von Einem, der auszog, um 3000 Perry-Rhodan-Romane zu lesen

Kategorie: Zyklusrückblick (Seite 1 von 5)

Die Perry-Rhodan-Serie ist in Handlungszyklen aufgeteilt. Immer dann, wenn ich einen Zyklus beendet habe, versuche ich mich an einer höchst subjektiven Einschätzung meiner Lektüre.

Zyklenrückblick – Die Ennox und Die große Leere

So viel Star Trek war noch nie im Perryversum

Da macht man mal in aller Ruhe eine Woche Urlaub und tut nichts als Laufen und Lesen, schwups, schon hat man zwei Zyklen durch. Eine herrliche Woche im Harz liegt hinter mir, zwei durchaus nicht unfaszinierende Rhodan-Zyklen ebenfalls. Höchste Zeit also für einen höchst subjektiven Zyklenrückblick; in Erinnerung an eine wundervolle Gegend bei herrlichstem Herbstwetter.

Schwarz-Weiß Bild mit original Harzer Borkenkäfern

Darum ging es

Mit Philip taucht der vermutlich uneheliche Sohn von Neelix und Jar Jar Binx im Perryversum auf, hat einen Deal mit ES und geht nicht nur dem Leser gehörig auf die Nerven. Er gehört zu den Ennox, von denen niemand Genaueres weiß, die Peregrinus und seine Freunde aber schließlich zum Aufbruch in die große Leere überreden, die am Ende des Zyklus mit einem Schlag voller Sterne und ganz und gar nicht mehr leer ist.

Zwischendurch turnen noch zwei Spiegelgeborene durch die Handlung, die vom Alten von Wanderer die Unsterblichkeit verliehen bekommen und Rhodan und seine Kumpels sehen überall lauter liegende Achten, die einem Möbiusband verdächtig ähnlich sehen. Huch, was mag sich da nur anbahnen …

Was bitte hat das jetzt mit Star Trek zu tun?

Ja, ich bin mit Herrn Picard aufgewachsen und sozialisiert. Und natürlich habe ich auch die Ausflüge des Captain Kirk gebührend verfolgt. So habe ich natürlich den Anfang der großen Leere gefeiert, als Rhodan und seine Gesellen am Quidor-Spiel teilnehmen sollen. Sofort wurden Erinnerungen an unzählige Erstkontakte wach, in denen sich Kirk und Picard im Rahmen irgendwelcher bekloppten Spiele beweisen mussten. Aber gut, die Hefte sind Anfang der 1990er erschienen, das war eben die Zeit. Genauso bunt wie die Enterprise und die Voyager zogen auch die Ennox vor meinem inneren Auge in die große Leere.

Wo sie gerade sagen Voyager! Der Ennox Philip erinnerte mich in seinen ersten Auftritten frappierend an den Moraloffizier Neelix, eine Figur, an die ich nicht die allerbesten Erinnerungen hege. Der Gute war mir dann etwas zu schrill und bunt. Aber hey, 1990er …

Meine Lieblingscover

(c) VPM – 1993 Johnny Bruck. Quelle: https://www.perrypedia.de/mediawiki/images/d/d1/PR1655.jpg

Habe ich Star Trek gesagt? Ich glaube Johnny Bruck hat auch Star Trek gesagt. Zumindest, wenn man sich das Cover des Bandes 1655 “Sampler 1” anschaut. Ist das noch ein Zitat, schon eine Hommage, ein künstlerischer Scherz, ein Aufgreifen des Zeitgeistes oder einfach ein ziemlich plumper (Entschuldige bitte, Johnny) Verkaufsanreiz?

Aber hey, so schlimm sieht das gar nicht aus. Im Grunde haben wir hier die perfekte Kreuzung eines Föderationsraumschiffes mit einem rhodanesischen Kugelraumer. Dazu ein bisschen abgerundete Brucksche Raketenkunst. Ist doch hübsch, oder?

Ein schönes Cover, ein nettes Zitat, mein persönlicher Platz drei dieser beiden Zyklen.

Den zweiten Platz teilen sich zwei völlig unterschiedliche Hefte. Band 1672 “Die Ennox-Jagd” gefällt mir einfach in seiner Dreiteilung, kalten Farbgebung und fantastischen Tierwelt. Nicht der erste Dreiteiler, aber wirklich spannend und gut.

Drei Hefte später liefert Johnny Bruck mit kriechenden GIs einen faszinierenden Blick zurück auf sein Werk in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren. Hach, schön!

Mein unangefochtener Coverplatz eins der 1600er-Hefte geht an den Rand der großen Leere. Ägypten, Tron, abstrakte Kunst, schwarz-rot – ein Fest fantastischer Bildkunst.

(c) VPM – 1993 Johnny Bruck. Quelle: https://www.perrypedia.de/wiki/Datei:PR1651.jpg

Versuch eines Fazits

Die Ennox und die große Leere. Zwei Zyklen die mich optisch mehr beeindruckten als inhaltlich. Dabei, man möge mich nicht falsch verstehen, habe ich die hundert Bände echt gerne und zumindest ab 1650 auch zügig gelesen. Aber irgendwie fühlte sich das ganze bloß nach der Ouvertüre an, nach einem Vorspiel zu etwas viel größerem, nach dem ersten Satz einer Sinfonie. Der mittlerweile geübte und zusätzlich spätgeborene Rhodanleser weiß natürlich spätestens bei der liegenden Acht, wo der Hase hinläuft. Das ist alles schön, groß und galaktisch, aber handlungsmäßig eher dünn. Die paar lustigen Ennox können es dann auch nicht wirklich rausreißen. Dennoch bin ich höchst gespannt, was es mit der großen Leere auf sich hat und wie die Ayindi ins Bild passen. Also nicht lang rumbloggen, sondern weiterlesen.

Zyklusrückblick – Der Sternenozean

Nanu? Eben noch tief in den Fünzzehnhunderterbänden unterwegs und jetzt gleich ein Riesensprung in den Sternenozean? Lässt der Kerl etwa Hefte aus? Nein, nicht wirklich, er hat nur an einer Stelle eine etwas unorthodoxe Lesereihenfolge gewählt. Und da ich ja schon einmal einen Zyklus nur gehört habe, wenn auch als Silberedition, lasse ich meine Arbeitsweg-Hörspielbegleitung der letzten Monate einfach auch als gelesenen Zyklus laufen.

Begleitet habe ich den ganzen Zyklus mit einem kleinen Youtube-Experiment. Zu jeder Folge, manchmal auch zu zwei, drei Folgen gebündelt habe ich in verschiedenen Mittagspausen zeitnah meine Gedanken in einem kleinen Vlog festgehalten. Meist stehe ich dabei auf irgend einem Eifelacker, und erzähle das Blaue vom Himmel. In einem etwas längerne Video habe ich auch ein kleines Fazit gewagt, der Vollständigkeit halber gibt es aber noch ein kleines geschriebenes Zyklusrückblicklein.

Was steht drin

Mitten in unser heißgeliebtes Universum schwappt plötzlich ein neuer Sternenozean. Zur gleichen Zeit erhöht jemand die Hyperimpedanz, sodass kaum ein Raumschiff mehr funktioniert. Zum Glück können die Bewohnerinnen des Sternenozeans so gut singen, dass sie im Chor ihre Raumschiffe zum Fliegen bringen können.

Perry Rhodan hilft dem Damengesangsverein, sich vom Joch fieser Igelwesen zu befreien und soll deshalb neuer Schutzherr des Sternenozeans werden.

Eine galaktische Ecke weiter taucht ein fieser Möpp auf, der sich gottgleich aufführt, die Menschheit auslöschen, eine in der Sonne ruhende Superintelligenz exhumieren, und auf der kosmischen Leiter ein paar Sprossen nach oben klettern will.

Zum Glück sind Perry und seine Kumpels schneller, haben am Ende doch die größere Wumme, und der fiese Möpp entpuppt sich als irregeleiteter Alt-Schutzherr. Rhodan ist seinen Job damit wieder los und darf sich in neue Abenteuer stürzen.

Was hat mir gut gefallen?

Den Sternenozean von Jamondi habe ich nicht im klassischen Heftroman erkundet, sondern in der monumentalen Hörspielumsetzung in 42 Teilen. Vieles davon fand ich wirklich großartig und erwähne es im verlinkten Video. Eine Person habe ich allerdings vergessen, die für mich zu den ganz großen Nebenfiguren gehört: Shallowain “Der Hund”. Allein der Name klingt doch schon nach Superschurke. Herrlich, und dann noch so ein großartiger Sprecher … hach!

Dieses Video ansehen auf YouTube.
Mit Abspielen des Videos stimmen sie einer Übertragung von Daten an YouTube zu. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.

Mein Fazit

Der Sternenozean hat mich mit Pausen fast ein Jahr im Auto begleitet. Klar, so ein Werk ist in der Qualität aufwändig zu produzieren. Und die Handlungstiefe und Komplexität des Perryversums dürften den Kreis der Hörerinnen und Hörer überschaubar halten, aber ich würde mir doch weitere solcher Umsetzungen wünschen. unrealistisch, ich weiß, aber wünschen wird man doch noch dürfen, der?

Von mir gibt es für den 42-teiligen Sternenozean jedenfalls verschärfte Hörempfehlung.

Zyklusrückblick – Die Linguiden

Lange bin ich durch keinen Zyklus mehr so durchgepflügt, wie durch den Fünfzehnhunderter – und das lag nicht etwa daran, dass ich die Bände um die Linguiden und die durchgedrehte Superintelligenz so toll fand. Hier kommt mein höchst subjektiver Rückblick über die letzten fünf Wochen Lesereise.

Was steht drin?

Simusense simmert noch einen Band vor sich hin, wird dann aber abgedreht, genau wie die Zellaktivatoren aller Unsterblichen. Es ist offenbar bekloppt geworden; man muss ihn suchen. Danach passiert nichts, denn die Linguiden tauchen auf und verbreiten Langeweile. Perry und seine Kumpels tappen im Dunklen, es passiert immer noch nichts. In Band 1569 wissen wir, wer Monos’ Vater ist, was uns von der spießigen Gisela und ihrer Tochter erlöst. Danach passiert immer noch nichts, und als der Zyklus mit Band 1598 endlich losgeht, ist er auch schon beendet. Schade.

Was hat mir gut gefallen?

Trotz größter Langeweile gab es doch einige Lichtblicke:

Der Auftaktroman gefiel mir richtig gut und verhieß großes. Fühlt sich im Nachhinein ein wenig an, wie der Anfang von Tschaikovskys erstem Klavierkonzert: klassische Kaulquappe mit viel Kopf und nix dahinter.

Die beiden Abschlussbände des Zyklus, also “Der Tag des Zorns” und “Ein Freund von ES” boten ganz großes galaktisches Kino. Hiervon hätte ich so gern so viel mehr gelesen.

Ich mag Myles Kantor. Cooler Typ.

Gesil und Eirene sind dann wohl Geschichte. Wurde aber auch Zeit.

Was hätte ich gern anders gehabt?

Ralf hat mich darauf hingewiesen, dass es bisher in der ganzen Perry-Rhodan-Heftserie mit der Sternengruft nur einen einzigen 25-bändigen Zyklus gab. Die Linguiden hätten meiner Meinung nach gut der erste sein können. Vermutlich wäre die dünne Handlung um die Linguiden und die zähe Suche nach ES auch in nur zehn Bände abgefrühstückt gewesen, mit gutem Willen 50. Aber hundert? Nie und nimmer!

Versuch eines Fazits

In der Perrypedia findet sich zu Band 1534 folgender Satz, der ohne weiteres auch für den restlichen Zyklus stehen könnte:

Die weiteren Nachforschungen ziehen sich dann ergebnislos über Wochen hin.

Quelle: https://www.perrypedia.de/wiki/Nocturnen-Alarm

Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf die nächsten Zyklen, die ja durchaus einen großen Bogen und einige spannende Zusammenhänge erwarten lassen. Also einfach weiter mit der Lesereise, trotz der Linguiden.

Zyklusrückblick – Die Cantaro

Au weia, was war denn das. Schwingt sich meine Lieblingsraketenheftserie nach dem Tarkan-Unfug doch einfach so mir nichts, dir nichts zu neuen und ungeahnten Höhen auf. Auch wenn der Leserhythmus massiv gestört war, so bin ich noch immer begeistert. Doch der Reihe nach.

Darum gehts es

Der Unsterbliche und seine Kumpels kommen aus Tarkan wieder (Halleluja, endlich) und selbst das geht gehörig in die Hose: Man kommt nämlich Jahrhunderte zu spät. Die heimische Milchstraße ist unerreichbar und wird von ein paar ziemlich fiesen Möppen belagert. Diese Möppen, auch Cantaro genannt sind am Ende gar nicht wirklich fies, sondern Opfer eines noch viel größeren und fieseren Mopps, der auf den schönen Namen Monos herrscht und ein reichlich widerwärtiger Diktator ist.

Aber Peregrin und seine Kumpane wären natürlich völlig zu Unrecht schon 1499 Hefte lang unterwegs, wenn sie nicht auch gegen den Drecksack Monos ein paar Recht wirkungsvolle Pfeile im Köcher hätten, um am Ende siegreich in einem Trümmerfeld zu stehen.

Das hat mir gut gefallen

Der Zyklus “Die Cantaro” wartet mit einigen schönen Momenten und Elementen (Oder schreibt man Mom- und Elementen? Frage für eine berühmte Haluterente …) Wurst, zählen wir mal die schönsten Enten auf:

  • Mit “1428 – Wächter der BASIS” von Robert Feldhoff enthält der Zyklus einen der Romane, die ich auf meine Liste der Lieblingsromane eintrage. Beim Lesen fühlte sich das Heft wie der perfekte Heftroman an: spannend und gerade heraus erzählt, tolles Setting, wunderbare Geschichte, und hey Die BASIS, das Raumschiff, mit dem ich in die Serie eingestiegen bin … hach ich war beim Lesen verliebt.
  • Monos! Der bisher beste Schurke und Gegenspieler, den Rhodan bis jetzt hatte. Fies, eklig und unmenschlich. Ein wahres Fest. Und, was noch viel wichtiger ist: kein Kaninchen aus dem Hut, wie einst Faktor 1. Hinweise immer wieder eingestreut, glaubwürdige Enttarnung … hach, ein Fest.
  • Das Wagnis, eine echte Zäsur zu setzen und das ganze Tarkangerümpel weit hinter sich zu lassen, hat dem Zyklus gutgetan. Ich lese je nun seit ungefähr 2011 die aktuelle Erstauflage immer mal wieder mit Unterbrechungen. Und seit Beginn meiner Lesereise ab Band 1 habe ich mich gefragt, wann ich zum ersten Mal das Gefühl haben werde, dass die alten Hefte vom Lesegefühl an die aktuellen Hefte anschließen. Meine persönliche Antwort lautet: Cantarozyklus
  • Der Zyklusaufbau: Stringent, logisch, spannend. Danke, gern mehr davon.

Ich bin mir sicher, dass mir im Gespräch mit anderen sicherlich noch tausend andere Punkte einfallen, die mir im Cantarozyklus gefallen haben., aber so als direkten Eindruck lasse ich das mal einfach so stehen.

Das hat mir nicht gefallen

Viel war es nicht, aber zwei Dinge hatten einen etwas unschönen Nachgeschmack:

  • Warum macht es einer Kosmokratin, oder ihrer Inkarnation Gisela Gesil, etwas aus, ein “uneheliches Kind” zu haben. Ich konnte Gesil ohnehin nie besonders gut leiden. Aber das? Ich bitte euch … Nein.
  • Ich war, und bin es noch immer, ziemlich begeistert von Band 3000. Aber seit ich Band 1400 gelesen habe, beschleicht mich der Gedanke, dass 3000 doch nicht sooo die großen Neuerungen gebracht hat. Irgendwie hat der Cantarozyklus für mich den Mythoszyklus trotz aller Unvergleichbarkeit doch ein wenig entzaubert.

Zum Thema Lesefluss

Tarkan habe ich am 1.November 2020 verlassen. Dazwischen lag viel pandemischer Alltag, einige Binge-Reading-Phasen und lange nichts. Wirklich lange. Da ist es kein Wunder, dass ich bei den diversen Lesungs-Wiederaufnahmen nicht immer ganz sattelfest in der Handlung war. Aber zum Glück gibt es ja die Perrypedia mit wundervollen Handlungszusammenfassungen und einem Herz für Menschen mit Lesepausen. Denn alle Handlungszusammenfassungen gibt es auch in den Formaten epub und mobi für die verschiedenen Reader. Herrlich und unbedingt empfehlenswert zum schnellen Nachlesen einer vergessenen Handlung.

Und jetzt?

Natürlich warten die Linguiden. Die Lesereise soll ja weitergehen. Parallel höre ich gerade den Sternenozean, in dem ich auch lange pausiert habe. Aber auch da habe ich mein kleines Experiment wieder aufgenommen, in dem ich nach jeder, oder jeder zweiten Folge, kurz meine Gedanken festhalte, um dann daraus einen Zyklusrückblick zu basteln. Das wird aber noch dauern, das letzte Zyklusviertel ist aber schon eingeläutet. Wen mein Gelaber interessiert, kann ja mal bei Youtube in die Playlist “Sternenozean Vlog” reinschauen. Da gibts dann auch ein paar hübsche Aufnahmen von der Eifel.

Aus der aktuellen Handlung bin ich gerade raus, da ich gerade auch den Hang habe, nebenher noch anderes zu lesen. Das wird dann einfach hinten angehängt. Schließlich ist das ganze Heftehaufen-Unterfangen immer noch ein Marathon und kein Sprint 😉

Gehabt euch wohl!

Zyklusrückblick – Tarkan

Normalerweise lasse ich einen Zyklus ja ein, zwei Tage sacken, bevor ich etwas dazu schreibe. Bei Tarkan mache ich eine Ausnahme. Heft 1399 habe ich vor 5 Minuten zugeklappt und das Fazit lautet:

Nein! Nein! Und nochmals nein.
Mit den letzten 50 Heften ist meine Lieblingsraketenheftserie für mich an ihrem Tiefpunkt angekommen. Da bin ich auch nicht mehr bereit, etwas Gutes aus dem Zyklus zu picken, außer vielleicht, dass uns Jen Salik in Zukunft erspart bleibt. Der Rest war gepflegter Quadratunsinn im bisher schlechtesten Zyklus.
Schwamm drüber und weiter mit den Cantaro.

Zyklusrückblick – Die Gänger des Netzes

The Show must um jeden Preis go on

Ein paar freie Tage gepaart mit ein wenig Leseelan und einem kurzen Zyklus – und zack ist der nächste Rückblick da. Und mal wieder bin ich einigermaßen zerrissen ob der Hefte, die ich im Eiltempo las. Aber vermutlich schlägt das Pendel am Ende doch zum positiven aus. Lasst uns doch einfach mal schauen.

Was steht drin?

Perry hat eine halbgottähnliche Tochter, die entführt wird, alle suchen sie, und Icho Tolot hat seinen großen Auftritt. Danach scheint die kosmische Hanse mehr und mehr in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden, stattdessen organisiert man sich lieber in Kleingruppen mit komischen Namen. ESTARTU und Tarkan scheinen dicke Dinger zu sein, aber niemand hat einen Plan. Alaska hat die Maske ab und bleibt seltsam gesichtslos, Perry tackert sich das nächste Kosmodings ans Knie, und um es spannend zu machen, klatscht ein KLOTZ aus einem anderen Universum in die Handlung. Immerhin. Und irgend jemand scheint ein Faible für sperrige Titel zu haben, oder jemand anders hatte bereits ein Copyright auf den Terminus “Netzgänger”. Wie dem auch sei – war flüssig zu lesen.

Meine höchst subjektiven Eindrücke

Tja, wo fange ich an. Am besten mit dem Offensichtlichen: Mit dem KLOTZ scheppert etwas recht Geheimnisvolles gleich zum Anfang in die Handlung und die Expokraten haben offenbar aus dem OLD-MAN-Desaster gelernt. Diesmal wird nicht in Heft drei aufgeklärt, warum das Ding da steht und wer es gebaut hat. Schön, sehr schön. Und auch Ratber Tostan macht eine ziemlich gute Figur.

Gar keine gute Figur macht hingegen Alaska, der zwar ein paar schöne Auftritte bekommt. Aber als Mann ohne Maske bleibt mein Lieblingscharakter doch relativ unscheinbar. Fast, als hätten die Autoren nicht gewusst, was man mit dem neuen Alaska so anstellen könnte. Für diese These spricht, dass ich den guten Mann zu meinem persönlichen Einstieg ja wieder mit Gesichtsbedeckung kennenlernen durfte. Offenbar wird da irgendwann mal jemand ein Einsehen gehabt haben werden. (Welche Zeitform nutzt man für eine zukünftige Handlung, die vor Jahren geschrieben, aber noch nicht gelesen wurde, deren Ausgang bekannt ist und die zudem noch in einem fiktiven Universum in ferner Zukunft spielt. Sag mir noch jemand, Science Fiction wäre einfache Literatur.)

Noch blasser bleibt Jen Salik, der unglückliche Ritter der Tiefe, der ungefähr so notwendig war, wie die Freundinnen von Justus, Peter und Bob oder das neue A-Team Mitglied in der finalen Staffel. Es würde mich nicht wundern, wenn der gute Ritter den nächsten Zyklus nicht überlebt. (Ralf, lass das spoilern, bitte.)

Ach ja, und dann gibt es da noch die Kartanin, die in vermutlich nicht allzu ferner Zukunft mal wieder die gute alte Ringwelt auf meinen Nachttisch bringen werden. Ich mag Katzen in Raumanzügen.

Tja, und die Handlung? Mal ehrlich, der olle Perry kämpfte gegen die Elemente höchstselbst, erlebte Dinge, die sich niemand von uns vorstellen kann, kriegt dann kurz vor der finalen Frage Fracksausen und macht einfach das dasselbe nochmal, was er mit dem Frostrubin schon getan hat, nur mit weniger mächtigen Gegnern?

Bitte …

Das ist wie Pierre Littbarski bei Brummel Sendai, Franz Beckenbauer bei New York Cosmos oder Kevin Großkreutz bei Bayer Uerdingen. Alles schön und gut, aber muss das sein? Hätte Perry nicht einfach alle drei Fragen beantworten können? Und dann einfach so aufgehen in ES? Oder sich mit Ernst Ellert ein Wiesnbier gönnen? Irgendwas anderes, als dieselbe Routine, die der gute Mann seit hunderten von Jahren durchzieht?

Und genau da liegt die große Stärke des Netzgängerzyklus! Hätten Ernst Vlcek und Kurt Mahr dem ollen Perry dieses Heldenende spendiert, nachdem er gigantomanischste Abenteuer überleben durfte, dann würden wir heute alle Maddrax oder Sternenfaust lesen und vom großartigen aber viel zu frühen Ende der Rhodan-Serie erzählen. Und VPM hätte sich wirtschaftlich derartig ins Knie geschossen, ich mag es mir gar nicht ausmalen.

Zum Glück waren die damaligen Expokraten cleverer und haben im Netzgängerzyklus auf für mich schlüssige Weise versucht, Perry und seine Serie aus den Fängen der Kosmokraten und Materiesenken zu befreien. Der Mut zum großen Bruch war noch nicht da (Ja Ralf, das mit den Cantaro hast du schon gespoilert.), aber dafür der Mut zum ein oder anderen Experiment. Der Hansezopf scheint demnächst abgeschnitten zu werden, Alaska darf sich verändern, Salik verschwindet in der Versenkung. Das Tiefenland bleibt das Tiefenland, dafür gibt es spannende Kommandounternehmen und Gruppierungen wie die PIG.

Dennoch verschwindet das fantastische Element nicht ganz, und es gibt “Das Netz” und ophalische Meistersinger. Finde ich in seiner Dosierung so vollkommen in Ordnung, denn Perry ohne Sense of Wonder funktioniert ja nun auch wieder nicht.

Dabei scheint es mir, dass all diese Elemente und Versatzstücke nicht ganz zueinander passen wollen. Wie kindliche Experimentierfreude ohne großen Plan, der ja nun bei Meister Voltz eindeutig da war.

Versuch eines Fazits

Auch wenn ich die Handlungselemente des Netzgängerzyklus als etwas zusammengewürfelt empfunden habe, so ziehe ich doch meinen Hut vor der Leistung von Ernst Vlcek und Kurt Mahr. Für mein Empfinden hat William Voltz die Serie an einem Punkt hinterlassen, an dem sie im Grunde auserzählt hätte sein können. Dabei hat er Welten geschaffen, in die zu folgen es immer schwerer wurde. Glaubt man den Erzählungen, so schlug sich das auch in den Verkaufszahlen nieder.

Und was macht man jetzt daraus? Damals entschied man sich dazu, den Heften einen Hinweis auf “mehr Action” mitzugeben und behutsame Änderungen herbeizuführen, ohne den großen Bruch mit dem lange gewachsenen und sorgsam gehüteten Kanon zu provozieren. Und in dieser Hinsicht überzeugen mich “Die Gänger des Netzes”. Ob ich sie erneut lesen würde? Vermutlich nicht. Schließlich warten demnächst die Cantaro und Tarkan will ja auch noch entdeckt werden. In diesem Sinne: Energie!

« Ältere Beiträge

© 2021 Heftehaufen

Theme von Anders NorénHoch ↑