von Einem, der auszog, um 3000 Perry-Rhodan-Romane zu lesen

Schlagwort: Andreas Eschbach

Der Unsterbliche wird 60!

Ein Blick auf meine Jubiläumslesewoche

60 Jahre, 3134 Hefte der Hauptserie, 260 NEO-Romane und dazu noch etliche andere Publikationen – in Summe 5000 Druckerzeugnisse, so hört man dieser Tage aus der Perry-Rhodan-Redaktion. Nachgezählt habe ich nicht, aber immerhin 4 dieser Erzeugnisse in einer Woche genossen. Das lohnt doch mal einen kleinen Tagebucheintrag. Im einzelnen handelte es sich um

  • Unternehmen Sternenstaub, Heft 3134 der Erstauflage
  • Gestrandet in der Zeit , Heft 260 PR NEO
  • Aufbruch in die Weiße Stadt, Story 1 der Reihe “Galacto City”
  • Perry Rhodan Sonderband, Das Heft zum 60. Jubiläum
Die Publikationen der Perry Rhodan Jubiläumswoche – (c) VPM, 2021

Mein Wiedereinstieg in die aktuelle Handlung

Ganz traditionell begann ich mit dem Jubiläumsband “Unternehmen Sternenstaub“, verfasst vom Co-Expokraten Wim Vandeman. Für mich persönlich markierte das Heft einen Wiedereinstieg in die aktuelle Handlung nach sehr langer Zeit; entsprechend hoch war meine Spannung.

Im Zentrum des Geschehens steht der heimliche Held der Serie, Reginald Bull. Er treibt sich in seiner Heimat Queens herum, vielmehr lässt er sich treiben. Dabei begegnet er allerlei Gestalten der Nacht und einem Boten der Chaotarchen. Ich stimme Markus Gersting vollumfänglich zu, der den Roman schlichtweg ein Meisterwerk nennt.

Ich würde mein Fazit gern so formulieren: Wim Vandeman, ich will ein Kind von dir! Und zwar eins mit mindestens 500 Seiten, in dem du dich in deinem eigenen Universum austoben kannst. Es wäre mir eine Freude.

Mal wieder einen Blick ins Neoversum werfen

Weiter ging es mit “Gestrandet in der Zeit” von Lucy Guth. Auch dieses Heft markierte einen Wiedereinstieg in die aktuelle NEO-Handlung nach gut 200 Bänden mehr oder weniger Leseabstinenz. Zugleich, so verrät es der Einband, stellt der Band den Einstieg zur Staffel “Arkons dunkle Zeit” dar. Und was erwischt mich? Ein Zeitreiseabenteuer! Himmel, wie ich die Dinger liebe – NICHT!

Aber halt, es war nicht der Zeitreiseaspekt, der mich mit dem Romanbeginn hadern lies, vielmehr plätscherte die Handlung um eine 10.000 Jahre in die Vergangenheit zurückgeschleuderte NEO-SOL mit Thora Rhodan da Zoltral an Bord so vor sich hin. Ein paar Gedanken hier, ein bisschen Unsicherheit da – zum Zyklusauftakt hätte ich mir ein größeres Feuerwerk erwartet. Lucy Guth zündete das Feuerwerk gegen Ende, als die SOL an eine arkonidische Patrouille gerät und ihr Dasein als Zeitreiseobjekt verbergen muss.

Alles in allem kein schlechter Auftakt, aber auch nicht unbedingt der Knaller, den ich mir für einen Staffelauftakt gewünscht hätte. Der Roman bietet von allem etwas, aber von nichts konsequent was – es gibt ja die abgedroschene Formulierung “nicht Fisch, nicht Fleisch”. Die beschreibt den Roman für mich ganz gut. Aber schauen wir mal, wohin sich das ganze noch entwickelt.

Etwas fürs Sammlerherz

Um die Printprodukte zügig einsortieren zu können (ich hatte letzte Woche auch einen gewissen Aufräumdrang bezüglich meiner Bücher und Hefte) nahm ich mir den Perry Rhodan Sonderband vor. Das Heft zum 60. Jubiläum darf natürlich in keiner Sammlung fehlen, ist doch klar. Klaus N. Frick beschrieb den Inhalt als “magazinig”, entsprechend gespannt war ich auch hier.

Das Heft bietet neben Vor- und Geleitworten von Klaus Frick und Wim Vandeman eine Vorstellung des Perry Rhodan Autorenteams seit Beginn der Serie. Dazu kommen ein paar Gedanken zur Exposee-Erstellung von Christian Montillon und mein persönliches Highlight – ein launiger Text von Johannes Rüster zum berühmten Rotweinfoto der beiden Seriengründer. Ein Fest sondersgleichen! Danke Johannes!

Den Hauptteil bildet der Vollständige Text von Band 1 “Unternehmen Stardust”. Nett für Serieneinsteiger, aber wirklich interessant wird das ganze erst im direkten Zusammenspiel mit den beiden zusätzlich abgedruckten Expos der beiden allerersten Hefte. Faszinierende Einblicke und ein rundum faszinierendes Heft. Ein schönes Geschenk für die Serie und ein kleiner, feiner Zuwachs für die Sammlung. Herzlichen Dank!

Neues vom Star-Gastautor

Den Abschluss der Jubiläums-Lesewoche bildete der “Aufbruch in die Weiße Stadt” von Andreas Eschbach. Die Geschichte bildet den Auftakt zur Reihe “Galacto City” die tief in der Vergangenheit der Serienhistorie angesiedelt ist und uns mit in die Gründungszeit der Stadt nimmt, die einmal Terrania heißen wird.

Eschbach erzählt uns von Tin Can, alias Vince Tortino, jenem Kinderfreund Rhodans, der mich schon in “Perry Rhodan – Das größte Abenteuer” fasziniert hat. Tin Can ist immer noch auf der schiefen Bahn unterwegs und wird von seinem Gangsterkumpel Logan, ebenfalls alt bekannt, an den Goshunsee geschickt, um dort ein krummes Ding zu drehen. Garniert wird das ganze noch mit einer kleinen Liebesgeschichte und von Andreas Eschbach zu einem herrlich kurzweiligen Lesevergnügen verrührt.

Versuch eines Fazits

Pünktlich zum Ende eines unrhodanistischen Sommers feierte der Alte von Terra Geburtstag. Mein Freund Volker sagt immer “Es gibt keine Zufälle im Leben”, und ich fürchte, er liegt auch diesmal wieder richtig. Die vier Publikationen der Rhodan-Jubiläumswoche haben es geschafft, in mir das Feuer des unsterblichen wieder zu entzünden, wussten sie doch jede auf ihre Weise zu überzeugen. Wie es mit dem Chaotender weitergeht, lässt mich nicht kalt, ob ich bei Neo an Bord bleibe, wird sich weisen und Galactocity transportiert genau die Frühzeitatmosphäre der Serie, die bei modernen Erzählungen so schwer zu treffen ist.

Schlussbemerkung

Nein, ich habe keine Rezensionsexemplare bekommen, wurde von keinem Verlagsmitarbeiter genötigt, diese Zeilen zu verfassen, sondern mache dies aus schierer Freude zu meinem Hobby und muss deshalb auch nichts als Werbung kennzeichnen, denke ich, da ich auch an keinem Partnerprogramm von irgendjemandem teilnehme. Amen!

Das größte Abenteuer

Andreas Eschbach enthüllt Kindheit und Jugend des unsterblichen Terraners

Pünktlich zu Tag 788 meiner kleinen rhodanistischen Lesereise erscheint mit Andreas Eschbachs “Perry Rhodan – Das größte Abenteuer” ein 850 Seiten dicker Wälzer, der die Geschichte erzählt, wie es tatsächlich dazu kam, dass nicht die Herren Armstrong und Aldrin zuerst den Mond betraten, sondern Perry Rhodan und seine Kumpels Bull, Manoli und Flipper.

Ich konnte den Roman bereits in München erwerben und habe lange überlegt, ob ich zu dieser Großtat etwas schreibe. Da sie mich aber eine Woche lang beschäftigt hat, gehört ein kurzer Bericht selbstverständlich in mein Lesetagebuch.

Was steht drin?

Versteckt in den Heftromanen, nachzulesen in der Perrypedia, steht so einiges, was bisher über die Kindheit des Risikopiloten mit den bayrischen Vorfahren bekannt war. Eschbach nimmt all diese kleinen Bausteine und setzt sie vor dem geschichtlichen Hintergrund des Wettlaufs zum Mond auf faszinierende Weise zusammen. Endlich ist die Frage ein für alle Mal geklärt, wie Perry Rhodan wirklich und in echt und überhaupt als allererster Mensch auf dem Mond landen konnte und dort selbstverständlich auf Außerirdische getroffen ist.

Wie ist es verpackt?

Perry Rhodan – Das größte Abenteuer © Fischer TOR

Das größte Abenteuer kommt als hochwertiges Hardcover mit Schutzumschlag auf den Lesetisch. 850 Seiten sind nichts, was man mit in die Badewanne nimmt, sind aber sonst gut zu handhaben. Auf dem Cover grüßt ein Mensch im Raumanzug, der so gar nichts mit den Raumanzügen zu tun hat, die der kundige Rhodanist von Johnny Bruck, Dirk Schulz oder Arndt Drechsler kennt. Dies mag vordergründig wahrscheinlich der Tatsache geschuldet sein, dass man den unrhodanistischen Eschbachfan nicht mit all zu abgedrehtem Pulp-Charme überfallen will. Aber im Grunde gibt das Cover einen deutlichen Hinweis, in welche Richtung uns der Autor über die nächsten 850 Seiten mitzunehmen gedenkt: nach Cape Canaveral und das Apolloprogramm der NASA.

Wie hat mir “Das größte Abenteuer” gefallen?

Als ich hörte, dass Andreas Eschbach ein Prequel zu meiner täglichen kleinen Weltraumreise verfassen sollte, war ich nicht ganz unbegeistert, aber doch auch ein wenig skeptisch, was da kommen würde. Diese Prequelgeschichten scheinen ja spätestens seit Star Wars Episode I groß in Mode zu sein, und es gibt genug Beispiele dafür, dass dieses Unterfangen nicht immer gut geht. Aber Meister Eschbach hat ja nun doch deutlich Ahnung von dem, was er sich da vorgenommen hat. Also überwog schnell die Freude.

Johnnes Rüster hat in seiner Vorstellung des Buches im Literaturhaus München ein schönes Bild gewählt: Das größte Abenteuer bewegt sich zwischen Dagobert Duck, Forrest Gump und der Saturn V.

Johannes Rüster verdeutlich den Umfang des Rhodan-Prequels

Anders als Don Rosa gelingt es Eschbach, die Kindheit eines Mythos schlüssig zu erklären, ohne diesen zu zerstören, er lässt seinen Helden wie Forrest Gump auf allerlei bekannte Persönlichkeiten treffen und liefert eine eindrucksvoll recherchierte Version des Apolloprogramms, um diese dann in die rhodanistische Parallelwelt abbiegen zu lassen. In abgewandelter Form erscheint dieser wundervolle Vortrag im Perry Rhodan Report der Heftnummer 3004. Da freue ich mich schon drauf.

Genau diese Mischung aus Mythos und Realität ist es, die mir an “Das größte Abenteuer” so ausnehmend gut gefallen hat. Eschbach verwebt die bekannten rhodanistischen Fakten mit einer lebendig dargebotenen Szenerie der realen Vereinigten Staaten von Amerika in den 1960er Jahren und flicht immer mal wieder eine kleine Schelmerei am Rande ein. (Dass Rhodans Vorfahren aus dem bayrischen Scheernsting stammen, ist dabei nur die offensichtlichste, viele weitere sind im Text versteckt, besonders einige kleine Querverweise zu PR 3000.) Hier hat mir das Buch großen Spaß gemacht, und viel mehr als auf die Begegnung mit den Arkoniden habe ich der Stelle entgegengefiebert, an der Eschbachs Geschichte endgültig die bekannte Zeitlinie unseres Universums verlässt.

Zu Beginn des Romans lässt sich Eschbach viel Zeit, die Familiengeschichte der Rodens, die dann zur Familie Rhodan wurde zu schildern, stellt Perry einen Jugendfreund an die Seite und lässt die beiden allerlei spannende Episoden gemeinsam erleben. All das geschieht in der Sprache eines Chronisten, der sich für Rhodanisten schnell als alter Bekannter entpuppt. Die geschilderten Episoden sind dabei weniger der Science Fiction, als vielmehr dem Entwicklungs- oder gar historischen Roman zuzuordnen. Schließlich begegnen Rhodan und sein afroamerikanischer Kumpel Leroy dem Menschenrechtler Martin Luther King, Rosa Parks hat selbstverständlich ihren Auftritt und gegen Ende des Romans gerät Rhodan in die Pariser Studentenproteste.

Ein wenig störend fand ich den kurzen Abschnitt über die Individualverformer, der aber für unrhodanistische Leser notwendig ist, um das Auftreten Ernst Ellerts verstehen zu können. Es wäre interessant zu erfahren, wie dieser Abschnitt auf Leserinnen und Leser wirkt, die das Buch vornehmlich als Eschbachfans lesen.

Fazit

Perry Rhodan – Das größte Abenteuer ist ein Roman, in dem sich Raketenheft, Entwicklungsroman und historische Erzählung treffen. Beinharte MdI-Fans werden hier mehr über den Unsterblichen erfahren, als sie jemals in 3000 Heftromanen gelesen haben und vermutlich lesen wollen. Freunde lang angelegter Spannungsbögen werden genau so ihre Freude an diesem Buch haben, wie Menschen, die sich vom Spiel mit historischen Details verzaubern lassen können. Da wird die Begegnung mit den Arkoniden schon fast zu Nebensache. Denn die kennen wir ja schon. Andreas Eschbach hat mich mit seinem gelungenen Prequel bestens unterhalten.

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