von Einem, der auszog, um 3000 Perry-Rhodan-Romane zu lesen

Kategorie: Lesezeichen (Seite 1 von 13)

Manchmal mache ich mir Gedanken über meinen Heftekonsum. Kurze Gedanken, lange Gedanken, Oberflächliches, Tiefsinniges … egal

Tag-und-Heft-Gleiche

Zu Beginn meiner Lesereise vor 1610 Tagen pendelte sich relativ schnell das Maß von einem Heft pro Tag ein. Mal eins mehr, mal eins weniger. Eine schöne Routine.

Dann stellte sich mein Leben mehrfach vom Kopf auf die Füße und wieder zurück, und das wars dann ganz schnell mit irgendwelchen Routinen. Schneller als ich lesen konnte, lag ich knapp 300 Hefte zurück. Im Grunde egal, weil: meine Reise, mein Tempo.

Aber ganz so einfach geht es wohl doch nicht, teilte das mir innewohnende Amt für routiniertes Lesen und wiederkehrende Freuden mit: Ein Heft am Tag ist gut für die Gesundheit. Als Konsequenz legte ich einen kleinen Zwischensprint ein und vermelde heute froh und zufrieden:

An Tag 1610 nehme ich mir das Perry-Rhodan-Heft 1610 vor!

Bis dann, bin lesen.

Sieben Zwölftel SOL am Stück

Mal wieder ein paar Raketenhefte bingen

Neulich schrieb ich ja, dass ich meine Lesereise durch das Perryversum wieder etwas stringenter gestalten möchte. Erstes sichtbares Zeichen ist der Abbau des SOL-Reststapels auf meinem Büchertisch. Vor sehr langer Zeit schrieb ich ja schon mal über den ersten Rutsch meiner persönlichen SOL-Abenteuer. Nun liegen bereits die ersten zwei Bände der Nachfolgeserie auf dem Tisch. Höchste Zeit also für die letzten sieben Zwölftel und ein kurzes Fazit.

Zur Verpackung

Natürlich zeichnet Dirk Schulz auch für die Cover der zweiten SOL-Hälfte verantwortlich. Das sind meine sehr knappen Eindrücke:

Und das steht drin

Hermann Ritter schreibt Das Orakel von Tess und verbreitet zumindest bei mir gepflegte Langeweile – hat mich nicht gepackt.

Marc A. Herren hat Eine kosmische Bestimmung. – Alaska! Ich bin parteiisch und begeistert!

Bernd Perplies steht eine Krise auf Evolux durch und lässt es ordentlich krachen – hat mir gut gefallen.

Ben Calvin Hary sticht Ins Herz der Finsternis – Roi Danton. Und wieder bin ich parteiisch und begeistert.

Olaf Brill schildert Die Höllenfahrt der SOL – Michael Rhodan … hach, was hab ich drauf gewartet.

Dietmar Schmidt wagt den NEUBEGINN und SENECA darf endlich wieder SENECA sein. Ich komme ja aus dem Verliebtsein gar nicht mehr raus.

Der Würfel fällt mit Kai Hirdt – schöner, kosmischer Abschluss mit einem tollen Ende.

Versuch einer Art Fazit

Die Miniserien neben der eigentlichen Hauptserie um den unsterblichen Ex-Risikopiloten haben sich ja mittlerweile etabliert. Dass es im Jubiläumsjahr von Band 3000 tatsächlich einen weiteren Zwölfbänder geben würde, hat mich durchaus gewundert. Dass es um die SOL gehen würde, hat mich begeistert, immerhin bin ich großer Freund Michael Rhodans – trotz allem.

Dass mir dann noch ein Wiedersehen mit Alaska Saedelaere zuteil wird, meinem zweiten absoluten Lieblingscharakter des Perryversums … mehr kann ich doch gar nicht verlangen, oder?

Ich fühlte mich über 12 Bände bestens unterhalten. Kai Hirdt hat sich als SOL-Experte eine feine Geschichte ausgedacht, sie mit der passenden Mischung aus kosmischem Gerümpel und Action versehen, um am Ende noch eine Extrarunde einzulegen. (Bleibt Mission SOL 2 die letzte Runde? Im Prinzip muss der Gang durch den Spiegel ja nicht … ach, man sollte Konzepte auch nicht tot reiten.)

Jetzt freue ich mich erstmal auf die aktuelle Erstausgabe, um mich dann in aller Ruhe der ersten Hälfte von Mission SOL 2 zu widmen.

Erstkontakt im Jahr 2020

Schöne Grüße von Osminda und Herrn Rabenstein

Während die kosmische Hanse versucht, sich Olli-Bolli, den Schrecken der Basis vom Hals zu halten, blätterte ich nebenbei in ein wenig bodenständiger Ausgleichsliteratur. Als kleinen Weihnachtsgruß erhielt ich hierzu von Thomas Rabenstein seinen Roman Osminda zugeschickt (Oder um es direkt zu sagen: Ich erhielt ein kostenloses Rezensionsexemplar, nur mal so, der Transparenz wegen.)

Osminda und das Observatorium

Thomas Rabenstein

Mit Osminda erzählt Thomas Rabenstein die Geschichte eines Erstkontaktes, also einen Klassiker des SF-Genres. Im Zentrum des Romans stehen der alleinerziehende Astronom Hubble und seine Teenagertochter. Hubble pflegt in einem bekannten Observatorium ein paar alte Teleskopschätzchen und versucht den Spagat zwischen Alleinerziehung und Karriere als Wissenschaftler. Vater und Tochter haben sich in ihrem Leben nach dem Tod von Hubbles Frau eingerichtet, als während einer Sturmnacht eine seltsame Person auftaucht. Sie hat seltsame Ähnlichkeit mit der verstorbenen, stellt sich aber schnell als nicht von dieser Welt heraus. Hubbles Tochter findet schnell einen Draht zu der Unbekannten und geht die Sache gründlich anders an, als ihr wissenschaftlich ausgebildeter Vater.

Was mir an Osminda gefiel

Osminda – Titelbild von Lothar Bauer

Ich mag, wie Thomas Rabenstein schreibt. Sein Beitrag zu den verlorenen Jahrhunderten um Band 3000 der Perry Rhodan Serie brachte mich zu Nebular. Hier war Thomas Rabenstein so nett, mir ein kleines Interview zu geben. Um so erfreuter war ich, auch einmal einen Einzelroman lesen zu können. Eine Erstkontaktgeschichte ist jetzt nichts wahnsinnig Neues, aber vor allem in der zweiten Hälfte des Buches, nimmt die Geschichte gut Fahrt auf und Rabenstein präsentiert ein paar sehr schöne Details und einen wirklich guten Grund für den Erstkontakt. Außerirdische, die nicht einfach so vom Himmel fallen, sind mir durchaus ein Vergnügen. Außerdem hat Osminda ein wirklich eindrucksvolles Cover, das ich mir nicht nur einmal angeschaut habe. Dazu gibt es noch zwei Innenillustrationen. Ich finde es großartig, wenn Selfpublisher solchen Wert auf die Gestaltung ihrer Bücher legen.

Was mir an Osminda nicht gefiel

Die ersten einhundert Seiten des Buches ziehen sich mehr, als sie müssten. Längst ist dem Leser klar, dass Osminda nicht von der Erde kommt, aber Astronom Hubble ist derart stur und skeptisch, dass es fast schmerzt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die leicht chaotische Tochter nun endlich das Ruder übernehmen möge und die Handlung weitertreibt. Mehr Außerirdische, weniger Skepsis und weniger Beziehungskiste – das wäre mein Wunsch für die erste Hälfte des Buches gewesen. Aber keine Angst, wer durchhält, wird mit einem rasanten und fantasievollen Finale belohnt!

Fazit

Mit Osminda legt Thomas Rabenstein einen feinen Einzelroman vor, der lange braucht, um in die Gänge zu kommen, aber Leserinnen und Leser mit einem tollen Ende belohnt. Wer Thomas Rabenstein noch nicht kennt, sollte eventuell zuerst zu Nebular greifen, da es hier direkt in die Vollen und auf die Zwölf geht. Nebular-Kenner lernen mit Osminda eine etwas andere Seite des Stuttgarter Autors kennen, von der ich mich gut unterhalten fühlte.

Fünf Zwölftel SOL am Stück

Ein kurzer Rückblick auf die aktuelle Perry Rhodan Miniserie

Neben der BASIS und ihrer Suche nach PAN-THAU-RA beschäftigt mich – wie sicher die meisten Rhodanisten gerade – ein anderes legendäres Raumschiff: die SOL. Gebaut vor Urzeiten, aufgefahren in den Himmel, verschollen und noch nicht wieder auferstanden unter dem Kommando Roi Dantons. Dass der Herr Kapitän neben Alaska Saedelaere zu meinen beiden Lieblingscharakteren im Perryversum gehört, macht die Sache für mich persönlich natürlich noch interessanter, will ich doch unbedingt wissen, was aus dem Sohn eines Übervaters und späteren König in französischer Uniform geworden ist.

Allein, mir fehlte die Zeit zur regelmäßigen Lektüre, sodass sich erst fünf Hefte auf meinem Tisch stapeln mussten, bevor ich mich dem Abenteuer hingeben konnte – von einem kleinen Leseprolog mit der ersten Hälfte von Heft Eins mal abgesehen. Und dann kam der letzte Montag, brachte viel Zeit mit und hinterließ mich begeistert. Doch der Reihe nach!

Das Gewand der SOL – Dirk Schulz zaubert

Die SOL zu zeichnen ist mindestens ein so großes Wagnis, wie über die SOL zu schreiben. Legendär sind die unterschiedlichen Längen des Verbindungsstücks der beiden Solzellen und amüsant die perspektivischen Unklarheiten auf vielen älteren Covern. Manch einer geht sogar so weit zu sagen, dass Johnny Bruck die SOL gar nicht zeichnen konnte. (Eine Ansicht, die ich nicht teile.) Um so gespannter war ich, was Dirk Schulz aus der Legende machen würde, nachdem die Konzeptzeichnung in München für meinen Geschmack schon ziemlich gut aussahen: klassischer Rhodan und eine modernisierte Version des Rhodan-Logos, wie sie mittlerweile für Miniserien üblich ist. Von der SOL selbst jedoch noch keine Spur.

Kai Hirdt und Klaus N. Frick stellen die Miniserie SOL vor.

Doch offenbar waren die präsentierten Bilder wirklich nur grobe Skizzen, denn es kam völlig anders. Dirk Schulz zeichnete nicht nur eine großartige, goldene SOL in passenden Proportionen, sondern ließ in einigen Covern auch sein zweites Ego als Comiczeichner raus. Schön. Sehr schön!

  • Heft 1: Goldene SOL, Planeten, ein Raumschiffstart – toller Auftakt.
  • Heft 2: Raumschiff, Stadt, klassischer Rhodan – ist in Ordnung
  • Heft 3: SOL in Gold über Evolux – Hammer
  • Heft4: Comic mit Alien – mein Favorit
  • Heft 5: Schlägerei mit grünem Muskelpaket, typischer Schulz – geht in Ordnung
Die ersten fünf Hefte von Mission SOL – (c) VPM, 2019

Herr Hirdt haut einen raus

Kai Hirdt hat sich schon lange einen Stammplatz im Perryversum erschrieben und fällt immer wieder als meinungsstarker und kompetenter Mensch mit Begeisterung für den Unsterblichen auf. Geschichten erzählen kann er, Ahnung vom Perryversum hat er erwiesenermaßen von NEO bis Comics, was also lag näher, als ihm die Expokratur einer Miniserie anzuvertrauen. Präsentiert wurde das ganze auf der Jubiläumsverantaltung zu Band 3000 in München – zumindest für mich eine echte Überraschung, hieß es doch im Vorfeld immer, dass es 2019 keine Miniserie geben würde, wegen der ganzen anderen Publikationen.

Nach der Überraschung wuchs die Spannung. Kai Hirdt hat die SOL ja schon einmal in den Fingern gehabt, und betextete eine sechsbändige Comicreihe, die mich persönlich jetzt nicht so vom Hocker gehauen hat. (Was nicht unbedingt an der Story lag, vielmehr an der etwas zähen Erscheinungsweise, was ja bei einer Miniserie eher kein Problem ist.)

Doch auch wenn die Hefte wie erwartet im gewohnten Rhythmus erschienen, baute sich ein Stapel ungelesener Rhodans von ungewohnter Höhe auf – immer diese Urlauberei. Schlimm! Doch das ist vorbei – hier im Schnelldurchlauf meine Kurzeindrücke zu den ersten fünf Zwölfteln der Mission SOL:

  • Heft 1: Kai Hirdt – Das Raumschiff: spannender Auftakt, der mich in vielen Aspekten an die Darkover-Romane von Marion Zimmer Bradley erinnerte – Klasse!
  • Heft 2: Bernd Perplies – Die Athanos-Verschwörung: klassischer Rhodan, aber etwas inhaltsleer, das Druckbild lässt auf weniger Zeichen schließen – Hoffentlich wird der zweite Beitrag besser.
  • Heft 3: Dietmar Schmidt – Gefährlicher Pakt: Roi Danton und SOL, das Heft spielt an meinem Geburtstag – Ich bin verzückt!
  • Heft 4: Ben Calvin Hary – Welt des ewigen Todes: Action-Ben lässt es krachen, ich hatte Freude beim Lesen – Zwei Stunden sehr feine Unterhaltung.
  • Heft 5: Olaf Brill – Strafkolonie der Ksuni: immer noch Action, aber irgendwie hats mich nicht gepackt, zeitweise lief Captain Kirk durchs Bild, der seine Mannschaft in einer Pappkulisse freikämpfen muss – Ganz OK, Rhodan mit TOS-Feeling.

What’s next?

Nu isse da, die SOL und hat mir viel Freude bereitet. Peregrin sucht seinen Sohn und das letzte Drittel der SOL. Der Leser weiß, dass Dantons Expedition gescheitert ist, der Rest ist unklar. Kai Hirdt und dem Autorenteam gelingt es, eine Geschichte zu erzählen, die Ihre Spannung aus dem Schicksal der SOL und ihrer Besatzung zieht, weniger aus der Suche selbst. Wo steckt Roi? Wie geht es ihm? Woran ist er gescheitert? Wo steckt das Mittelstück der SOL? Und vor allem: Wann taucht die SOL wieder in der Erstauflage auf?

Die Suche selbst ist eine routiniert aufgebaute Queste, große Überraschungen erwarte ich da nicht mehr. Offenbar gibt es nach terminusscher Puzzlearbeit, olympischer Politiklastigkeit nun SOLsche Action. Ist doch auch schön.

Nun warten wir mal ab, was Kai Hirdt noch alles einfällt – und vor allem, wie er die Serie in den Kanon einpasst, ohne der faszinierenden Geschichte des großen Fernraumschiffs zu viele Freiheiten zu nehmen.

Und die Neuleser?

Die Geschichte der SOL ist lang, verworren, detailreich ausgeschmückt und vor allem untrennbar mit den hohen Mächten verbunden. Fasziniert hat mich der gelungene Spagat, all das dem routinierten Leser nicht vorzuenthalten, mögliche Neuleser nicht zu überfordern, und das ganze Kosmobabbel dann auch noch ohne das mitunter schwülstige Geschwurbel früherer Zeiten unterzukriegen.

Hut ab, dafür. Und klare Leseempfehlung für Menschen, die nur mal ins Perryversum reinschauen wollen.

Herrn Millers schmerzhafter Appetit nach Welgersbeeren-Gelee

Herr Haufen ist aus der Sommerpause zurück

Moin zusammen. Hinter den Kulissen des Heftehaufens gibt es heftige Verwerfungen, aber die Konstante „Ich lese Rhodan von Vorne bis hinten und erzähl was drüber“ bleibt unverändert bestehen – wenn auch im Moment mit winzigen Änderungen, die gewissen organisatorischen Umständen geschuldet sind.

Wie so eine Transformkanone

Eine dieser Änderungen, ich hatte sie ja im Monatsrückblick schon anklingen lassen, ist ein vorübergehender Wechsel des Mediums, der sich aber meiner Meinung nach ganz gut in mein Leseerlebnis einfügt. Mit dem PAN-THAU-RA-Zyklus habe ich einen dieser netten kleinen Kurzzyklen vor mir, oder besser gesagt um mich herum. Die Umstände bringen es nämlich mit sich, dass ich gerade mehr im Auto unterwegs bin, als ich eigentlich möchte. Was liegt da näher, als kurzfristig ein Hörbuch-Abo abzuschließen, und sich die entsprechenden Silberbände 102 bis 105 vorlesen zu lassen. Feine Sache!

Bitte was? – Herrn Haufens Hörbuchfreuden

Ben Calvin Hary hatte ja letztens dieses hübsche Video darüber, wie man gewisse Namen im Perryversum nun ausspricht, oder aussprechen könnte (Ich möchte an dieser Stelle mal wieder meine Lieblinge von den Quolnäer Keretzen auf die Bühne bitten.)

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Als Hörbuchhörer stellt sich das Problem lustigerweise genau andersherum. So fragte ich mich beim „Aufbruch der Basis“, an welchen unerträglichen Schmerzen Herr Miller litt, dass er sie sogar im Vornamen trägt, und wer der bekloppten Idee verfällt, einen Riesenplaneten als Beere zu bezeichnen, und welche Superintelligenz denn nun WELGER sein könnte. Zum Glück gibt es in der Perrypedia das Zyklusportal, in dem der geneigte Hörer dann nach Payne Hamiller und Välgerspäre suchen kann.

In diesem Sinne freue ich mich noch auf eine ganze Reihe von Verhörern und verbleibe mit einem friedliebenden

Ad Astra, Terraner – und frage mich, ob ich der einzige bin, der solch seltsame Dinge hört.

Der Läusefänger von Larsaf III

Einige Eindrücke zum Atlan Blauband „An der Wiege der Menschheit“

Die Lektüre des BARDIOC-Zyklusses bereitet mir doch mehr Probleme, als ich im Vorfeld vermutet hatte. Das liegt nicht an der kosmisch-fantastischen Handlung – die ist großartig. Langeweile verbreiten da eher eine große Zahl von Einzelromanen, mit denen ich wenig bis nichts anfangen kann. Clark Darlton schien nicht seine beste Autorenphase erwischt zu haben, von Hans Kneifels Romanen konnte mich nicht ein einziger überzeugen und der Humor des H.G. Ewers und ich – wir werden einfach keine Freunde mehr.

Die Sache mit Ewers und Darlton ist für mich klar, aber es kam die Frage auf, was ich früher an Kneifels Romanen gut fand. Und in dieser Situation kam mir das Hörbuch des ersten Blaubandes „An der Wiege der Menschheit“ unter – Hans Kneifel und seine Spezialität: Atlan-Zeitabenteuer.

Eine neue Erfahrung

An der Wiege der Menschheit – © Eins A Medien

Bisher bin ich weder in die Welt der Hörbücher noch tief in die Biografie des unsterblichen Arkoniden abgetaucht. Höchste Zeit das zu ändern, zumal mich schon der erste Blick auf den Tonträger faszinierte. Das von Simone Kesterton geschaffene Cover hat so gar nichts vom herkömmlichen Rhodan-Look. Es zeigt Atlan, seine Wölfe, ein futuristisches Objekt und eine urzeitliche Siedlung. Spannende Mischung, schöne Zeichnung.

Geschichten, die nur Kneifel kann

Mal Hand aufs Herz: Das, was Kneifel uns hier auftischt, ist schon schwer schräg. Der olle Arkonide wandelt über eine urzeitliche Erde und wirkt als gottgleicher Lehrmeister der Barbaren. Ein herrlicher Spaß, der vor präastronatischen Theorien nur so trieft, im Gegensatz zum dänikenschen, pseudowissenschaftlichen Original aber eine Menge Humor ausstrahlt. Wie Atlan bei einer klebrig-verlausten Urmenschenfrau nichts anbrennen lässt, während er dem Rest der Sippe lesen und schreiben beibringt – das nehme ich in der Form nur Kneifel ab und das ist es wohl auch, wofür ich seine Bücher schätze. Die gute Katya hat übrigens auch Johnny Bruck zu einem unverwechselbaren Titelbild inspiriert.

Dass das ganze herrlich inkonsequent und sehr altbacken daherkommt? Geschenkt. Beispiel gefällig? Zu Anfang der ersten Erzählung freut sich Atlan, dass die Frauen einer Steinzeitmenschensippe auch mit auf die Jagd gehen und die Gesellschaft unverdorben von modernen Moralvorstellungen ist. 30 Hörminuten später sind die Frauen aber wieder Heimchen am Feuer und die schönste von allen Himmelt den göttlichen Arkoniden an. Kneifel, as Kneifel can.

Wer soll das lesen?

Natürlich ist „An der Wiege der Menschheit“ ein großer Spaß, wenn man sich drauf einlässt. Aber ich wage einmal zu behaupten, dass ein Mensch, dem die Grundzüge des Perryversums unbekannt sind, mit dem Buch wenig anfangen kann. Dazu ist die Rahmenhandlung zu tief in die Serienhistorie eingebettet, und auch in den Hauptgeschichten selbst tauchen immer wieder Elemente auf, von denen ich vermute, dass sie sich dem rhodanistisch unbelasteten Leser nicht sofort und von selbst erschließen. Interessant wäre es, „Bruder der stählernen Wölfe“ in der unbearbeiteten Version zu lesen. Mal schauen, sind ja bald Ferien. Die Wiege der Menschheit war zumindest nicht mein letzter Hörblauband für lange Autofahrten.

Aber jetzt lese ich noch fix BARDIOC zu Ende, und dann bin ich mal einfach so frei eine schöne lange Sommerpause einzulegen. Keine Ahnung, welches Buch mir da vor die Füße fällt.

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