von Einem, der auszog, um 3000 Perry-Rhodan-Romane zu lesen

Schlagwort: Europa-Hörspiele

Herr Rhodan aus Kindersicht

Eine etwas andere Rezension zu Unternehmen STARDUST

Kürzlich habe ich die zwölfteilige Europa-Hörspielserie rund um die Frühzeit des Unsterblichen gehört. Als Fazit konstatierte ich, dass der zweite Anlauf des Hörspielstudios rund um Heikedine Körting deutlich weniger schräg ist, als der erste Anlauf aus den 1970ern.

Aber taugen die Hörspiele auch dazu, Menschen von Rhodan zu begeistern, die bisher nichts oder wenig mit ihm zu tun hatten? Zusammen mit meiner hörspielaffinen zehnjährigen Tochter bin ich dieser Frage nachgegangen. Herausgekommen ist die erste Heftehaufenrezension aus Kinderhand. Ich übergebe an Kind Heftehaufen:

Im Auto habe ich mit meinem Papa Perry Rhodan gehört. Es war spannend. Im Hörspiel fliegt Perry Rhodan mit einer Rakete zum Mond und trifft die außerirdischen Arkoniden. Die außerirdische Frau ist am Anfang sehr gemein. Ich fand cool, dass es Außerirdische gab. Ich fand auch toll, dass die Außerirdischen selber Raumschiffe haben. Bestimmt ist es spannend, Außerirdischen wirklich im Weltraum zu begegnen.

Ich finde es toll, dass die Arkoniden unglaubliche Macht besitzen. Es war ein bisschen gruselig, dass es auf der Erde einen Atomkrieg geben sollte. Aber der Rest war nicht zu unheimlich.

Wenn wir mal wieder Auto fahren, würde ich das nächste Hörspiel gern hören.

Die drei ??? und die Jagd auf den Unsterblichen

Perry Rhodan in den EUROPA-Hörspielen der 80er

Nach meinem Ausflug in die rhodanistische Hörspielfrühzeit war es logisch, mir als Nächstes die zwölfteilige Hörspielbearbeitung des Serienanfangs aufs Ohr zu legen. Ein Dutzend Hörspiele, die die Geschichte der ersten neunzehn Heftromane umfassen, also vom Mondflug bis zum Treffen mit ES. (Ich mopper jetzt genau einmal darüber, aber vermutlich weiß ich jetzt, warum manche Raketenheftfreunde vom Geistwesen „Eeeeeeees“ sprechen, was bei mir zu seltsamen Blicken führt, aber egal. Weiter im Text.)

Mein Senf zu den Hörspielen erfolgt auch diesmal in strenger Hörreihenfolge, die natürlich diesmal genau der chronologischen Ordnung entspricht.

Tolle Titelbilder und ein paar Auslassungen

Bei den Coverabbildungen hat EUROPA diesmal mehr Werktreue bewiesen, als bei den etwas zufällig wirkenden Verpackungen der ersten Hörspielreihe. Im Großen und Ganzen hat man sich an die Abbildungen der damals aktuellen fünften Auflage gehalten. Nur bei Folge zwei hat man auf das Motiv des ersten Silberbandes zurückgegriffen. Vermutlich wollten man den ollen Peregrin zum Serienstart einfach prominent in Szene setzen. Das geht schon in Ordnung.

Erschienen ist die Originalserie in Form von 12 MCs, also Kassetten, die heute antiquarisch zu Mondpreisen erhältlich sind. Eine gekürzte Neuaflage gab es dann später auf CDs, wobei die Kürzungen hier auf den leidigen Rechtsstreit zwischen EUROPA und dem Komponisten Carsten Bohn zurückzuführen ist. Dabei sind wohl auch einige Dialoge der Schere zum Opfer gefallen. Näheres weiß NATHAN die Perrypedia. Komplett weggefallen sind die Heftromane acht, neun und 18 – also die erste Venusepisode und die Rebellen von Tuglan.

Gehört habe ich die Hörspiele wie üblich als Download im Auto. Und nun zum Senf:

01 – Unternehmen Stardust

Dass Heft 1 ein eigenes Hörspiel bekommt, versteht sich von selbst. Dabei verzichtet H.G. Francis in seiner Hörspielbearbeitung sowohl auf den militärischen Anfang des Urheftes, als auch auf den humanistisch geprägten Vorspann der Silberbände. Bei EUROPA finde ich mich gleich auf dem Mond wieder. Das mag ich.

Danach wird es allerdings recht plakativ: Die Terraner sind immer tatkräftig und die Arkoniden immer degeneriert. Und chinesische Charaktere haben den damals EUROPA-typschen „L“-Sprachfehler. Mit Uwe Friedrichsen als Rhodan habe ich in dieser Folge noch Probleme, vielleicht erinnere ich mich noch zu gut an die Sesamstraße. Besser gefallen mir Judy Winter als Thora und Ernst von Klipstein als Crest. Letzterer ist übrigens der Sprecher des Wong aus „Die drei ??? und der grüne Geist“, was ich die nächsten elf Folgen nicht mehr aus dem Kopf bekomme.

02 – Die dritte Macht

H.G. Francis packte für dieses Hörspiel die Romanfolgen zwei und drei zusammen, was für mich völlig in Ordnung geht. Rückblickend ist diese Folge einer der Serienhöhepunkte. Gottfried Kramer war im Grunde in jeder Rolle gut (von der leidigen Neuauflage des Superpapagei mal abgesehen), und auch als Dr. Haggard haut er mich aus den Socken. Großartig die Schnulzenklassik, nachdem alle Atomwaffen der Erde außer Funktion sind.

Und dann gibt es da diese wunderbare Stelle, an der es über Rhodan heißt: „Er blickte still in den wolkenlosen Himmel hinauf, wo der Mond seine einsame Bahn um die Erde zog. Da oben war Thora.“ Kurz darauf dreht die gute Durch und Judy Winter darf zeigen, was sie kann. Zum Abschluss gibt es noch musikalisches Thunderbirds-Gefühl. Ich bin glücklich.

03 – Mutanten

Ich bekomme es mit einer wüsten Mischung aus Mutanten, Fantan-Leuten und einer immer noch rasend-dollen Thora aus den Heften vier und fünf zu tun. Die Folge hat keine klare Linie und fällt in meinen Augen im direkten Vergleich zum Vorgänger stark ab. Mich rettren die Sprecher. Gottfried Kramer natürlich. Ich gewöhnte mich an Uwe Friedrichsen als Major Rhodan. Und Thora nervt so sehr, dass sie nur für diese eine Folge eigentlich von der großen Reinhilt Schneider hätte gesprochen werden MÜSSEN!

04 – Der Angriff der Individualverformer

Die Folge fasst die Hefte sechs und sieben zusammen und überzeugt mich durch ihre atmosphärische Dichte. EUROPA greift hier tief ins Soundarchiv und präsentiert uns sogar Onkel Titus‘ alte Flex auf dem Schrottplatz Raumhafen von Terrania.

Für mich ein erneuter Höhepunkt, immerhin ist die spannende Geschichte rund um die IVs diesmal sehr gut verdichtet. Es kommt echtes Rhodan-Feeling auf, durchsetzt mit dem Flair alter Kullissenschieberfilme der 1950er-Jahre.

Dass es ab da dauerhaft “ Ällen Die Möhrkent“ und „Betty Taffrie“ heißt, macht für mich den Charme alter EUROPA-Hörspiele aus. (Erst Jahre später musste ich einsehen, dass niemand in Schottland weiß, wer die Ardschill Queen oder Äindsches Gun aus dem Phantomsee sind.)

05 – Raumschlacht im Wega-Sektor

Auf der Karl-Herbert-Scheer Skala für Raketenheftdrmaturgie erreicht die Bearbeitung von Heft 10 die volle Punktzahl. Thora schwelgt verzückt im Bombenrausch, die Raumschlacht im Wegasektor ist spannendes Kopfkino mit packendem Soundtrack. Außerdem tritt Lutz Mackensy auf.

06 – Mutanten im Einsatz

Der Mutanteneinsatz aus Heft 11 schließt direkt an die Vorgängerfolge an. Beim ersten Hören freue ich mich, in der Retrospektive beginnt hier der Abstieg der Hörspielserie. Nicht, dass es mir ab hier keinen Spaß mehr gemacht hätte, aber ab jetzt nimmt Francis für meinen Geschmack zu viele Nebenhandlungen mit.

Trotz dieser Meckerei finde ich die Folge noch gut. Thora und Perry liefern sich zu Beginn ein kleines Balztänzchen, danach entdeckt der Held einen Transmitter und Bully darf den Dr. McCoy geben und gegen Materieverschickung wettern. Schlussendlich kommt noch der gute alte Psychostrahler zum Einsatz. Unterlegt ist das Ganze mit der Musik alter Gladiatorenfilme und einigen Kabinettstückchen aus der EUROPA-Schatztruhe, die mich unweigerlich an die drei Detektive denken lassen.

07 – Das Geheimnis der Zeitgruft

In der Vertonung von Heft 12 läuft Uwe Friedrichsen zu Hochform auf. Endlich gibt er den Perry Rhodan der Serienfrühzeit und lässt sich dabei von einer Art modern-easy-listening-Jazz-Pop begleiten. Natürlich lauert auch hier wieder Rocky Beach. Tako Kakuta und Sony Elmquist aus dem Karpatenhund werden beide von Philip Kunzmann gesprochen.

08 – Entscheidung im Wegasystem

Ja, ganz nett. Aber im Grunde ist das hier die erste echte Lückenfüllerfolge, bei der ich mich ein wenig gelangweilt habe. Außerdem war hier wieder der charakteristische Grobschmied am Werk. Bully ist mir zu bully und Thora zu thorös. Einzig Crest überrascht am Ende durch eine Konsequenz, wie sie für ein Kinderhörspiel schon nicht ganz schlecht ist. Chapeau!

09 – die Spur durch Zeit und Raum

Es geht noch einmal aufwärts und wird kosmisch – zumindest für damalige Serienverhältnisse. Die Folge ist ein feines und spannendes dungeon adventure.

Meine Lieblingsstelle ist das kleine Fressgelage gegen Ende der Folge, bei dem die Gefährten langsam verstehen, dass sie einem unsterblichen Wesen auf der Spur sind. Perry mampft ahnungslos mit. Außerdem klingt der Roboter in dieser Folge, als hätte sich Robby aus „Forbidden Planet“ eine Nacht mit einer Dampflok vergnügt.

10 – Die Geister von Gol

Die Zusammenfassung der Hefte 15 und 16 hat bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen.

11 – Planet der sterbenden Sonne

Ich weiß schon, dass EUROPA noch drei Hörspiele angekündigt hatte, es also durchaus einen Grund für das Mitnehmen der Tramp-Episode gab. Aber so richtig spannend ist das Mausbibererlebnis nicht. Die Suche nach ES hätte mich mehr interessiert, als spielende Weltraumratten.

12 – Der Unsterbliche

Mit der Umsetzung des legendären Bandes 19 erreicht die Serie ihr unfreiwilliges Ende, das bestens bekannt ist. Crest darf nicht, Perry soll und Bully muss am Ende ins Duschzelldingsbums. Die Episode auf Wanderer kann mich wieder überzeugen, schön ist auch das berüchtigte erste Aufeinandertreffen von Bully und Leutnant Guck umgesetzt. Aber warum bitte muss der kleine Mausbiber wie der uneheliche Sohn von Rumpelstilzchen und Pumuckel klingen?

Fazit

Trotz mancher Länge im letzten Drittel ist die Perry Rhodan Umsetzung aus dem Hause EUROPA ein großer Spaß. Kassettenkinder treffen auf jede Menge alter Bekannter und neuem Gewand. Allein das macht mir das Hören zu einem Vergnügen. Leider sind drei geplante Folgen (davon eine um den Overhead) nicht mehr erschienen, die Serie ist aber kein Fragment. Vielmehr würde man heute sagen, dass nach der ersten Staffel Schluss war.

Insgesamt erscheint mir die zweite EUROPA-Serie deutlich weniger schräg, als der erste Versuch mit den drei Planetenromanen. Freunde alter Hörspiele dürfen gern zugreifen und sich diese interessante Variante meiner Lieblingsserie anhören.

Und nun?

Vermutlich werden mich demnächst die Plejaden auf meinen Wegen begleiten und Volker hat mir noch zugesagt, einige CDs der Eins-A-Medien-Hörspiele zu leihen. Langeweile auf langen Wegen ist also für die nächste Zeit nicht absehbar.

Onkel Quentin im Weltraum

Perry Rhodan in den EUROPA-Hörspielen der 70er

Mit Mitte 40 gehöre ich definitiv zur Generation der Kassettenkinder. Zum Einschlafen haben wir unsere Kassettenrekorder mit dem Lieblingshörspiel bestückt und abgewartet, ob wir es bis zum Klack am Bandende schaffen würden, oder wieder wie so oft vorher einschlafen. Meine Helden waren zuerst die Fünf Freunde, später die Drei Fragezeichen. Vor dem Hintergrund dieser kindlichen Prägung ist es nur logisch, dass ich mir irgendwann die Rhodan-Hörspiele aus Heikedine Körtings Märchenwerkstatt anhören würde.

Drei Planetenromane machen den Anfang

EUROPA nahm sich zweimal des Unsterblichen an: in den 1970ern erfolgte die Bearbeitung von drei frühen Planetenromanen. In den 1980er erschien eine zwölfteilige Serie, die die ersten 19 Hefte abdeckt. Bei beiden Produktionen spricht alles mit, was damals in den Studios des Dr. Beuermann Rang und Namen hatte.

Leider liegen mir beide Serien nicht als MC oder gar LP vor. Aber mittlerweile sind alle 15 EUROPA-Hörspiele als digitale Downloads bei den verschiedensten Plattformen erhältlich. Da kommen zwar die großartigen Coverbilder nicht ganz so gut zur Geltung, aber da ich Hörspiele ohnehin meist im Auto höre, ist mir das an der Stelle erst einmal egal. (Der Sammler in mir denkt freilich etwas anders …)

Die Planetenromane habe ich nicht streng in der Veröffentlichungsreihenfolge gehört, sondern frei nach Lust und Laune. Daher gibt es meine Eindrücke auch genau in dieser Hörreihenfolge.

Aufruhr in Terrania

Aufruhr in Terrania ist die Hörspielfassung des gleichnamigen Planetenromans mit der Nummer 51 und erschien als zweiter Teil der Reihe. Bei der Covergestaltung nahm EUROPA sich, wie in der ganzen Serie, für mich nicht nachvollziehbare Freiheiten. Verwendung findet eine gespiegelte Fassung des Covers von Heftroman 70 – Die letzten Tage von Atlantis. Das sieht zwar gut aus, hat aber so gar nichts mit der Hörspielhandlung zu tun – es sei denn man antizipiert aufrührende Raumfahrer mit Helmen in Terrania. Einen Überblick über alle Cover der Reihe bietet die Perrypedia.

Inhaltlich ist das Hörspiel ein herrlich aus der Zeit gefallenes Agentenstück, in dem Frolleins ihren Chefs direkt nach dem Frühstück einen Cognac zur Beruhigung servieren müssen. Diese Zeitreise fängt die Rhodan-Frühzeit wunderbar ein, wirkt aber heute durchaus noch befremdlicher, als die alten 5 Freunde mit ihrer Rollenverteilung („Sie hasst alles, was Mädchen sonst gerne machen. Kochen, Betten machen …“).

Die Atmosphäre des Hörspiels ist EUROPA-typisch dicht aber durchaus sparsam, was die Geräusche angeht; die Dialoge stehen im Vordergrund.

Invasion der Puppen

Invasion der Puppen ist eine herrlich abgedrehte Rhodan-Story aus der Feder von William Voltz. Logik scheint an manchen Stellen eher irrelevant, die Botschaft steht im Vordergrund. Als Cover kommt diesmal eine Bearbeitung des Titelmotivs aus Heft 53 zum Zuge – sieht wieder gut aus, hat aber mit der Handlung wenig zu tun. Vermutlich wirkte der verzweifelte Mensch des originalen Planetenromans nicht abgedreht genug.

In diesem Hörspiel tritt Rhodan persönlich auf und nimmt eine Doppelrolle zwischen Erzähler und Protagonist ein, was zu manch komischer Situation führt, die aber typisch für Hörspiele aus dieser Zeit ist. („Ich gehe da jetzt rein und schaue mir das an. Oh da steht ein Mann.“)

Planet des Todes

© Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt
Quelle: https://www.perrypedia.de/wiki/Datei:PR0055.jpg

Dieses Hörspiel ist eine Bearbeitung des Planetenromans „Der Mordplanet“ von Hans Kneifel. Die Gründe für die Titeländerung leuchten mir nicht ganz ein, vielleicht wollte man für ein Kinderhörspiel auf ein Kapitalverbrechen im Titel verzichten. Das Cover sieht zwar sehr futuristisch aus, zeigt es doch das wunderbare Fischmenschen-Motiv von Heft 55. Mit dem Inhalt hat das Kunstwerk jedoch mal wieder nichts zu tun.

Die Handlung des Hörspiels hat mich an den Klassiker Solaris von Stanislaw Lem denken lassen. Hans Kneifel verzichtet hier auf die klassische Gegenüberstellung von gut und böse und schlägt fast Voltz’schen Humanismus an. Leben erscheint in vielen Formen und jede davon verdient Respekt.

Fazit

Die Rhodan-Serie ist schillernd und vielschichtig. Von Military-SF bis zu psychodelischer Fantasy ist nahezu alles dabei, was das Herz des Raketenheftfreundes erwärmt. Tja, und warum auch nicht einfach mal ein wenig trashiger Hörspielcharme, der mich das ein oder andere Mal an die Meteor-Horrorserie denken ließ, die diesen Charme Jahrzehnte später treffende persiflierte.

EUROPAS Rhodan jedoch ist echt. Freunde der Serienfrühzeit werden genau so auf ihre Kosten kommen, wie Fans alter Hörspiele. Neueinsteiger könnten mitunter Gefahr laufen, ein etwas verzerrtes Bild der Serie zu erhalten.

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