Werden sie Kung Fu Meister Eine Einweisung in total geheime Geheimkünste

Mein Heftehaufen besteht zu weiten Teilen aus Heften der Erstauflage, das Konzil und die Aphilie liegen hier jedoch in der zweiten Auflage vor. Das ist zwar aus Sammlersicht etwas bedauerlich, und auch die Erstausgaben-LKS fehlt mir aus dieser Zeit, aber trotzdem finden sich immer wieder schöne Nettigkeiten.

Ich bin ja bekennender Fan der alten Werbeanzeigen. Da fallen mir natürlich auch diese seltsam anmutenden Textwüsten in ruckelig übersetztem Deutsch in pseudoasiatischer Schrift auf, die die Rückseiten einiger Zweitauflagen-Hefte im Konzilszyklus zieren:

„Werden Sie ein Meister des KUNG FU“

„Besiegen Sie Ihren Gegner mit YUBIWAZA“

Natürlich kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass niemand durch eins der angepriesenen Bücher mit Fotos in Zeitlupe (was auch immer das sein mag) jemals irgendeine asiatische Kampfkunst gelernt hat. Aber hocherfreut war ich, dass Dan Kelly eine Menge Informationen zu den englischsprachigen Originalanzeigen auf seinem Blog zusammengetragen hat.

Und wenn ich auch immer noch bedaure, nicht im Besitz der Erstauflagen zu sein, so weiß ich immerhin, dass Mitch Fleming und seine Frau Yoshi Imanami versucht haben ihr Geld mit YUBIWAZA-Anleitungen zu verdienen.

Die LKS reißt es raus

Das gute an so einer Sommererkältung ist ja die Zeit zum Lesen, die man auf Sofa oder Bett unweigerlich hat. Dass mich der Altmutantenzyklus nicht so wirklich vom Hocker haut (um es mal freundlich zu sagen), ist eher nebensächlich. Schließlich sind das ja nur 30 Hefte. Der anstehende Zyklusrückblick wird also nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Aber selbst bei eher mäßiger Handlungsführung erfreut mich die Leserkontaktseite immer wieder mit einigen schönen Perlen der Leserbriefkunst. Beispiele Gefällig? Bitte sehr: Heft 582 – Die Mutantenfänger.

Atlans Liebesleben scheint ja echt ein Aufhänger zu sein. Immerhin haben seine Gefährtinnen einen ellenlangen Lexikonartikel, und auch mancher Leser lässt sein Kopfkino heißlaufen:

„Atlan und die übrigen Unsterblichen brauchen ab und zu Mädchen (nicht als Ehefrauen!) Atlan hat seit 1000 Jahren keine. Hat er eigentlich mit Mirona Thetin aktiv geschlafen oder nur passiv? (Quelle: PR 582, Verlag Pabel Moewig, 1972)

Neben der Frage, was denn „passives miteinander Schlafen“ sein könnte, hat mich das Ausrufezeichen zutiefst erheitert.

Echt mal, jetzt … Ehefrauen im Perryversum? Die gibts da nur auf der Anzeigenseite, wenn auch nicht in Heft 582. Da waren diesmal nur „Das Erfolgsbuch für Männer“ und das Spezial-Arzneimittel „Sexvital“ zu finden.

 

 

Ein Hoch auf die Leserkontaktseite

Wenn ich jemandem, der mit Perry Rhodan nichts am Hut hat, von der Leserkontaktseite erzähle, ernte ich regelmäßig eher so befremdete Blicke.
Eingeführt mit Heft 302 im Jahr 1967 hat das Ding bis heute irgendwie überlebt. Leserbriefe in der heutigen Zeit? Das scheint doch eher aus der Mode gekommen, ein Relikt vergangener Tage.

Mitnichten!

Ich bin ein begeisterter Anhänger dieser Seiten, auch wenn ich erst einen Leserbrief geschrieben habe (ich weiß gar nicht mehr wann). Aber ich habe schließlich meinen Heftehaufen in einer dieser altmodischen Zuschriften gefunden. Jawohl!
Ich gehöre übrigens zu denen, die immer zuerst die LKS, dann den Mittelteil und dann den Roman lesen. Bei den alten Heften ist die Reihenfolge: Werbeanzeigen, LKS, Roman.

Die Leserkontaktseite, die damals tatsächlich nur eine einzige Seite einnahm, in Heft 511 hat mich besonders fasziniert.
Zuerst nutzte der Verlag die Seite lediglich für Verlautbarungen, dann kamen hefteweise die Adresse neuer Fanclubs. (Hubert Haensel hatte ja auch mal so einen Club.) Mit der Zeit, so dann auch in Heft 511 – Das Volk der Sklaven, nahmen Auszüge aus Leserbriefen einen immer größeren Raum ein.

Ein Leser aus Mönchengladbach etwa schickte folgende Zeile:

„Allmählich sinkt das geistige Niveau ihrer Romane bedenklich ab.“

Mich beruhigt der Satz, zeigt er doch, dass es zu jeder Zeit der Serie offenbar Fans gab, die vergangenen Zeiten nachtrauerten. Die Serie lebt trotzdem noch.

Wenig später heißt es aus Berlin:

„Lassen Sie den William Voltz künftig für Hilfsschüler schreiben, denen fällt es vielleicht nicht auf, sie könnten nach dem Stil der Schreiber für einen der ihren halten.“

Eigenwillige Zeichensetzung in Wutkommentaren gab es damals also auch schon. Und konträre Meinungen, wie die nächste Zuschrift aus Friedenfels beweist:

Ein besonderes Lob für ihren Autor William Voltz. Er schreibt meiner Meinung nach die besten Romane.

Es ist nicht überliefert, ob der letzte Leserbrief von einem „Hilfsschüler“ verfasst wurde. Die Redaktion antwortet lediglich:

Die beiden letzten Beispiele lassen sich auf alle Autoren anwenden.

Herrlich. Ich glaube, ich müsste mal wieder einen Brief an Michelle Stern schreiben. Früher war eben doch nicht alles besser.

Ich geh dann mal den Roman lesen. Schönes Wochenende, Terraner!

Mit dem Schwarm in die Vergangenheit

Wie wäre es mal wieder mit einer kleinen Zeitreise. Diesmal in die nicht all zu ferne Vergangenheit:

Im modernen Antiquariat meines Vertrauens entdeckte ich vor Kurzem passend zu meiner aktuellen Lektüre alle Bände des Schwarmzyklus. Und zwar in der Trade-Paperbackausgabe in neun Bänden mit durchgehendem Rückenbild. Ich erinnere mich schwach, diese Ausgabe vor meiner Bekanntschaft mit Perry Rhodan einmal in einer Buchhandlung in Koblenz gesehen zu haben. Meine Gedanken war die damals üblichen: „Lass die Finger von der Endlosserie, das schaffst du nie.“
Diesmal habe ich die Finger nicht davon gelassen und so zieren diese, wie ich finde doch recht hübschen Bücher einen Teil meines Regals.
Die Perrypedia hält natürlich alle 9 Titelbilder vor, die von Dirk Schulz eigens für diese Ausgabe angefertigt wurden.
Neugierig auf die Entstehungsgeschichte dieser Bände machte ich mich heute auf die Suche nach relevanten Informationen.

Das Internetarchiv hält eine eigene Seite zu den Schwarm-Paperbacks bereit. Viel ist nicht mehr übrig, aber die hübsche Grafik gibt einen Eindruck des Bildes auf den Buchrücken.
Klaus Frick blickte im Jahr 2013 ein wenig auf die Entstehungsgeschichte der Trade-Paperbacks und vermittelt einen kleinen Eindruck davon, mit welchen Schwierigkeiten es verbunden war, diese Ausgabe am Markt zu platzieren.
Recht aktuell beschäftigt sich Klaus übrigens wieder mit dem Schwarm-Zyklus. In einem hübschen Artikel wirft er einen Blick auf diesen Zyklus an der Nahtstelle zwischen der Ära Scheer und dem Schaffen des William Voltz.
Deutlich kritischer äußert sich Andy Schmid in einem Artikel des Terranischen Clubs Eden, der an der Sinnhaftigkeit einer Paperbackausgabe zweifelt.
Da ist er wieder, der Spagat zwischen Fanservice für die Altleser und der Gewinnung neuer Käufer – ein Konflikt, der wahrscheinlich zu Perry Rhodan gehört, wie das ewige Ringen zwischen Sense of Wonder und Military SF.
Klar ist die Neuausgabe nicht neu redigierter Silberbandtexte ein relativ preiswertes Unterfangen für den Verlag und offenbar scheint sich die Ausgabe, so wie Klaus Frick schreibt, auch für den Verlag gerechnet zu haben. Wie viele Neuleser Dirk Schulz jetzt mit den neuen Titelbildern generiert hat, weiß ES allein.

Ich freue mich einfach über einen schönen und unverhofften Sammlungszugang, der mir kurz vor meinem Einstieg ins Perryversum schon einmal begegnet ist.

Halleluja – gelobt sei Perry Rhodan

Manchmal stoße ich ja gänzlich unverhofft auf den Unsterblichen, so auch gestern wieder, als mir meine mich in allen Spinnereien unterstützende Gattin einen Link zu einer Kinderbibel schickte.
Gott und ich – schwieriges Verhältnis, aber was die Sueddeutsche Zeitung in einer Bewertung des hier angebotenen Buches schreibt, ließ mich doch schmunzeln. So heißt es gleich im ersten Satz:

„Wer die Bibel und ihre Geschichten nicht kennt, der bewegt sich durch
die abendländische Kultur, durch ihre Kirchen und Museen, wie ein
Altphilologe auf einem Perry-Rhodan-Kongress: ratlos.“

Quelle: https://www.buecher.de/shop/kinderbibeln/die-kinderbibel-ebook-epub/nieden-eckart-zur/products_products/detail/prod_id/37485220/ (Abgerufen: 16.05.2018)

Zur ganzen Besprechung geht es hier, leider wird Herr Rhodan nicht wieder aufgegriffen. Den Originalartikel der SZ habe ich nicht finden können,  er ist aber auf buecher.de als erste Rezension eingestellt. (Nein, ich bekomme nichts für den Link, ich mag einfach nur die Besprechung.)

Ein neuer Computer zu Weihnachten

Die Schilderung ehemaliger Zukunftstechnik fasziniert mich immer wieder. So auch in Band 415, in dem Gucky ein Weihnachtsgeschenk hinter seinem Rücken zu verstecken sucht:

»Copyright by Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt«

Ich finde solche Fehleinschätzungen, von denen es eine ganze Menge wirklich schöner gibt, in der Rückschau immer sehr charmant und frage mich, was wir wohl in fünfzig Jahren von unseren heutigen Prognosen halten.

Perry, Elon und ein schöner Zufall

Kurz bevor sich Elon Musk mit einem Tesla gestern den Weltrekord für den schnellsten Sportwagen der Welt holte, las ich auf der Leserkontaktseite von Heft 409 folgende Zeilen zur damals kurz bevorstehenden ersten Mondlandung:

»Copyright by Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt«

Ja, diesmal war es „nur“ ein Auto, das da ins All geschossen wurde, aber der Sputnik war schließlich auch „nur“ eine Kugel und trotzdem der erste Schritt zum Mond. Ich hoffe, dass der Tesla der erste Schritt zum Mars war.
Und mal ganz ehrlich: Das mit der Begeisterung haben die Amis echt raus. Starman im Tesla mit „Don’t panic“ ist doch um Längen geiler, als ein Betonklotz der gleichen Masse.

Zum Immer-wieder-Staunen hat SpaceX den Livestream vom Start auf Youtube



Besonders schätze ich übrigens die Eigenschaft, über sich selbst und seine vermeindlichen Fehlschläge auf dem Weg zum Erfolg lachen zu können:

Qualitätshelikopter

Heft 398 ist gelesen, die Dolans sind geschlagen und nichts bleibt, wie es mal war – fürchtet zumindest Herr Rhodan. Aber terranische Helikopter zeugen von unglaublicher Qualitätsarbeit, oder von jahrhundertelangem Entwicklungsstillstand.

In Band 20 – Venus in Gefahr (Veröffentlichung: 19. Januar 1962)
flogen die Landetruppen mit diesem hübschen Gerät auf die Venus. Wir schreiben das Handlungsjahr 1980.

»Copyright by Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt«

457 Handlungsjahre später, in Band 398 – Das Ende der Dolans (Veröffentlichung: 18. April 1969) gilt es, die Erde gegen den Ansturm der Dolans zu verteidigen. Und zum Einsatz kommt dieses hübsche Fluggerät:

»Copyright by Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt«

Das ist noch echte terranische Wertarbeit …

In beiden Fällen handelt es sich übrigens um einen Sikorsky S-56, der im Jahr 1954 zum ersten Mal abhob.

Immer wenn mir so eine nette Begebenheit, die dem immensen Arbeitspensum Brucks zu verdanken ist, auffällt, wächst in mir der Wunsch, eins der folgenden Bücher über Johnny Bruck und seine großartige Arbeit meiner Sammlung hinzuzufügen:

Tempus fugit – denkende Maschinen

Diese Woche hatte ich einen hübschen kleinen Lesezufall. Auf der Leserkontaktseite von Heft 381 – Unternehmen Südsee aus dem Jahr 1968 bezweifelte ein Leser, dass eine Maschine jemals Eigeninitiative entwickeln könne. Er schreibt folgende Zeilen:

Quelle: PR 381 – Copyright by Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt

Durch Zufall habe ich am selben Tag auf chip.de diesen Bericht gelesen, nach dem Google Roboter entwickelt hat, die eine künstliche Intelligenz ganz ohne menschliches Zutun schaffen können. Das Ganze nennt sich Project AutoML und stimmt mich nachdenklich. Das war doch vorgestern noch Science Fiction, denn gestern haben ja schon zwei KIs bei Facebook angefangen, sich miteinander zu unterhalten.

Schon faszinierend, was in 50 Jahren so alles passiert …

Perry Rhodan NEO – erste Ideen aus dem Jahr 1968

Ich bin fast im letzten Viertel des M87 Zyklus angekommen. Wer regelmäßig mitliest, weiß, dass ich meine liebe Mühe mit diesem Abschnitt habe. Aber! Es gibt Hoffnung!
In der Gestalt von Hans Kneifel, in vielen Titelbildern Johnny Brucks und in Form der Leserkontaktseite, damals noch einseitig und vor dem Roman.
Im Heft 372 – Expedition zur verbotenen Welt findet sich der folgende hübsche Abschnitt einer Zuschrift von Herrn Edmund Jung:

Quelle: PR 372 – Copyright by Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt

Ich finde diesen Abschnitt doppelt hübsch. Der Band ist im Oktober 1968 erschienen, zu einer Zeit also, in der in Deutschland im Zuge der Studentenbewegung heftig über soziale und soziologische Verhältnisse gerungen wurde.
So sind nicht nur die Romane ein Spiegel ihrer Zeit, sondern auch die Leserzuschriften. Dass das bis heute zum Glück so ist, zeigt eine Leserzuschrift aus der aktuellen Nummer 2942, in dem das wohl etablierte Duzen innerhalb der Serie als störend empfunden wird. War da was mit einem wiedererstarkenden Konservativismus?

Habe ich schon mal erwähnt, dass wir mehr literaturwissenschaftliche Untersuchungen zu Perry Rhodan brauchen …? Dringend …?

Außerdem nimmt die Idee , die soziale Situation auf der Erde näher zu beleuchten, ein wichtiges Motiv der NEO Serie mal eben um schlappe 43 Jahre vorweg. Betrachten doch gefühlt die ersten Staffeln nahezu vollständig die sozialen Auswirkungen des Arkonidenkontaktes.
Ich mag sowas. Ist auch irgendwie Science Fiction …