von Einem, der auszog, um 3000 Perry-Rhodan-Romane zu lesen

Schlagwort: Christian Montillon

Voll aufs Ohr!

Perry Rhodan – Plejaden

Und weiter geht der muntere Hörspielreigen. Nach zwei Ausflügen in die früheste Frühzeit mit den EUROPA-Vertonungen habe ich mir kürzlich mit dem Zehnteiler “Plejaden” die neueste rhodanistische Hörspielerei aus dem Jahr 2015 mit ins Auto genommen. Und natürlich dürfen auch hier ein paar höchst subjektive Eindrücke nicht fehlen.

So ist es verpackt

Auch die Plejaden liegen beim Streamingdienst meines Vertrauens vor, erschienen aber ursprünglich beim Zaubermond-Verlag als zehnteilige CD-Edition. Offenbar ist die nicht ganz so gelaufen, wie sich die Herausgeber das vorstellten. Zaubermond hat die Tonträger am Ende rausgehauen, findige Resteverwerter bieten die Silberlinge immer noch an. (Stand Mai 2020)

Alle zehn Cover hat Arndt Drechsler beigesteuert. Daran ist nichts auszusetzen, ich mag den Stil des Künstlers, aber zehn kleine rote Abbildungen, die alle Herrn Rhodan und ein Raumschiff zeigen, sind auf kleinen Displays mitunter recht schwer zu unterscheiden. Vielleicht ist das mit CDs in der Hand anders, aber ich hatte mir manchmal eine deutlich unterscheidbare Farbgebung der einzelnen Folgen gewünscht, wenn die Motive schon so gewünscht waren.

Beispielhaft seien hier nur einmal die Titelmotive der Folgen zwei und sechs nebeneinander abgebildet, um mein Argument ein wenig zu untermauern.

Zugegeben: In der Titelbildgalerie machen sich die Werke echt gut, aber in so klein … Vielleicht sollte ich anfangen, auf einem Tablet zu hören. Alternativ könnte Zaubermond ja auch LPs pressen … (Wünschen darf ichs mir ja noch, oder?)

Darum geht es

Im Jahr 2015 wagte man nach dem Mammutwerk “Sternenozean” einen neuen Anlauf, Herrn Rhodan zu verhörspielen. Herausgekommen ist eine zehnteilige Miniserie, für die Christion “Action” Montillon das Exposé verfasste, Andrea Bottlinger schrieb die Texte. Mit Dennis Ehrhardt, dem Inhaber von Zaubermond, übernahm ein routinierter Hörspielproduzent die Regie. Zum Erscheinungszeitpunkt ist die Serie seltsamerweise unbeachtet an mir vorbeigezogen. Höchste Zeit, im Rahmen meiner Hörspielwochen, da eine kleine rhodanistische Wissenslücke zu schließen.

Also los!

Folge 01 – Die 144 Kammern

Montillon und Bottlinger lassen es gleich krachen. Die USO, eine Verhörsituation mit einem schön fiesen Michael Harck (Dämonenkiller, Larry Brent), sterbende Zellaktivatorträger, und dann gleich mal 144 Stück davon, ein durchdrehender Oxtornder mit Sprengstoff … ach herrlich. Als wäre Perry Rhodan Action erst gestern noch gelaufen.

Musikalisch und Atmosphärisch kommt der erste (wie auch die folgenden Teile) extrem dicht daher – feinstes Ohrenkino. Thorben Liebrecht gibt einen sehr glaubwürdigen Perry Rhodan. Und Santiago Ziesmer gibt einen fabelhaften Gucky, lichtjahre entfernt vom Pumuckltroll der EUROPA-Hörspiele und weit genug enfernt von Sponge Bob. Das lasse ich mir gerne noch neun Folgen lang gefallen.

Folge 02 – Splitter der Unsterblichkeit

Die Folge bietet einen Haufen Tradition im modernen Gewand. Neben dem Oxtorner tritt ein siganesischer USO-Spezialist auf und nicht nur ich denke automatisch an den großen Herrn Danger.

Dazu liegen die 144 scheinbaren Zellaktivatorträger vom Volk der Lkandoner seit 100.000 Jahre im Kälteschlaf. Ich liebe das Perryversum für solche bekloppten Zeitspannen, hätte aber gern solch langlebige Technik. Der pure Neid …

Inhaltlich gibts ein paar spannende Fragen: Warum will der Oxtorner den Lkandonern an den Kragen? Was macht deren Vitalenergiemetallsplitter so? Und wer sind die Überhaupt? Letzteres will auch Gucky wissen. Für ihn wirds persönlich, schließlich ist er ja auch der letzte seiner Art, hat also durchaus ein Herz für 144 verschlafene Vitalsplitterträger.

Folge 03 – Das Volk der Schläfer

In den ersten Minuten ist mir Perry hier viel zu zögerlich. Das findet wohl auch Gucky und bestreitet den Rest der Folge nahezu alleine auf dem Planeten der Lkandoner.

Dort kann er auch ein paar erste Geheimnisse lüftet. Unter anderem wartet der wütende Oxtorner seit 100.000 Jahre darauf, seine Finger an die Vitalenergiesplitter zu bekommen. In dem Moment ist mir der olle Ganjo mit seiner jahrhunderttausende langen Warterei sehr, sehr nahe …

Folge 04 – Ausgeliefert auf Oxtorne

So langsam reichts mir mit der Knallerei, Herr Montillon. Die Leute schauen meinem Auto immer so hinterher, wenn ich mit den Plejaden durchs Dorf fahre.

Auf Oxtorne ist die Hölle los, und die Protagonistin rettet ihren Arm vor einem Okrill, was die wenigsten schaffen.

Folge 05 – Vitalenergien

Also hätte man mich erhört, lässt die Knallerei ein wenig nach. Gucky schreibt die Folge in sein Logbuch, berichtet von Metallwesen und, wie sollte es anders sein, Superintelligenzen. Dazu geht es tief in die Vergangenheit und quer durch die Dimensionen. Akustisch wird es für mich immer dann schwer, wenn irgend jemand aus einer Dimensionstasche zu mir spricht. Da sind mir die Effekte zu stark und die Sprache zu sehr im Hintergrund. Ich bin halt ein alter Mann, der genau hinhören muss.

Ach, und der Oxtorner will die Unsterblichkeit. Wer hätte das gedacht.

Folge 06 – Geheimstation unter dem Eis

Gucky spricht aus, was alle denken: “Hier fliegt gleich alles in die Luft!”

Die Folge ist die bisher wüsteste Knallerei, bei der aber auch einige Geheimnisse und Doppelspiele gelüftet werden. Natürlich ist das mit der Superintelligenz kein Scherz. Folgerichtig heißt die nächste Folge:

Folge 07 – Im Auftrag der Superintelligenz

Endlich! Endlich wird mal wieder weniger geballert. Und endlich gibts ein paar Hintergründe. Halleluja!

Folge 08 – Verrat

Es hat nicht lange gedauert. Es rappelt wieder im Karton. Und zwar so richtig. Perry glaubt, dass jemand stirbt, wundert sich nicht so wirklich über die Entführung einer vermeintlichen Leiche und steht am Ende etwas bedeppert da. Aber gut, er hat ja damals auch erst nach gefühlt 568 Heften geschnallt, wer Roi Danton ist.

Folge 09 – Weg zur Unsterblichkeit

Der vorletzte Teil beginnt wieder mit einem Verhör, danach darf das Entführungsopfer den Cyborg geben. Alles recht schön und schlüssig. auch inhaltlich wird es jetzt rund.

Folge 10 – Die Vital-Maschine

Die letzten rätsel werden gelöst und am Ende beweist Herr Rhodan Gnade. Gefällt mir.

Und ganz am Ende gibt es noch Musik auf die Ohren, was ich eine echt nette Beigabe finde.

Fazit

Da ist er endlich, der Perry-Rhodan-Film, wenn auch ohne Bildspur. Aber das macht rein gar nichts. Die Plejaden bieten einen feinen Actionfilm für den Kopf und wissen durch atmosphärische Dichte und hochklassige Produktion zu überzeugen.

Die Story bietet erfahrenen Rhodanisten genügend Anknüpfungspunkte, um sich gleich zu Hause zu fühlen. Neuhörer werden aber nicht mit übermäßigen Kosmoballast abgeschreckt. Rhodan, Gucky, der Rest ist erst einmal egal.

Freunde ausgefeilter Handlungsbögen könnten sich eventuell ein wenig schwertun mit den Plejaden. Dazu ist die Erzählung dann doch zu gradlinig und vor allem zu actiongeladen. Wer aber schon immer mal wissen wollte, wie die Hörversion vieler Marvel-Blockbuster klingen könnte, der kommt bei den Plejaden sicher auf seine Kosten.

Und jetzt?

Andrea Bottlinger erzählt hier ein wenig über ihre Arbeit an den Plejaden. Christian Montillon darf hier und hier berichten. Sehr interessant.

Für mich führt dann wohl kein Weg mehr am Sternenozean vorbei, auch wenn das noch 1000 Hefte vor meinem jetzigen Lesestand sind. Andererseits ist es von da auch nicht mehr all zu weit bis zum Stardust-Zyklus, mit dem ich weiland in die Serie eingestiegen bin.

Also bitte, man reiche mir 42 blaue Hörspiele um Kantiran.

Perry Rhodan und der Mottenmann

Ein Besuch bei Käpt’n Book 2019

Mit Käpt’n Book zelebriert die Region Bonn seit dem Jahr 2003 ein Lesefest für Kinder und junge Erwachsene. Lesungen, Workshops, Theatervorstellungen und ein buntes Rahmenprogramm sollen Kindern die Schönheit von Literatur näherbringen oder ihnen im Rahmen einer Lesung ermöglichen, einmal einen wirklich richtigen und echten Autor zum Anfassen zu erleben.

Wer mehr über diese tolle Veranstaltung wissen möchte, findet hier alle Veranstaltungstermine und -orte auf einen Blick. Wer sich jetzt fragt, was ein alter Sack wie ich bei so einem Festival tut, den verweise ich gerne auf meine Sammlung von ???-Büchern und auf die Biografie des Expokraten Christioph Dittert, oder wie man ihn im Weltraum nennt, Christian Montillon.

Dieser Christoph Dittert, der ja schon mein Heimatdorf belesen hat, trug im Rahmen von Käpt’n Book aus seinem neuen Kinderdetektivroman “Die drei ??? und der Mottenmann” vor. Da das ganze ausgerechnet in der Stadtbücherei Brühl zelebriert wurde, durften Volker und ich natürlich nicht fehlen. Nach einem kleinen Mittagessen, bei dem mir Christoph endlich beantwortete, wie man ausgerechnet in Hymnologie promovieren kann, folgte eine kurzweilige Lesung in der Kinderabteilung der Bücherei. Neben einer großen Zahl kleiner Detektivfans war auch eine Fraktion von erwachsenen Kassettenkindern vertreten und eben auch zwei Abgesandte des Perryversums.

Wir hatten eine Menge Spaß in Rocky Beach, der Heimatstadt der ???, und konnten auch eine winzige Neuigkeit zur aktuellen und zur kommenden Miniserie erfahren. Das obligatorische Perryfoto mit beklopptem Grinsen durfte nicht fehlen.

Christoph Dittert, Martin Ingenhoven und Volker Hoff machen komische Gesichter

Mythos Erde

Des Heftehaufens Senf zum Jubiläumsband

So, alle Welt (zumindest die rhodanistisch infizierte) spricht von Band 3000. Dann will ich doch auch mal.

Was steht drin?

Rhodan steht mit dem Rücken zur Wand, die Galaxis ist dem Untergang geweiht und komische Außerirdische tauchen auf. Die Perrypedia spoilert ausführlich, was auf 80 Heftromanseiten passiert.

Wie ist es verpackt?

Mythos Erde kommt im Hochglanzcover mit umlaufenden Titelmotiv. Das Bild zeigt Rhodan, Frau Dorksteiger, einen komischen Außerirdischen und ein paar faszinierende Raumschiffe in Augenform. Das Cover war im Vorfeld Anlass heißer Diskussionen: „Rhodan viel zu jung!“ „Rhodan mit roten Haaren!“ „beliebiges anderes Früherwarallesbesserargument einfügen“ …

Mir war das Motiv auf den ersten Blick für einen solchen Jubiläumsband etwas zu unspektakulär. Auf den zweiten Blick passt es sich sehr gut in die Reihe der Tausenderbände ein.

Sven Fesser von Fessis Neoblog stellte mir diese hübsche Galerie zur Verfügung

Der Künstler Arndt Drechsler ist bei der Vorstellung des Romans ausgiebig auf die Entstehung des Bildes eingegangen, und ich gebe zu: Je mehr ich es anschaue, umso mehr fasziniert es mich. Und was den Rhodan angeht. Keiner der in den letzten 58 Jahren gezeigten Sofortumschalter entspricht auch nur im Mindesten dem Helden, den ich mir im Kopf zurechtgelegt habe.

Arndt Drechsler zeigte in München eine frühe Vorstufe des Titelmotivs

Was ist noch dabei?

Der Innenteil versammelt eine ganze Reihe einseitiger Kurzgeschichten aktueller Autoren zum Thema „Mythos“. Sehr schön! Mein Favorit ist die Erzählung von Leo Lukas – schöner Humor. Typisch Lukas eben.

Auf der LKS durften sich die Fans und Autoren noch etwas auslassen, die in den vergangenen Wochen schon an der Social-Media-Kampagne beteiligt waren. (Ich bin auch dabei, weitere Beteiligungen sind in Band 3001 abgedruckt.)

Ach ja, im Mittelteil darf das obligatorische Jubiläumsposter nicht fehlen.

Wie hat mir der Roman gefallen?

Meine Erwartungen an den Band 3000 waren hoch. Schließlich war das mein erster großer Jubiläumsband. Den Terraner (Band 1000) hatte ich zwar vor Jahren schon einmal gelesen, aber Band 2000 spare ich mir auf, wenn er drankommt. Ist in ein paar Jahren soweit. Zwischen 1000 Raketenheften liegen 19 Jahre, also gefühlte Ewigkeiten. Voltz schrieb 1980 für eine andere Leserschaft und aus einer anderen Zeit heraus, als Feldhoff und Vlcek es neunzehn Jahre später mit „ES“ taten.

Wie also haben Christian Montillon und Wim Vandeman die große Aufgabe gelöst?

Wer einen ewigen Meilenstein wie Band 1000 beim Mythos Erde erwartet, dürfte ernsthaft enttäuscht werden. Dazu ist der Roman zu wenig monumental. Aber ganz ehrlich? Voltz schrieb „Der Terraner“ 1980 hauptsächlich für Stammleser oder Leute, die ohnehin kommen würden. Die Gedanken, die man sich heute um den Unsterblichen machen muss (Konkurrenz durch andere Medien, alternde Stammleserschaft, generelle Einbrüche bei Druckerzeugnissen), brauchte sich Meister Willy nicht zu machen. Der konnte es sich leisten, für den harten Kern zu schreiben.

Montillon und Vandeman mussten dagegen den Spagat schaffen, Bestandskunden genauso zufriedenzustellen, wie Menschen, die mit 3000 neu oder wieder einsteigen. Kein leichtes Unterfangen!

Herausgekommen ist nach meiner Meinung ein auf den ersten Blick zunächst unscheinbarer Roman mit zwei klar voneinander getrennten Handlungsebenen, die für alle Leserinnen und Leser klar verständlich sind. Solide Science Fiction mit einer gehörigen Portion Staunen, oder wie man so schön sagt: sense of wonder. So hat Rhodan zu sein!

Aber reicht das für eine Dreifach-Null? So kann Rhodan doch auch in Band 2800 oder 2900 sein. Reicht ein solide geschriebenes Raketenheft für dieses Jubiläum aus?

Aber ja doch, denn wer sagt, dass der „Mythos Erde“ lediglich solide geschrieben ist? Band 3000 schafft nämlich eine derartig freie Bühne, dass die Lektüre eine Freude ist. Neuleser werden nicht mit 58 Jahren Heftchenbalast beworfen, aber für Langleser ergeben sich genügend Fragen, was zum Henker bitteschön passiert ist, das Herr Rhodan so tief in der Klemme steckt, wie bereits auf Seite Eins des Romans. Genügend Fährten werden in den folgenden 80 Seiten ausgelegt, dass es eine wahre Wonne ist, Spekulationen anzustellen und mit anderen Fans Theorien zu spinnen, die am Ende doch alle nicht wahr sind. Oder vielleicht doch? (Ist euch aufgefallen, dass der Name Michael Rhodan im Roman fünf Mal fällt?)

Mein bescheidener Wunsch ist, dass die Expokraten den Mut haben, die angestoßenen Umwälzungen in der Milchstraße nicht bereits nach 100 Heften wieder geradezubiegen, Rhodan aus der Dusche steigen zu lassen, und alles war nur ein Traum. Neee, bitte nicht. Lass Rhodan und uns Leser ein bisschen länger in dieser neuen Milchstraße, die so viele neue und tolle Möglichkeiten bietet.

Fazit

Perry Rhodan 3000 – Mythos Erde ist ein Roman, der auf den ersten Blick gewöhnlich scheint. Wer eine Neuauflage vergangener Monumente wünscht, wird mit Sicherheit enttäuscht werden. Spätestens am Tag nach der Lektüre sollte aber klar sein, welche feines Werk Christian Montillon und Wim Vandeman hier geschaffen haben. Mit dem Jubiläumsband ist vieles neu (nicht nur Rhodans Frisur), es tun sich faszinierende Chancen auf, aber es bleibt genügend Altes, um niemanden vor den Kopf zu stoßen. Ich bin gespannt, wie lang die Expokraten den eingeschlagenen Weg gehen werden.

Perry Rhodan landet in München

Mythos Erde im Literaturhaus

Wir schreiben den 9.2.2019, in München herrscht fast Frühlingssonne. Ralf, Raphael, Volker und ich sind froh, nach einem Tranistionsflug mit Hindernissen endlich vor dem Literaturhaus am Salvatorplatz zu stehen und suchen den Eingang. Das Gebäude, in dem wir mit 300 anderen Fans den Tag verbringen wollen, wirkt zwar recht eindrucksvoll, aber von außen deutet nichts darauf hin, was hier in den nächsten Stunden passieren soll. Erst am Seiteneingang entdecken wir ein vertrautes Motiv und steigen die knarzende Holztreppe nach oben. Dort warten ein seltsamer Bär, den wir für Gucky halten und einige bekannte Gesichter auf Einlass.

Von außen erkennt man wenig vom großen Juiläum

Perfekte Organisation

Und dann werden wir Zeuge von etwas, das uns durch den ganzen Samstag begleiten wird: Die freiwilligen Helfer vom Münchner Stammtisch “Ernst Ellert” haben die Sache minutiös im Griff. Punkt neun Uhr werden wir eingelassen, erhalten für das Ticket einen Button, der uns gut sichtbar als Besucher ausweist und dürfen den Saal stürmen. Die Münchner Rhodanisten halten dem Ansturm der angereisten Bestien stand und haben für jeden ein Lächeln und ein paar freundliche Worte parat. Wir fühlen uns sauwohl. Vielen Dank an euch alle, die ihr im Hintergrund, auf der Bühne, im Foyer geholfen habt. Großartig!

Packendes Programm

Wir erwischen Plätze in der ersten Reihe und werden Zeuge eines Programms, bei dem ein faszinierender Programmpunkt den nächsten jagt. Böse Zungen könnten behaupten, Klaus Bollhöfener und sein Team hätten ein typisches Conprogramm zusammengestellt. Vordergründung mag das bei der Lektüre des Programms so erscheinen. Aber nein, diese Annahme sollte sich als nicht ganz zutreffend erweisen. Natürlich finden sich astronomische Vorträge und Panels mit Zeichnern und Autoren auf jedem Con, aber bei mir nistete sich schnell der Eindruck ein, dass hier mehr passiert: Uschi Zietsch moderierte bestens gelaunt die einzelnen Programmpunkte und achtete perfekt auf den Zeitplan. Überziehen durfte hier keiner, schließlich waren wir alle wegen Band 3000 da, der am späten Nachmittag dann endlich, endlich nach langem Warten und perfekt getimter Dramaturgie von Christian Montillon und Wim Vandeman präsentiert wurde.

Meine persönlichen Highlights

Das Programm der Veranstaltung im Literaturhaus war so reichhaltig, dass es mir unmöglich ist, hier jeden Programmpunkt angemessen zu erwähnen. (Wer das mag, kann auf Twitter ja dem Hashtag #PR3000MUC seine Aufmerksamkeit schenken.) Trotzdem möchte ich drei Programmpunkte besonders herausheben, weil sie mir persönlich am besten gefallen haben.

Zum einen war da das Panel zu Perry Rhodan NEO, geleitet von Hermann Urbanek, Wiener Erzfan und Autor großartiger Bücher. Natürlich gehört eine Gesprächsrunde zu NEO zu jedem anständigen Con, meist werden dabei die üblichen Fragen abgefrühstückt und ein paar Informationshäppchen gereicht. Aber das reicht einem Hermann Urbanek nicht. Mit geschliffenen Formulierungen und punktgenauen Fragen brachte er die beiden Expokraten Rüdiger Schäfer und Rainer Schorm ordentlich ins Schwitzen. Dort zuzuhören war ein ebenso großer Genuss, wie einen dabei herzlich lachenden Klaus N.Frick zu beobachten. Hut ab, Hermann Urbanek!

Schwitzende Expokraten und ein gutgelaunter Hermann Urbanek

Zweitens wäre da ein bestens aufgelegter Johannes Rüster zu nennen. In Abwesenheit von Andreas Eschbach durfte der Theologe den Mythos Perry Rhodan ein fundiert analysieren und uns Zuhörern die Angst nehmen, dass Eschbach den Mythos Rodan ähnlich entzaubern könnte, wie weiland Don Rosa den Mythos Dagobert Duck. Packend vom ersten bis zum letzten Satz. Zum Glück gibt es den Vortrag demnächst im Innenteil einer Perry Rhodan Nummer. Danke, Johannes!

So viel “Mythos Erde” steckt in einem Eschbach

Und dann war da natürlich der Jubilar selbst: Band 3000. Wir hatten das Glück und Ralf Entz auf unserer Seite. Ralf ist Hörbuch-Abonnent und so waren wir in kompletter inhaltlicher Kenntnis des Jubiläumsbandes im Literaturhaus angekommen. Auftritt Dr. Hartmut Kapser, unter Raketenheftfreunden besser bekannt als Wim Vandeman!

Und ich formuliere es mal so: Ein Panel mit Wim ist immer ein Hochgenuss. Der Mann versteht es einfach, gekonnt zu unterhalten und dem unwissenden Leser absolut nichts zu verraten. So dachte ich bis jetzt. Doch Fakt ist: Wim Vandeman hat in München weite Teile des Romans gespoilert, ohne dem handlungsunkundigen Zuhörer auch nur das Gefühl zu geben, irgend eine Information bekommen zu haben. Ganz groß

Wim Vandeman verrät nichts und sagt alles

Was wäre anders schöner gewesen?

Natürlich haben die meisten Fans zu Band 3000 auf einen WeltCon gehofft. Die großartige Veranstaltung in Mannheim im Jahr 2011 lag ja noch nicht lange zurück. Und das war vermutlich auch der Grund für den Verlag (auf keinen Fall zu verwechseln mit der Redaktion), die Veranstaltung zum Jubiläumsband im gemütlichen Rahmen zu halten – 300 glückliche Fans, der Rest schaute in die Röhre. (oder eben auch nicht, denn ein Livestream wurde leider nicht angeboten). Die Hoffnung auf 2021 – 60 Jahre Rhodan bleibt, aber manchmal glaube ich, nicht jedem, der bei Bauer über Geld entscheidet, ist klar, welches Pferd da im Stall steht. Rhodan ist eine verdammte Legende!

Schade und für mich unverständlich war die Entscheidung, den Besuchern lediglich eine Leseprobe zu überreichen. Um der Gefahr von Spoilern zu begegnen, sollen die Damen und Herren im Vertrieb gesagt haben. Hallo Vertrieb, ihr habt auch gesagt, dass Hörbuch-Abonnenten den Roman eine Woche früher zu hören bekommen. Das war also kein netter Schachzug, aber na ja, es sind nur noch fünf Tage.

Hier gibt es ein paar Bildeindrücke der Veranstaltung.

Versuch eines persönlichen Fazits

Die Präsentation des Bandes 3000 im Literaturhaus München war ein toller Roadtrip mit vier tollen Typen, ein wunderbares Wiedersehen mit netten Menschen, ein Kennenlernen neuer Menschen, ein Tag des gepflegten Nerdizismus, mein erstes Rhodan-Hörbuch, ein Quell neuer Ideen und ein weiterer Schatz in meinen rhodanistischen Erinnerungen.

Die verlorenen Jahrhunderte – Florence

Die Erwartungshaltung – en gros und en detail:

Dass es zu einem Zeitsprung in der Handlung nach Band 3000 der Erstauflage kommen wird, ist seit längerem bekannt. Wie weit die Handlung in die Zukunft springt, ist derzeit noch Gegenstand von Spekulationen. Die von verantwortlicher Seite gestreuten Hinweise, die bislang bekannten Romantitel nach 3000 sowie die nun begonnene Reihe von digitalen Publikationen lassen viele Gedankenspiele zu. Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich eben Band 2998 gelesen, was die Phantasie nochmals anregt (Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal Kai Hirdt für den tollen Roman!).

Die eben benannte e-book-only-Reihe trägt den Titel „Die verlorenen Jahrhunderte“ und soll den Zeitraum zwischen den Bänden 2999 und 3000 beleuchten.

Damit ist es klar: Jahrhunderte werden augenscheinlich vergehen, bis die Erzählung nach dem Ende des „Genesis“-Zyklus wieder einsetzt. Aber wie groß ist die Lücke nun genau? Dreihundert Jahre? Vierhundert? Tausend?

Die Erde sei nur noch ein Mythos und Perry Rhodan sei nicht mehr bekannt, heißt es. Was bedeutet das? Sind tatsächlich Jahrtausende vergangen oder hat der Weltenbrand die Milchstraßenzivilisationen binnen weniger Jahrhunderte ihrer Geschichte beraubt? Oder haben die mysteriösen Cairaner alles gebrainwashed?

Egal wie groß die zeitliche Lücke zwischen 2999 und 3000 ist, die sechs angekündigten Kurzromane werden kein umfängliches Bild der dortzeitigen Ereignisse liefern.

Die angekündigten Themen der Romane (Florence Hornigold, Zweites Solares Imperium, Gemeni-Zellaktivator-Träger) sind breit gestreut. Ich freue ich darauf, dass diese Facetten des Perryversums etwas tiefer gehend betrachtet werden.
Daher erwarte ich, dass man anhand dieser Personen oder Gruppen etwas über die Entwicklung der Milchstraße in den verlorenen Jahrhunderten offenbart. Möglicherweise werden wichtige Eckpunkte der fiktiven Historie eine Rolle spielen, die aus einem jeweiligen Blickwinkel erzählt werden.

Der Inhalt

An dieser Stelle ergeht eine kurze Spoilerwarnung. Ich werde ein paar Details der Geschichte erwähnen. Wer sich nicht spoilern lassen will, der möge zunächst den Roman lesen.

Die Handlung setzt etwa fünfzig Jahre nach den Abenteuern von Florence Hornigold und Atlan um die Suche nach der Proto-Eiris ein. Florence hat inzwischen drei (anscheinend halbwegs erwachsene) Söhne und ist die Handelskönigin im Sternenring der Lee von Cetus.

Sie hat sich also auch nach Atlan wieder für andere Männer begeistern können. Allerdings geistert der Arkonide nach wie vor durch ihre Gedanken, wie man an der einen oder anderen Stelle bemerkt. Zudem scheint sie die Würze und das Adrenalin zu vermissen, die das Zusammentreffen mit Atlan in ihr Leben gebracht haben.

Über die Situation in der Milchstraße erfährt man nichts. Es existiert bedingt durch die große Entfernung keine Kommunikation. Niemand in Cetus weiß, ob es Atlan gelungen ist, die Katastrophe zu verhindern, wofür er die Eiris benötigte.

Das von ES im Sternenring deponierte und dort verbliebene Silo mit Proto-Eiris hat hingegen einen Riss und sein Inhalt sickert unkontrolliert daraus hervor. Die Auswirkungen werden eindringlich beschrieben. Unbelebte Gegenstände erhalten plötzlich ein Bewusstsein, Psi-Fähigkeiten manifestieren sich oder Lebewesen erleiden körperliche Mutationen.

Auch der Körper von Sano, einem Bürgermeister der Lee, verändert sich in besonders hohem Maße. Das ist darin begründet, dass er versucht die austretende Proto-Eiris und ihre negative Wirkung einzudämmen, wobei er sich häufig in unmittelbarer Nähe des Silos aufhält und regelmäßig eine höhere Dosis Eiris abbekommt.

Andere politische Strömungen sehen die Eiris als Machtmittel , das es sich zu Nutze zu machen gilt. Das will Sano zudem verhindern. Seine Gegner schrecken aber auch vor Gewalt nicht zurück.

Als Florence Zeugin eines Anschlags wird, folgt sie dem Lockruf des erneuten Abenteuers und unterstützt Sano.

Was hat mir gut gefallen?

Die Charakterisierung von Florence Horinigold.

Sie wirkt reifer und weniger nervig, als ich sie am Ende ihres Handlungsstranges in der Erstauflage empfunden habe. Dort war sie mir zu sehr darauf fokussiert, ein Beiboot der RAS TSCHUBAI zu ergattern.

Oft stellt man sich als Leser die Frage, wie das Leben der Nebenfiguren weitergeht, die ein paar Romane lang an der Seite der Unsterblichen in kosmisches Geschehen eintauchen und Abenteuer erleben durften.

Für Florence Hornigold wurde diese Frage nun beantwortet. Dabei muss man konstatieren, in der Zeit nach Atlan führt sie relativ dazu gesehen ein Spießerleben. Sie lernt (zumindest) einen Mann kennen, bekommt Kinder, zieht sie auf, erlebt deren Pubertät (die mit Auszug endet) und baut erfolgreich ihr Handelsgeschäft aus.

Das ist auch nicht anders zu erwarten. Kaum ein Wesen kommt überhaupt einmal in den Genuss, mit der Unsterblichen-Riege agieren zu können. Und das ist für die Betroffenen sicherlich ein mehr oder weniger singuläres Ereignis. Danach geht das Leben weiter, mehr oder weniger wie es vorher war. Im Rahmen dessen verleiht ihr Christian Montillon jedoch Charakter. Sie steht mit beiden Beinen im Leben, hat sich zur Handelskönigin gekrönt, was sie dadurch unterstreicht, dass sie den Kommandanten-Sessel ihres Raumschiffs als Thron ausstaffiert. Auch die von Atlan erhaltene Space-Jet scheint sie in erster Linie für entspannende Ausflüge und nicht als Machtmittel zu benutzen.
Und dennoch ist Florence angefixt von den Erlebnissen mit dem Arkoniden. Sie sehnt sich nach neuen Abenteuern und Aufregung, die ihr das Alltagsgeschäft nicht bieten kann.
Sie bezeichnet sich als den „personifizierten Leichtsinn“. Möglicherweise drückt sich darin auch eine Risikobereitschaft auf der Suche nach dem nächsten Kick aus.

Am Ende kann sie ein neues abenteuerliches Kapitel in ihrem Leben aufschlagen. Ein schöner Abschluss für die Figur, die neue Facetten erhalten hat und die ich aber definitiv gerne wiederlesen würde.

Die Milchstraße?

Was erfahren wir zum politischen/kosmischen Geschehen während der verlorenen Jahrhunderte? Eigentlich nichts.

Informationen aus der Milchstraße liegen bedingt durch die große Entfernung nicht vor.

Lediglich die Eiris und was sie bewirken kann, lassen einige Spekulationen zu. Die unspezifischen, teils zerstörerischen Wirkungen auf belebte und unbelebte Gegenstände deuten an, dass es sich um eine nicht ungefährliche Substanz handelt. Proto-Eiris ist – wie wir wissen – nicht programmiert, keinem Zweck zugeführt und agiert folglich völlig unkontrolliert.

Da möchte man nur hoffen, dass die geplante Programmierung in der Milchstraße nicht schiefgeht. Man stelle sich vor, unprogrammierte Eiris flutet die Lokale Gruppe. Nicht gut.

Wurden meine Erwartungen erfüllt?

Nicht vollständig.

Ein Einblick in die Verhältnisse innerhalb der Milchstraße ergibt sich nicht. Ehrlich gesagt ist das auch sinnvoll, denn schließlich liegt Band 3000 noch vor uns und eine rückblickende Betrachtung mit zu vielen Details würde die Spannung nehmen.

Dafür konnte man Florence Hornigold als Hauptfigur und ihren weiteren Werdegang erleben. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Man hat die Gelegenheit genutzt, die Figur noch einmal zu vertiefen und ihr gleichzeitig ein passendes Finale gewährt.

Alles in allem ein schöner Roman, bei dem auch die Action nicht zu kurz kam – und der Hoffnung auf mehr macht!

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