluss etwas an der Klippe hängen lässt. Sehr geschickt, Frau Schmidt!

Für mich war das Buch erfrischend anders im Gegensatz zu anderen Fantasy-Geschichten (das ist bei mir keine breite Wissensbasis, ich bin mehr in der SF zuhause), was vor allem an den Elynn und ihrer Welt liegt. Aber auch Aroanídas stetes Staunen und die Art und Weise, wie sie sich in der ihr unbekannten Welt tapfer durchschlägt, fand ich schön. Darics ausgeprägten Beschützerinstinkt hat sie eigentlich gar nicht nötig.

Lieblingszitat:

Es ist das Wesen des rechten Schenkens, nichts zurückzuerwarten.
Gerade darin findet der Schenkende seine Freude.“

Fazit:

Der Roman ist interessant, vielseitig, spannend und wartet mit einer toll ausgestalteten Welt und zudem hohem sprachlichem Niveau auf.

Von mir ergeht daher eine klare Leseempfehlung!

Die verlorenen Jahrhunderte – Die Leben des Blaise O’Donnell

Eine Rezension von Markus Regler

Im letzten Teil der Kurzromanserie „Die verlorenen Jahrhunderte“ dreht sich alles um die Unsterblichkeit. Ich habe mich besonders auf diesen Roman gefreut, da er auf die Träger der Zellaktivatoren der Gemeni eingeht. Diese wurde im vergangenen Zyklus kaum betrachtet, obwohl tausende Galaktiker mit den Geräten ausgestattet wurden. Man erfuhr aber bereits, dass die Zellaktivatoren der Gemeni ein Ablaufdatum haben, mithin die natürliche Lebensspanne nur wenige Jahrhunderte verlängern.
Außerdem wurde der Roman von Michael Marcus Thurner verfasst, dessen Geschichten ich sehr mag und der auch Band 3003 vorgelegt hat. Auch dort tritt der titelgebende Blaise O’Donnell auf, sodass die Kurzromanserie gewissermaßen in die Hauptserie einmündet. Über diesen Roman möchte ich hier allerdings keine weiteren Worte verlieren.

Zum Inhalt

Ab hier gilt wieder: Spoilerwarnung, denn es geht um den Inhalt des Romans.

Blaise O’Donnell lebt zum Handlungszeit auf dem Planeten Tondonar und vergnügt sich mit einer seiner Lebensabschnittsgefährtinnen. Im Jahre 1831 NGZ lebt er seit mehr als dreihundert Jahren und hat im Laufe der Zeit ein nicht unbeträchtliches Vermögen angehäuft. Gleichermaßen lebt er seit einiger Zeit unter unterschiedlichen Identitäten, um seine Unsterblichkeit zu verschleiern. Diese ist allerdings aktuell stark gefährdet, denn sein Zellaktivator funktioniert nicht mehr optimal und es ist absehbar, dass er in Bälde endgültig den Geist aufgibt.

Während er durch das planetare virtuelle Netz streift, trifft er auf die Spur eines weiteren Unsterblichen. Er nimmt Kontakt zu ihm auf und lernt so Hsao-Darling kennen. Zwischen beiden entwickelt sich eine Freundschaft. Beide sind glücklich darüber, offen über die Probleme, die das ewige Leben mit sich bringt, reden zu können. Denn auch wenn Tausende einen Zellaktivator der Gemeni erhalten haben, so läuft man sich nicht regelmäßig über den Weg. Zumal nur noch wenige Hundert von ihnen am Leben sind, da die Aktivatoren teilweise sehr früh ihre Tätigkeit eingestellt haben.

Hsao-Darling ist seines Lebens müde. Seit seine Frau – ebenfalls Aktivatorträgerin – gestorben ist, findet er keine Erfüllung mehr im Leben. O’Donnell glaubt, ihm helfen zu können, denn er stellt fest, dass ihrer beiden Zellaktivatoren einander stabilisieren können, wenn sie sich nahe sind.
Aber er muss schockiert erfahren, dass Hsao-Darling ursprünglich zusammen mit seiner Frau den Plan hatte O’Donnells Leben zu zerstören. Die Unsterblichkeit hatte sie in einen Rausch der Überlegenheit getrieben, in dem es ihnen gefiel, andere Menschen zu vernichten. Nach ihrem Tod erlebte Hsao-Darling eine Läuterung und wollte Blaise vor einem ähnlichen Schicksal bewahren. Er schlich sich in dessen Leben ein, um ihm eine Lektion zu erteilen.
Nach seinem Geständnis übergibt er Blaise seinen Zellaktivator und Informationen über eine weitere Unsterbliche auf Tondonar und begeht Selbstmord.

Blaise O’Donnell spürt diese Unsterbliche, Mate Ungestolz, auf. Nach anfänglichem Misstrauen nähern sich die beiden einander an und beginnen eine Beziehung. Mate Ungestolz nutzt ihre Unsterblichkeit und das dadurch angehäufte Vermögen, um die Natur auf Tondonar zu schützen und als Grundlage für den Tourismus des Planeten zu erhalten. Blaise will sie dabei unterstützen, um seinem Leben einen nachhaltigen Sinn zu geben.

Doch auch diesmal wird O’Donnell enttäuscht. Er beobachtet, wie Ungestolz ihre Leibwächter mit seiner Tötung beauftragt. Ihr Ziel ist sein Zellaktivator. Nach seinen Erfahrungen mit Hsao-Darling hat O’Donnell jedoch vorgesorgt und einen Teil von Ungestolz’ Leuten auf seine Seite gezogen. Er nimmt ihr den Aktivator ab und lässt sie töten.

Gleichzeitig hat er auch erkannt, was ihn in seinem Innersten antreibt: Machtgier. Mit diesem neuen Motor will er Tondonar den Rücken kehren. In der letzten Szene wird die Brücke geschlagen zu Band 3003 der Erstauflage.

Was erfahren wir über die Milchstraße?

Wenig und die Fingerzeige sind nicht übermäßig überraschend.

An einer Stelle surft O’Donnell im planetaren Netz „an obskuren Gruppenunterhaltungen vorbei, in denen es um Terra ging, um Verschwörungstheorien, um Gewaltphantasien, um sexuelle Ausschweifungen.“ Hier tauchen die Begriffe Terra und Verschwörungstheorie zumindest im selben Satz auf. Später nennt Blaise im Gespräch mit Mate Ungestolz die Unsterblichen Perry Rhodan und Atlan, der Rest der Riege ist ihm namentlich nicht mehr präsent. „Sie sind aus den Erinnerungen gelöscht. Weil sie nichts Nachhaltiges bewirkt haben“, sagt er.
Es scheint, dass zu diesem Zeitpunkt im Jahr 1831 NGZ das Wissen um Terra und unsere Helden langsam aus dem Bewusstsein der Galaktiker schwindet.

Ob der in der Hauptserie genannt Posizid hier schon eine Rolle spielt oder ob es sich um Nachwirkungen des Weltenbrandes handelt, bleibt unbeleuchtet.
Der Weltenbrand selbst scheint keine Auswirkungen mehr zu haben, er scheint abgeebbt. Dennoch verschlechtern sich die Reisebedingungen in der Milchstraße, wie es einmal heißt. Die Gründe dafür erfährt man nicht.

Was macht den Roman aus?

Die Geschichte dreht sich um die Frage, wie man mit der Unsterblichkeit umgeht. In dieser Hinsicht ist sie eine Weiterführung von „Der bestellte Tod“ von Michelle Stern. Während Stern nur Fitz Klemm als unsterbliche Figur zur Verfügung hat, gönnt sich Michael Marcus Thurner gleich drei davon und kann so unterschiedliche Herangehensweise an das Thema „ewiges Leben“ schildern.

Eine Gemeinsamkeit, die Blaise O’Donnell, Hsao-Darling und Mate Ungestolz teilen, ist ein sehr unstetes Leben. Um nicht aufzufallen, sind sie gezwungen von Zeit zu Zeit den Lebensmittelpunkt zu wechseln und gegebenenfalls eine andere Identität anzunehmen. Auch Fitz Klemm wählte diesen Weg.

Die finanzielle Lage ist hingegen durchweg positiv, da man mit entsprechend hohem Zeitbudget sein Vermögen stetig vermehren kann.

Unsterblichkeit macht einsam. Liebgewonnene Menschen, Verwandte, Freunde und (Lebens-)Partner sterben, während man selbst alles überdauert. Daher wählen die Unsterblichen entweder ein beziehungsloses Leben wie Mate oder eines voller Kurzzeitverhältnisse wie Blaise. Aufgrund seiner Erfahrung und seines Vermögens ist die Verführung einer Frau zwar keine Herausforderung mehr, der Reiz ist aber noch nicht verflogen. Die Frauen selbst vermögen dann aber kein Prickeln mehr bei ihm hervorzurufen. Man hat eben irgendwann alles erlebt.
Der einzige halbwegs befriedigende Ausweg ist eine Beziehung mit einem ebenfalls unsterblichen Partner, wie sie Hsao-Darling das Glück hatte zu führen.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist eine Paranoia, die mal mehr oder weniger stark ausgeprägt ist. Schließlich ist ein Zellaktivator ein Besitz, der Neider geradezu anzieht. Also zieht man sich zurück, lässt niemanden mehr an sich heran und überprüft neue Bekanntschaften doppelt und dreifach.

Trotz aller dieser Gemeinsamkeiten gibt es auch Bereiche, in denen die Unsterblichen unterschiedliche Wege gehen. Der Sinn des Lebens/der Unsterblichkeit ist ein solcher Aspekt.

Hsao-Darling verfällt mit seiner Frau in einen Zustand der Entfesselung. Für sie manifestiert sich der Sinn, dass alles einmal ausprobiert werden muss. Drogenexzesse und menschenverachtendes Verhalten sind die Folge.
Mate Ungestolz hingegen widmet sich dem Schutz der Umwelt. Sie will ein nachhaltiges Erbe hinterlassen.
Blaise O’Donnell ist zunächst noch auf der Suche nach dem, das ihn wirklich antreibt. Erst am Ende des Romans begreift er, dass es Machtgier ist, die all die Jahre auf ihren Ausbruch gewartet hat.

Bei dem Thema „Lebensende“ treten unterschiedliche Verhaltensweisen zutage. Fitz Klemm war irgendwann des Lebens müde. Er war bereit für den Tod, wollte seine Verantwortung abgeben.
Hsao-Darling hat ebenfalls die Lust am Leben verloren. Ursächlich dafür ist aber der Verlust seiner Frau.
Blaise und Mate hingegen hängen letztendlich am Leben. Die Gier nach Leben geht sogar soweit, dass sie bereit sind dafür zu töten.

Michael Marcus Thurner führt die Konsequenzen der Unsterblichkeit sehr schön aus und zeichnet ein Bild, in dem die Unsterblichkeit überhaupt nicht erstrebenswert erscheint. Man hat irgendwann alles gesehen, es gibt kaum neue Reize, man greift zu immer extremeren Handlungsweisen. Man wird zum einsamen Paranoiker und läuft ständig Gefahr, dass die negativen Seiten in einem selbst Überhand nehmen.
Und selbst wenn man Gutes tun will (immerhin war eine gute Gesinnung ein maßgebliches Kriterium der Gemeni für die Verleihung eines Aktivators), kann die Gier nach Leben am Ende dazu führen, dass man seine guten Absichten fahren lässt.

Es wird auch die Frage gestellt, ob die unsterblichen Helden der Hauptserie diese Probleme auch hatten. Beantwortet wird sie nicht wirklich. Blaise sagt: „Sie fühlten wohl eine Art Berufung, Mate. Sie waren fanatisch in dem, was sie taten.“
Möglicherweise ist die Antwort so einfach: Sie sind eben Heldenfiguren und die haben keine profanen Probleme. Aber eine Reihe Perry Rhodan Storys: Zellaktivatorträger und wie sie mit ihrem Leben zurechtkommenhätte durchaus ihren Reiz.

Mein Fazit

Für mich ist „Die Leben des Blaise O’Donnell der beste Roman dieser kleinen Serie, ohne die anderen abwerten zu wollen. Eine sehr schöne Betrachtung der Lebenswelt relativ unsterblicher Wesen, die ich sehr genossen habe.
Ich habe die Story vor Band 3003 gelesen, wodurch die Figur Blaise O’Donnell dort mehr Tiefe hatte. Und nun frage ich mich, wie es wohl gewesen wäre, wenn ich es andersrum gemacht hätte. Ich werde es wohl nie erfahren.
Die kleine Serie hat mir sehr viel Spaß gemacht, auch wenn sich meine Hoffnung nicht erfüllt hat, mehr Details aus der Entwicklung der Milchstraße während des Zeitsprungs zu erfahren. Es war schön, Personen und Orte noch einmal Revue passieren zu lassen, und neue Facetten zum letzten Zyklus entdecken zu können.

Admiralin außer Dienst

Markus Regler über den fünften Kurzroman der verlorenen Jahrhunderte

Die obligatorische Spoilerwarnung kommt hier gleich zu Beginn, denn es ist endlich soweit. Wir erfahren im fünften Teil dieser Kurzromanserie etwas über unsere heimatliche Milchstraße. Und die Hauptfigur ist eine alte Bekannte, die Admiralin Anna Patoman.

Schon als die Titel der einzelnen Kurzromane bekanntgegeben wurden, kam mir diese Figur in den Sinn. Ich hatte das zunächst wieder verworfen, es könnte ja eine falsche Fährte gelegt worden sein.

Zum Inhalt

Der Roman spielt etwa siebzig Jahre nach dem Ausbruch des Weltenbrandes. Die ehemalige Admiralin Anna Patoman hat sich zurückgezogen und lebt auf dem Planeten Abaq, der von Arkoniden kolonisiert worden ist.

Der Weltenbrand tobt noch immer, obgleich seine Ursachen seit langem beseitigt sind. Die Bewohner der Milchstraße leiden nach wie vor an den psychisch belastenden Auswirkungen der Hypersensibilität und haben sich anscheinend überwiegend unter die Oberfläche ihrer Planeten zurückgezogen. Zusätzlich läuft die pharmazeutische Forschung auf Hochtouren, um die Reizüberflutung medikamentös abzumildern. Anna Patoman hingegen stellt sich dem Weltenbrand entgegen, lebt einsam in der von den Abaqa verlassenen Stadt Tahara und verzichtet auf Pillen.

Nach einem Zusammenbruch findet sie sich in einer unterirdischen Klinik in der Obhut des Medikers Ulukant Bedrik wieder. Während ihres Aufenthaltes kommt es zu einem Angriff einer Gruppierung um Aoris Kiehn, der sich Hoher Ultran des Zweiten Lichtes nennt.

Als das „Zweite Licht“ stellt sich Anna Patoman selbst heraus. Kiehn hält sie für das Allheilmittel gegen den Weltenbrand. Er glaubt, dass sich in Patomans Hirnwasser Antikörper gebildet haben, aus denen sich ein wirksames Gegenmittel erzeugen lässt. Also will er ihr das Hirnwasser abzapfen, genau gesagt: das gesamte Hirnwasser, was gleichbedeutend mit Annas Tod ist.

Als Druckmittel dienen ihm Sprengladungen, die überall in der Klinik angebracht sind.

Die ehemalige Soldatin ist zunächst bereit, sich für die Unschuldigen zu opfern, die sich dort aufhalten. Doch zusammen mit Ulukant Bedrik heckt sie einen Plan aus, um Kiehn zur Strecke zu bringen.

Als die Hirnwasser-Entnahme ansteht, injiziert Bedrik ein Mittel, das Patoman in einen scheintoten Zustand versetzt. Der Eingriff scheitert scheinbar und nach ihrem Wiedererwachen beobachtet die Admiralin, dass Kiehn seine Leute zum Abzug sammelt. Allerdings will er die Klinik danach dennoch in die Luft jagen.

Um das zu verhindern und stellt Patoman Kiehn zum verbalen Duell. Zuvor prügelt sie sich aber handfest mit Kiehns Adjutantin Fara und erweist sich als überraschend fit für eine 191-jährige, die vierzig Jahre zuvor den Flottendienst quittiert hat.

Patoman hält Kiehn für einen Mann mit ehrbaren Absichten, der lediglich einmal im Leben falsch abgebogen ist. Sie kann ihn schließlich davon überzeugen, dass er auf das falsche Pferd gesetzt hat und die Zerstörung einer Klinik, die sich der Erforschung von Medikamenten gegen den Weltenbrand widmet, die denkbar schlechteste Idee ist.

Zum Ende des Romans bricht sie wieder auf, um weiter für die Völker der Milchstraße zu kämpfen.

Was macht den Roman aus?

Eine Szene sticht besonders hervor. Nachdem Aoris Kiehn beide gefangen gesetzt hat, erläutert Ulukant Bedrik der Admiralin detailliert die vermeintliche Antikörper-Produktion im Gehirn und deren Widerlegung.

Rüdiger Schäfer ist Chemiker und bei einem Pharmazie-Unternehmen tätig. Und er nutzt die Gelegenheit, sich auf diesem Wissenschaftsgebiet textlich voll auszutoben. Ich habe nicht den blassesten Schimmer, ob der Vortrag in allen Einzelheiten den Tatsachen entspricht, aber es klingt verdammt professionell.

Mir gefiel die Szene gut, aber ich könnte mir vorstellen, dass der eine oder andere Leser ob des Chemo-Babbel hier etwas schneller geblättert hat.

Der zweite herausragende Aspekt ist die Tatsache, dass man (endlich, möchte man sagen) etwas über die Situation in der Milchstraße erfährt. Zwar sind politische Details nach wie vor Mangelware, denn Anna fängt über ihre Space-Jet nur spärlichen Funkverkehr auf. Jedoch ist das einzige Detail das Faktum, dass Perry Rhodan bereits siebzig Jahre nach seinem Verschwinden nicht mehr in den Funknachrichten erwähnt wird. Ob hier schon das große Vergessen begonnen hat?

Vielmehr schildert Rüdiger Schäfer in seinem Roman die verschiedenen Strategien, wie in der Galaxis mit dem Weltenbrand umgegangen wird. Dessen Ursachen sind zwar beseitigt, aber die Wirkung klingt auch nach sieben Jahrzehnten nur langsam ab.

Die Flucht in die Tiefen des Untergrunds, um der Hypersensibilität zu entfliehen, ist eine weit verbreitete Praktik. Ganze Völker graben sich ein und so ist es kein Wunder, dass Weltraumverkehr nur noch vereinzelt stattfindet.

Als flankierende Maßnahme werden medizinische Therapien erforscht und die Medikamente stetig verbessert. Durch die zunehmende Abkopplung der Milchstraßenvölker voneinander und die psychische Beeinträchtigung dürften die diesbezüglichen Fortschritte überschaubar sein.

Diese Mittel ermöglichen lediglich eine teilweise Linderung. Auf Arkon, Terra oder einer anderen hoch technologisierten Welt mag eine höhere Lebensqualität möglich sein, auf einem Großteil der Milchstraßenplaneten wird das Leben zur Qual.

Langsam aber sicher werden die Milchstraßenvölker zermürbt. Ebenso wie Anna Patoman, die sich jeglicher Flucht oder Pille verweigert hat. Sie ist es gewohnt, einem Gegner die Stirn zu bieten, aber selbst ihre Zuversicht ist geschwunden. Schon fünf Jahre weilt sie auf Abaq, obwohl sie eigentlich nur kurz Station machen wollte. Schäfer präsentiert sie somit symbolisch für die Bewohner der Milchstraße.

Überhaupt ist Abaq ein Musterfall dafür, was sich draußen auf den anderen Planeten so oder so ähnlich abspielt. Die Verzweiflung ist groß. Das führt zum Festhalten am letzten Strohhalm und zu Verzweiflungstaten. Aoris Kiehn will im Grunde nur das beste für sein Volk. Er nimmt sogar in Kauf, ein Leben zu nehmen, um dadurch viele zu retten.

Man möchte sich nicht vorstellen, wie es in der übrigen Galaxis aussieht, wo derartige Auswüchse sicher häufig von Erfolg gekrönt sind. Auch eine Anna Patoman kann nicht überall sein.

Kurz reißt Rüdiger Schäfer konkret an, welcher psychischen Belastung die Galaktiker ausgesetzt sind und welche schrecklichen Konsequenzen (Selbstmorde, Scharlatanerie …) diese nach sich zieht. Den Rest – das große Bild – auszumalen, überlässt er dem Leser. Und die Bilder, die sich einem aufdrängen, sind beängstigend.

Fazit

Rüdiger Schäfer erzählt die spannende Geschichte einer immer noch rüstigen Admiralin, die sich nicht von einem dahergelaufenen Möchtegern-Terroristen unterkriegen lässt. Gleichzeitig lässt er erahnen, was sich in der Milchstraße zu Beginn der Verlorenen Jahrhunderte zugetragen und was möglicherweise die Grundlage für die „heute“ herrschenden Verhältnissen gelegt hat.


EL DORADO

Markus Regler über den vierten Teil der verlorenen Jahrhunderte

Ein ganz neues Kapitel schlagen wir im vierten Teil der Serie über die „verlorenen Jahrhunderte“ auf. Es wird in die Zwerggalaxis Sagittarius umgeblendet. Dorthin sind zweihundert Jahre zuvor Galaktiker der verschiedensten Völker vor dem Weltenbrand geflohen. Um es gleich vorwegzunehmen: Über die Milchstraße erfahren wir auch in diesem Kurzroman nichts. Die alte Heimat scheint der aktuellen Generation in Sagittarius ziemlich egal zu sein.

An dieser Stelle ergeht wie üblich Spoilerwarnung. Es folgen Details der Handlung.

Zum Inhalt von EL DORADO

Der Roman von Oliver Fröhlich unterscheidet sich besonders in einer Hinsicht von seinen Vorgängern: Weder eine bekannte Figur, noch ein Volk oder sonst ein prägnanter Aspekt aus dem Genesis-Zyklus stehen hier im Zentrum. Vielmehr ist es eine Gruppe von Abenteurern, mit deren Hilfe wir ein Schlaglicht auf die Situation in Sagittarius erhaschen.

Hauptfigur ist Sheb Mahoon, der mit seinen Kameraden vom Raumschiff EL DORADO gerne reiche Spieler abzockt. Er verfügt über einen überdurchschnittlich entwickelten Geruchssinn, der es ihm erlaubt, die Erregungszustände seines Gegenübers zu erschnuppern.

Gleich in der ersten Szene, die auf einem Glücksspiel-Planeten namens Vendant spielt, nimmt er dem Gursüy-Jülziish Tyramin Fyün eine hübsche Menge Hyperkristalle ab und geht dabei ziemliches Risiko ein.

Ein abgekochter Draufgänger, ein Hasardeur, möchte man meinen. Hat sicher Geheimdienstausblidung hinter sich. Weit gefehlt und das ist der erste nette Kniff in dieser Geschichte: Sheb ist einfach nur der Koch der EL DORADO.

Dennoch macht er sich Fyün zum Feind, der ihn natürlich zur Rechenschaft ziehen will. Er verfolgt die EL DORADO, greift sie an und verübt bei der nächsten Zwischenlandung auf dem Wasserplaneten Accuro schließlich einen Anschlag auf Sheb Mahoon. Das Attentat wird von einer geheimnisvollen neuen Bekanntschaft Shebs vereitelt. Dabei handelt es sich um Surjantaʼlakom-Farai, kurz Janta, aus dem Volk der Shoma, die unter der Fuchtel eines Händlers steht und die problemlos fremde Sprachen zu verstehen scheint.

Janta wird in die Mannschaft der EL DORADO aufgenommen und gibt im Gegenzug die Koordinaten des sogenannten „Geistersystems“ preis. Dieses System ist eine Legende unter den Raumfahrern von Sagittarius. Ein System voll mit Bodenschätzen, das aber aus unerklärlichen Gründen nie besiedelt worden ist. Ein wahres El Dorado für Glückssucher und Abenteurer. Selbstverständlich macht sich die Schiffscrew auf, um dieser Legende auf den Grund zu gehen.

Beim Anflug auf einen Planeten des Geistersystems verfällt die Mannschaft in Angstzustände und als Sheb Mahoon von Panik gequält die Zentrale aufsucht, sitzt dort Janta im Pilotensessel. An dieser Stelle fragt sich der Leser natürlich, wen man sich da ins Haus geholt hat. Ist Janta die eigentliche Bösewichtin, die sich nun das Raumschiff angeeignet hat?

Und wäre das alles nicht genug, taucht Tyramin Fyün mit Verstärkung wieder auf.

Janta kann jedoch die Abwehreinrichtungen des Planeten per Funkspruch abschalten, woraufhin die psychotische Panik verschwindet. Das System entpuppt sich als Heimat der Shoma, die einst Hilfsvolk einer Superintelligenz waren. Inzwischen ist dieses Volk ausgestorben und Janta dessen womöglich letzte Vertreterin. Kosmische Ereignisse liegen hier verborgen. Sheb kann aber nur einen kleinen Zipfel des Vorhangs lüften, nur einmal oberflächlich hineinschnuppern.

Tyramin Fyün hat sich nach dem Verschwinden der Panikstrahlung auch in das System getraut und attackiert die EL DORADO. Mit Hilfe der alten Anlagen des Planeten kann auch Tyramin Fyüns erneuter Angriff abgewehrt werden, wobei Shem Mahoon noch einmal seine Zockerqualitäten beweisen muss.

Was macht den Roman aus?

Es handelt sich, wie eingangs bereits angedeutet, um eine Abenteuergeschichte, die sich hervorragend in einem Rutsch lesen lässt, beste Unterhaltungsliteratur.

Dabei wandelt sich die Story immer wieder. Von einer Hasardeur-Geschichte zu Anfang geht Fröhlich zu einem rachedürstigen Gegner samt Verfolgungsjagd über. Dann kommt mit Janta ein mysteriöses Element ins Spiel, wobei mit den Angstattacken der Crew ein Geschmack von Horror Einzug hält. Schließlich wird noch kosmisches Geschehen gestreift, wovon ich gerne noch mehr gelesen hätte. Verglichen mit der Spielszene zu Beginn wird dieser Aspekt etwas knapp behandelt.

Aber vielleicht haben wir es ja auch mit einem weiteren Unterscheidungsmerkmal zu den ersten drei Teilen der „Verlorene Jahrhunderte“-Serie zu tun: Während dort Fäden weitergesponnen oder zu ihrem Ende geführt wurden, wird hier vielleicht ein neuer Faden geknüpft?

Was mir persönlich besonders gut gefallen hat: Oliver Fröhlich kommt mit vielen schönen Details um die Ecke, die der Geschichte viel Tiefe verleihen.

So entwickelt er für den Glücksspielplaneten Vendant ansatzweise eine obskure Jurisdiktion, die er schlaglichtartig in die Spielszene am Anfang einfließen lässt.

Ein anderes schönes Detail ist bei der Aufnahme Jantas in die Mannschaft beschrieben. Jeder der auf der EL DORADO anheuern will, muss einen Beitrag für das Schiff leisten, so wie beispielsweise Sheb Mahoon seine besonderen Kochkünste beisteuert.

Auf Accuro schafft es Fröhlich mit wenigen Worten, die Exotik der Sagittarius-Völker plastisch zu beschreiben. Überhaupt werden durch den gesamten Roman hindurch mit kleinstem Aufwand tolle Bilder im Kopf kreiert.

Mein Fazit ist kurz und knapp:
Ein sehr lesenswerter Kurzroman, der mir viel Spaß gemacht hat!

Der bestellte Tod

Markus Regler über den dritten Kurzroman aus der Zeit der verlorenen Jahrhunderte

Erneut betrachten wir den weiteren Werdegang eines Zweiges der Menschheit, der im vergangenen Zyklus eine Rolle gespielt hat. Es geht im Allgemeinen um das Volk der Menes auf Cessairs Welt und im Speziellen um Fitzgerald Klem, der dank seines Eiris-Amuletts mittlerweile mehr als dreihundert Jahre alt ist.

Fitz Klem war meine Lieblingsnebenfigur im abgelaufenen Zyklus, daher habe ich mich sehr gefreut, dass Michelle Stern sich seiner noch einmal annimmt.

Zum Inhalt

Hier gilt wieder: Vorsicht Spoiler! Es werden Details der Geschichte verraten.

Zu Beginn der Geschichte lernen wir einen Fitz Klem kennen, der genug vom Leben hat. Er denkt darüber nach, das Amulett abzulegen und in jüngere Hände zu geben, was gleichzeitig die Frage aufwirft, wem er das Schmuckstück anvertrauen kann.

Er hat zwischenzeitlich seinen eigenen Tod vorgetäuscht, um seine Langlebigkeit zu tarnen. Er hat operativ sein Aussehen verändert und lebt heute unter dem Namen „John Klem“ (er ist sozusagen sein eigener entfernter Verwandter).

Als „Graue Eminenz“ bei der Gesellschaft für Informationsbeschaffung- und auswertung (GIBA), dem Geheimdienst der Menes, bestimmt er nach wie vor die Geschicke seines Volkes mit. Seine dortige Stellvertreterin Sarah Brydon und sein Kollege Gadurn, ein Nodhkari, sind die einzigen beiden Eingeweihten, die sein Geheimnis kennen.

Das Gemeinwesen aller Menes (GAM), hat in den vergangenen drei Jahrhunderten deutliche Fortschritte gemacht. Das Denken in Klans und Dynastien ist aufgeweicht. Mit ihren ehemaligen Feinden, den Gauchen, leben die Menes friedlich zusammen. Die Gemeni allerdings sind aus historischen Gründen nicht mehr unbedingt wohlgelitten.

In technischer Hinsicht gab es einen Schub, denn Klem hat bei seiner Rückkehr aus der Milchstraßen ein paar tausend Terraner samt Know-How mitgebracht.

Wie aus dem Nichts taucht ein Mann namens Adarion auf, der anscheinend Klems Geheimnis kennt. Doch nicht nur das: Ihm sind ungewöhnliche Details über das Tribar bekannt und er scheint über gute Verbindungen zu verfügen. So kann er beispielsweise ungestört in die GIBA-Zentrale eindringen. Ich fühlte mich irgendwie an Adam von Aures erinnert und befürchtete schon seine Wiederauferstehung. Glücklicherweise war das nicht der Fall.

Adarion verlangt nichts weniger als die Herausgabe des Amuletts und droht bei Weigerung mit dem Tod vieler Menes.

Zusammen mit seiner Kollegin Minett, einer jungen, aufstrebenden Agentin, macht Klem sich auf die Jagd nach Adarion. Er fühlt sich der Kollegin verbunden und zieht sie auch als zukünftige Trägerin des Amuletts in Betracht.

Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass neben den Klems eine weitere Dynastie der Menes über den Tribar Bescheid wusste. Sie nennen sich „Hüter des Amuletts“ und beobachten stets dessen aktuellen Träger. Nun sehen sie aber den Zeitpunkt gekommen, an dem das Amulett seinen Nutzen verloren hat und der Einfluss von ES auf die Menes abgestellt werden soll. Daher wollen sie das Amulett an sich bringen.

Dies kann letztendlich verhindert werden, doch Klem muss einen schmerzhaften Verrat verkraften und wir erfahren die tragische Wendung in Fitz Klems Leben.

Was erfahren wir über die Milchstraße?

Nichts!

Fitz Klems würdiger Abschied

Michelle Stern steht in dem Ruf, ihren Figuren besondere Tiefe zu geben. Das setzt die Erwartungshaltung natürlich hoch.


Ich möchte an dieser Stelle den ersten Satz des Romans zitieren:

Er war unermesslich reich und dennoch der ärmste Mann auf ganz Cessair.“

Bereits dieser Satz drückt genial einfach Fitz Klems Lebenssituation aus. Er hat lange gelebt. Die Technologien aus der Milchstraße hat er den Menes zugänglich gemacht und dabei fast unfreiwillig viel Geld verdient. Er hat eine Universität gestiftet und dafür viel Anerkennung erhalten. Er hat Dinge erlebt, von denen Normalsterbliche nicht den Hauch einer Ahnung haben. Klem ist also reich an Geld, Ruhm und Wissen. Und dennoch ist er einsam.

In kleinem Maßstab hat Michelle Stern hier die Frage beleuchtet, wie es Unsterblichen im Laufe der Zeit ergeht, wenn langsam aber sicher ihr bekanntes Umfeld wegstirbt.
Im Gegensatz zu den Unsterblichen der Milchstraße ist Klems Langlebigkeit nicht öffentlich bekannt. Durch seine Erlebnisse und seine Aktivitäten nach der Rückkehr steht er dennoch im Rampenlicht. Um sein Geheimnis zu wahren, hat er sich eine neue Identität zugelegt.

Und nun kennt ihn wirklich keiner mehr.

Er hat niemanden, mit dem er seine Sorgen und Nöte teilen kann. Der einzige, der aus seiner Sicht einem Freund am nächsten kommt, ist der Nodhkari Gadurn, selbst ein Außenseiter in der GAM. Dieser lernt allerdings erst noch, die Menes zu verstehen, ist für Klem also auch kein geeigneter Ansprechpartner.
Hinzu kommt noch eine tragische Episode in Klems Leben, die mit einer Frau namens Kate zu tun hat, und die im Laufe des Romans immer wieder angedeutet wird.

Kein Wunder, dass er das Leben satt hat, wie er selbst sagt, und sich nach einem geeigneten Nachfolger oder einer Nachfolgerin umsieht.

Und bereits der erste Satz des Romans charakterisiert Fitz Klem in seiner tragischen Situation und schafft sofort die Atmosphäre, die diese Figur hier umgibt.

Neben Fitz Klem spielt auch die gesellschaftliche und technologische Entwicklung der Menes eine Rolle. Treffend dargestellt fand ich die Mischung aus alter und neuer Architektur und Technik. Diese Mixtur symbolisiert gleichsam den Aufbruch der Menes in ein neues, modernes Zeitalter.

Nach wie vor gibt es Gebäude im viktorianischen Stil, aber auch Bauten „Marke Terrania“ prägen das Bild.

Der Einfluss der zugereisten Terraner schlägt sich zudem in der Wissenschaft nieder und die Klem University macht das neue Wissen allen zugänglich. Also fliegen die Menes inzwischen in modernen Gleitern umher. Gleichermaßen werden Verletzte dennoch auf altmodischen Tragen abtransportiert.

Ebenso wie im Zweiten Solaren Imperium, das im Vorgängerromans „Der Goldene Frieden“ im Fokus stand, geht es auch auf Cessairs Welt vorwärts. Die Menes entwickeln sich weiter und sind würdige Vertreter der inzwischen weitverzweigten Menschheit.

Das Verhältnis zu den Gemeni ist angesichts der Vergangenheit noch getrübt. Es gibt sogar eine Minderheit von Querköpfen, die gewalttätig gegen die Gemeni vorgehen will.

Umso symbolträchtiger das Zeichen, das Fitz am Ende setzt, als er dem Nodhkari Gadurn das Eiris-Amulett übergibt.

Fazit

Hat Frau Stern also die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt? Aber vollständig, möchte ich sagen! Michelle hat Fitzgerald Klemm als vom Leben geprägten Menschen geschildert, der nicht nur dessen Sonnenseite kennengelernt hat. Nun ist er dieses Lebens müde. Er hat einen würdigen Abschied verdient, der ihm in diesem Roman gewährt wurde. Die Konsequenz ist leider, dass er für die Zukunft als Figur nicht mehr zur Verfügung steht, was ich persönlich bedauere.


Der Goldene Frieden

Markus Regler über den 2. Kurzroman der Serie „Die verlorenen Jahrhunderte“

Es geht weiter in der zeitlichen Lücke zwischen den Bänden 2999 und 3000. Diesmal gehen wir einen etwas größeren Schritt von der Handlungsgegenwart in die Zukunft. Wir befinden uns im Jahr 1750 NGZ. Handlungsort ist die Welt Gäon, wir befinden uns also in Sevcooris im Zweiten Solaren Imperium.

Der Goldene Frieden – Inhalt

Hier zunächst die obligatorische Spoilerwarnung. Ihr wisst Bescheid.

Die Gäonen befinden sich rund zweihundert Jahre nach dem Besuch des legendären Perry Rhodan in einem Zeitalter des Goldenen Friedens zwischen Gäonen und Thoogondu. Die ehemals schlagkräftige Raumflotte wurde abgerüstet, es gibt keine Auseinandersetzungen mehr, der Lebensstandard ist gut, man kann ein freies Leben führen.
Dennoch ist gerade die junge Generation der Gäonen unzufrieden. Sie sehen ihr Volk nach wie vor in Abhängigkeit von den Thoogondu, pflegen eine Ablehnung gegen diese und werfen ihren Eltern und Großeltern vor, diese Abhängigkeit zu verdrängen und stattdessen mit dem Erreichten zufrieden zu sein.
Die Protagonistin, Sefra Baitan, gehört zu dieser jungen Generation. Zusammen mit ihrem Bruder Krenev versucht sie der empfundenen Eintönigkeit ihres Lebens in virtuellen Spielen zu entfliehen. Junge Gäonen treffen sich heimlich, um in fiktiven Schlachten gegen die Thoogondu anzutreten. Das Ganze ist illegal, da dabei auch die Droge Virtulin im Spiel ist, die das Aufgehen in den Spielwelten erleichtern soll.
Während einer Razzia wird Sefra von Polizeikräften aus einem Spiel gerissen und in eine Therapieeinrichtung verbracht. Es stellt sich heraus, dass das Virtulin süchtig macht und einen starken Einfluss auf den Geist der Spieler ausübt. Zudem hat Sefra weitaus mehr Zeit in der virtuellen Welt verbracht, als ihr vorgegaukelt wurde.
Diese Abhängigkeiten und Manipulationen sollen in der Therapie behandelt werden.
Ihr Therapeut Tolin Posak organisiert Sefras Teilnahme an einem Besuch der Abgesandten des Gondus. Dieser schickt seine Tochter, Pulanoor. Die junge Thoogondu zeigt Interesse an Sefra und lädt sie ein, ihr für die Dauer des Besuchs Gesellschaft zu leisten. Beide entwickeln dabei ein Verständnis füreinander, das Sefra zum Nachdenken bringt.
Doch dann ereignet sich ein terroristischer Anschlag, an dem auch Sefras Bruder beteiligt ist. Dies enthüllt den Zweck der virtuellen Spiele: Zusammen mit der Droge sollen die Spieler zu willfährigen Kämpfern für einen Befreiungskampf der Gäonen gegen die Thoogondu konditioniert werden.

Was erfahren wir über die Milchstraße?

Nichts!

Was macht den Goldenen Frieden aus?

Thomas Rabenstein stellt einen Generationenkonflikt und dessen Auswüchse in den Mittelpunkt seiner Handlung.
Die jungen Gäonen empfinden das Handeln ihrer Eltern als zu lasch. Man verharrt aus ihrer Sicht im Status Quo und im ressourcenarmen Orionsland, wo doch Sevcooris mit seinen unerschöpflichen Rohstoffquellen vor der Haustür liegt. Der glorreiche militärische Vergangenheit des Volkes wird den Jungen ebenfalls zu wenig gewürdigt. Exemplarisch hierfür ist das ehemals mächtige Flaggschiff ARTEMIS nur noch ein rostiger Museumsraumer.
Gleichzeitig misstraut man den Thoogondu, obwohl man mit ihnen kaum in Kontakt kommt. Man wirft den Eltern vor, die Abhängigkeit vom Gondunat zu ignorieren und sich dem Goldenen Frieden zu ergeben. Dieses Misstrauen geht bis hin zur Aggression.
Da ist es nicht verwunderlich, dass die benannten virtuellen Spiele so beliebt sind, bedienen sie doch sämtliche Bedürfnisse der jungen Gäonen. Sie können Soldat/in spielen, aktiv um Rohstoffe kämpfen und gleichzeitig den Thoogondu als obligatorischen Gegnern kräftig in den Hintern treten.

Man könnte meinen, dass Thomas Rabenstein hier aktuelle Bezüge in seine Geschichte einarbeitet. Der Argwohn gegen unbekannte Fremde, der bis hin zu Gewalt führt, ist ein gegenwärtiges Problem. Meiner Meinung nach sind die aufgeworfenen Prinzipien aber grundlegender Natur.

Junge unzufriedene Menschen sind anfällig für die Einflüsterungen politischer Agitatoren. Ein Feindbild ist leicht zu generieren. Die Konditionierung mittels der Spiele funktioniert auch deshalb so gut, weil deren Inhalt die vorhandenen Empfindungen und Ängste der Jungen bedient.
Eine grundlegende antigondische Geisteshaltung wird durch die virtuellen Spiele verstärkt. Die so beeinflussten Spieler pflanzen diesen Samen auch anderen junge Gäonen ins Gehirn und rekrutieren so wieder neue potentielle Kämpfer.
Als Krenev Sefra zu Beginn der Geschichte in die geheime Spielerwelt einführt, bringt er seiner Schwester in einem Dialog auch seine frustrierte Weltsicht näher. Während Sefra anfänglich noch dagegen argumentieren will, nimmt sie im weiteren Verlauf stärker Krenevs Standpunkt ein.
Die Drahtzieher des Anschlags, die ebenso wie ihre konkreten Motive im Dunkeln bleiben, nutzen den bereits vorhandenen Keim, um mit einer Mischung aus Indoktrination und bewusstseinsverändernden Drogen letztendlich Marionetten-Kämpfer zu erschaffen.

Aufgelöst wird Sefras Ablehnung der Thoogondu dadurch, dass sie Pulanoor kennenlernt. Diese hat die gemeinsame Geschichte der beiden Völker studiert und erkennt dort Licht und Schatten, selbstkritisch auch bei ihrem eigenen Volk. Sie betont eine gemeinsame Zukunft von Thoogondu und Gäonen, die sie anstrebt. Daher sucht die den direkten Kontakt mit Sefra.
Diese erkennt, dass es weitaus mehr Gemeinsamkeiten zwischen ihr und der Tochter des Gondus gibt, als sie bislang wahrgenommen hat. Sie kann den Blickwinkel von Pulanoor nachvollziehen und schämt sich dafür, der eigenen Geschichte und den Lehren daraus so wenig Beachtung geschenkt zu haben.
Als sie ihre Ignoranz und Engstirnigkeit über Bord wirft und Interesse für ihr Gegenüber zeigt, kann sie die Abneigung überwinden.

Rabenstein verdeutlicht hier ein wichtiges Prinzip. Der Blick über den Tellerrand, ein Nachvollziehen der Beweggründe und Perspektive des Gegenüber und schlicht und einfach Kommunikation sind die Zutaten, die es braucht, um Grenzen zu überwinden und Konflikte zu umschiffen.
Und auch diese Eigenschaften können Keime sein, wie man ebenfalls am Beispiel Sefras sehen kann. Ihr Handeln (sie rettet Pulanoor das Leben) wird zum Vorbild für viele junge Gäonen und leitet eine Gedankenwende ein.

Der goldene Frieden – Ein Fazit

Diesen Roman zeichnet aus, dass sich mir diese philosophischen Ebene beim ersten Lesen nicht aufgedrängt hat. Das liegt meiner Meinung nach auch daran, dass fast bis zuletzt in der Schwebe bleibt, ob die ganze Therapie mit der Begegnung mit Pulanoor nicht doch Teil eines virtuellen Spiels ist. Man erwartet einen potentiellen Twist, ist davon abgelenkt, so dass die Moral von der Geschichte quasi unbemerkt einsickert. Außerdem bietet der Roman selbstverständlich profunde Action, das soll hier keinesfalls vergessen werden, und das Lesen macht viel Spaß. Er gibt einen Einblick in die weitere Entwicklung der Menschheit im Orionsland und es ist schön zu lesen, dass sich das Zweite Solare Imperium auf einem guten Weg befindet.



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