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von Einem, der auszog, um 3000 Perry-Rhodan-Romane zu lesen

Schlagwort: Die verlorenen Jahrhunderte (Seite 2 von 2)

Bestellter Tod im Bild

Wohlan! Jetzt, da ich meine Stimme einigermaßen wieder habe, habe ich meine Eindrücke zu Michelle Sterns neuem Kurzroman aus den verlorenen Jahrhunderten festgehalten. Natürlich arbeitsteilig mit Markus Regler, der hier bereits über diese wirklich tolle Geschichte geschrieben hat.

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Der bestellte Tod

Markus Regler über den dritten Kurzroman aus der Zeit der verlorenen Jahrhunderte

Erneut betrachten wir den weiteren Werdegang eines Zweiges der Menschheit, der im vergangenen Zyklus eine Rolle gespielt hat. Es geht im Allgemeinen um das Volk der Menes auf Cessairs Welt und im Speziellen um Fitzgerald Klem, der dank seines Eiris-Amuletts mittlerweile mehr als dreihundert Jahre alt ist.

Fitz Klem war meine Lieblingsnebenfigur im abgelaufenen Zyklus, daher habe ich mich sehr gefreut, dass Michelle Stern sich seiner noch einmal annimmt.

Zum Inhalt

Hier gilt wieder: Vorsicht Spoiler! Es werden Details der Geschichte verraten.

Zu Beginn der Geschichte lernen wir einen Fitz Klem kennen, der genug vom Leben hat. Er denkt darüber nach, das Amulett abzulegen und in jüngere Hände zu geben, was gleichzeitig die Frage aufwirft, wem er das Schmuckstück anvertrauen kann.

Er hat zwischenzeitlich seinen eigenen Tod vorgetäuscht, um seine Langlebigkeit zu tarnen. Er hat operativ sein Aussehen verändert und lebt heute unter dem Namen „John Klem“ (er ist sozusagen sein eigener entfernter Verwandter).

Als „Graue Eminenz“ bei der Gesellschaft für Informationsbeschaffung- und auswertung (GIBA), dem Geheimdienst der Menes, bestimmt er nach wie vor die Geschicke seines Volkes mit. Seine dortige Stellvertreterin Sarah Brydon und sein Kollege Gadurn, ein Nodhkari, sind die einzigen beiden Eingeweihten, die sein Geheimnis kennen.

Das Gemeinwesen aller Menes (GAM), hat in den vergangenen drei Jahrhunderten deutliche Fortschritte gemacht. Das Denken in Klans und Dynastien ist aufgeweicht. Mit ihren ehemaligen Feinden, den Gauchen, leben die Menes friedlich zusammen. Die Gemeni allerdings sind aus historischen Gründen nicht mehr unbedingt wohlgelitten.

In technischer Hinsicht gab es einen Schub, denn Klem hat bei seiner Rückkehr aus der Milchstraßen ein paar tausend Terraner samt Know-How mitgebracht.

Wie aus dem Nichts taucht ein Mann namens Adarion auf, der anscheinend Klems Geheimnis kennt. Doch nicht nur das: Ihm sind ungewöhnliche Details über das Tribar bekannt und er scheint über gute Verbindungen zu verfügen. So kann er beispielsweise ungestört in die GIBA-Zentrale eindringen. Ich fühlte mich irgendwie an Adam von Aures erinnert und befürchtete schon seine Wiederauferstehung. Glücklicherweise war das nicht der Fall.

Adarion verlangt nichts weniger als die Herausgabe des Amuletts und droht bei Weigerung mit dem Tod vieler Menes.

Zusammen mit seiner Kollegin Minett, einer jungen, aufstrebenden Agentin, macht Klem sich auf die Jagd nach Adarion. Er fühlt sich der Kollegin verbunden und zieht sie auch als zukünftige Trägerin des Amuletts in Betracht.

Bei den Ermittlungen stellt sich heraus, dass neben den Klems eine weitere Dynastie der Menes über den Tribar Bescheid wusste. Sie nennen sich „Hüter des Amuletts“ und beobachten stets dessen aktuellen Träger. Nun sehen sie aber den Zeitpunkt gekommen, an dem das Amulett seinen Nutzen verloren hat und der Einfluss von ES auf die Menes abgestellt werden soll. Daher wollen sie das Amulett an sich bringen.

Dies kann letztendlich verhindert werden, doch Klem muss einen schmerzhaften Verrat verkraften und wir erfahren die tragische Wendung in Fitz Klems Leben.

Was erfahren wir über die Milchstraße?

Nichts!

Fitz Klems würdiger Abschied

Michelle Stern steht in dem Ruf, ihren Figuren besondere Tiefe zu geben. Das setzt die Erwartungshaltung natürlich hoch.


Ich möchte an dieser Stelle den ersten Satz des Romans zitieren:

Er war unermesslich reich und dennoch der ärmste Mann auf ganz Cessair.“

Bereits dieser Satz drückt genial einfach Fitz Klems Lebenssituation aus. Er hat lange gelebt. Die Technologien aus der Milchstraße hat er den Menes zugänglich gemacht und dabei fast unfreiwillig viel Geld verdient. Er hat eine Universität gestiftet und dafür viel Anerkennung erhalten. Er hat Dinge erlebt, von denen Normalsterbliche nicht den Hauch einer Ahnung haben. Klem ist also reich an Geld, Ruhm und Wissen. Und dennoch ist er einsam.

In kleinem Maßstab hat Michelle Stern hier die Frage beleuchtet, wie es Unsterblichen im Laufe der Zeit ergeht, wenn langsam aber sicher ihr bekanntes Umfeld wegstirbt.
Im Gegensatz zu den Unsterblichen der Milchstraße ist Klems Langlebigkeit nicht öffentlich bekannt. Durch seine Erlebnisse und seine Aktivitäten nach der Rückkehr steht er dennoch im Rampenlicht. Um sein Geheimnis zu wahren, hat er sich eine neue Identität zugelegt.

Und nun kennt ihn wirklich keiner mehr.

Er hat niemanden, mit dem er seine Sorgen und Nöte teilen kann. Der einzige, der aus seiner Sicht einem Freund am nächsten kommt, ist der Nodhkari Gadurn, selbst ein Außenseiter in der GAM. Dieser lernt allerdings erst noch, die Menes zu verstehen, ist für Klem also auch kein geeigneter Ansprechpartner.
Hinzu kommt noch eine tragische Episode in Klems Leben, die mit einer Frau namens Kate zu tun hat, und die im Laufe des Romans immer wieder angedeutet wird.

Kein Wunder, dass er das Leben satt hat, wie er selbst sagt, und sich nach einem geeigneten Nachfolger oder einer Nachfolgerin umsieht.

Und bereits der erste Satz des Romans charakterisiert Fitz Klem in seiner tragischen Situation und schafft sofort die Atmosphäre, die diese Figur hier umgibt.

Neben Fitz Klem spielt auch die gesellschaftliche und technologische Entwicklung der Menes eine Rolle. Treffend dargestellt fand ich die Mischung aus alter und neuer Architektur und Technik. Diese Mixtur symbolisiert gleichsam den Aufbruch der Menes in ein neues, modernes Zeitalter.

Nach wie vor gibt es Gebäude im viktorianischen Stil, aber auch Bauten „Marke Terrania“ prägen das Bild.

Der Einfluss der zugereisten Terraner schlägt sich zudem in der Wissenschaft nieder und die Klem University macht das neue Wissen allen zugänglich. Also fliegen die Menes inzwischen in modernen Gleitern umher. Gleichermaßen werden Verletzte dennoch auf altmodischen Tragen abtransportiert.

Ebenso wie im Zweiten Solaren Imperium, das im Vorgängerromans „Der Goldene Frieden“ im Fokus stand, geht es auch auf Cessairs Welt vorwärts. Die Menes entwickeln sich weiter und sind würdige Vertreter der inzwischen weitverzweigten Menschheit.

Das Verhältnis zu den Gemeni ist angesichts der Vergangenheit noch getrübt. Es gibt sogar eine Minderheit von Querköpfen, die gewalttätig gegen die Gemeni vorgehen will.

Umso symbolträchtiger das Zeichen, das Fitz am Ende setzt, als er dem Nodhkari Gadurn das Eiris-Amulett übergibt.

Fazit

Hat Frau Stern also die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt? Aber vollständig, möchte ich sagen! Michelle hat Fitzgerald Klemm als vom Leben geprägten Menschen geschildert, der nicht nur dessen Sonnenseite kennengelernt hat. Nun ist er dieses Lebens müde. Er hat einen würdigen Abschied verdient, der ihm in diesem Roman gewährt wurde. Die Konsequenz ist leider, dass er für die Zukunft als Figur nicht mehr zur Verfügung steht, was ich persönlich bedauere.


Der Goldene Frieden

Markus Regler über den 2. Kurzroman der Serie “Die verlorenen Jahrhunderte”

Es geht weiter in der zeitlichen Lücke zwischen den Bänden 2999 und 3000. Diesmal gehen wir einen etwas größeren Schritt von der Handlungsgegenwart in die Zukunft. Wir befinden uns im Jahr 1750 NGZ. Handlungsort ist die Welt Gäon, wir befinden uns also in Sevcooris im Zweiten Solaren Imperium.

Der Goldene Frieden – Inhalt

Hier zunächst die obligatorische Spoilerwarnung. Ihr wisst Bescheid.

Die Gäonen befinden sich rund zweihundert Jahre nach dem Besuch des legendären Perry Rhodan in einem Zeitalter des Goldenen Friedens zwischen Gäonen und Thoogondu. Die ehemals schlagkräftige Raumflotte wurde abgerüstet, es gibt keine Auseinandersetzungen mehr, der Lebensstandard ist gut, man kann ein freies Leben führen.
Dennoch ist gerade die junge Generation der Gäonen unzufrieden. Sie sehen ihr Volk nach wie vor in Abhängigkeit von den Thoogondu, pflegen eine Ablehnung gegen diese und werfen ihren Eltern und Großeltern vor, diese Abhängigkeit zu verdrängen und stattdessen mit dem Erreichten zufrieden zu sein.
Die Protagonistin, Sefra Baitan, gehört zu dieser jungen Generation. Zusammen mit ihrem Bruder Krenev versucht sie der empfundenen Eintönigkeit ihres Lebens in virtuellen Spielen zu entfliehen. Junge Gäonen treffen sich heimlich, um in fiktiven Schlachten gegen die Thoogondu anzutreten. Das Ganze ist illegal, da dabei auch die Droge Virtulin im Spiel ist, die das Aufgehen in den Spielwelten erleichtern soll.
Während einer Razzia wird Sefra von Polizeikräften aus einem Spiel gerissen und in eine Therapieeinrichtung verbracht. Es stellt sich heraus, dass das Virtulin süchtig macht und einen starken Einfluss auf den Geist der Spieler ausübt. Zudem hat Sefra weitaus mehr Zeit in der virtuellen Welt verbracht, als ihr vorgegaukelt wurde.
Diese Abhängigkeiten und Manipulationen sollen in der Therapie behandelt werden.
Ihr Therapeut Tolin Posak organisiert Sefras Teilnahme an einem Besuch der Abgesandten des Gondus. Dieser schickt seine Tochter, Pulanoor. Die junge Thoogondu zeigt Interesse an Sefra und lädt sie ein, ihr für die Dauer des Besuchs Gesellschaft zu leisten. Beide entwickeln dabei ein Verständnis füreinander, das Sefra zum Nachdenken bringt.
Doch dann ereignet sich ein terroristischer Anschlag, an dem auch Sefras Bruder beteiligt ist. Dies enthüllt den Zweck der virtuellen Spiele: Zusammen mit der Droge sollen die Spieler zu willfährigen Kämpfern für einen Befreiungskampf der Gäonen gegen die Thoogondu konditioniert werden.

Was erfahren wir über die Milchstraße?

Nichts!

Was macht den Goldenen Frieden aus?

Thomas Rabenstein stellt einen Generationenkonflikt und dessen Auswüchse in den Mittelpunkt seiner Handlung.
Die jungen Gäonen empfinden das Handeln ihrer Eltern als zu lasch. Man verharrt aus ihrer Sicht im Status Quo und im ressourcenarmen Orionsland, wo doch Sevcooris mit seinen unerschöpflichen Rohstoffquellen vor der Haustür liegt. Der glorreiche militärische Vergangenheit des Volkes wird den Jungen ebenfalls zu wenig gewürdigt. Exemplarisch hierfür ist das ehemals mächtige Flaggschiff ARTEMIS nur noch ein rostiger Museumsraumer.
Gleichzeitig misstraut man den Thoogondu, obwohl man mit ihnen kaum in Kontakt kommt. Man wirft den Eltern vor, die Abhängigkeit vom Gondunat zu ignorieren und sich dem Goldenen Frieden zu ergeben. Dieses Misstrauen geht bis hin zur Aggression.
Da ist es nicht verwunderlich, dass die benannten virtuellen Spiele so beliebt sind, bedienen sie doch sämtliche Bedürfnisse der jungen Gäonen. Sie können Soldat/in spielen, aktiv um Rohstoffe kämpfen und gleichzeitig den Thoogondu als obligatorischen Gegnern kräftig in den Hintern treten.

Man könnte meinen, dass Thomas Rabenstein hier aktuelle Bezüge in seine Geschichte einarbeitet. Der Argwohn gegen unbekannte Fremde, der bis hin zu Gewalt führt, ist ein gegenwärtiges Problem. Meiner Meinung nach sind die aufgeworfenen Prinzipien aber grundlegender Natur.

Junge unzufriedene Menschen sind anfällig für die Einflüsterungen politischer Agitatoren. Ein Feindbild ist leicht zu generieren. Die Konditionierung mittels der Spiele funktioniert auch deshalb so gut, weil deren Inhalt die vorhandenen Empfindungen und Ängste der Jungen bedient.
Eine grundlegende antigondische Geisteshaltung wird durch die virtuellen Spiele verstärkt. Die so beeinflussten Spieler pflanzen diesen Samen auch anderen junge Gäonen ins Gehirn und rekrutieren so wieder neue potentielle Kämpfer.
Als Krenev Sefra zu Beginn der Geschichte in die geheime Spielerwelt einführt, bringt er seiner Schwester in einem Dialog auch seine frustrierte Weltsicht näher. Während Sefra anfänglich noch dagegen argumentieren will, nimmt sie im weiteren Verlauf stärker Krenevs Standpunkt ein.
Die Drahtzieher des Anschlags, die ebenso wie ihre konkreten Motive im Dunkeln bleiben, nutzen den bereits vorhandenen Keim, um mit einer Mischung aus Indoktrination und bewusstseinsverändernden Drogen letztendlich Marionetten-Kämpfer zu erschaffen.

Aufgelöst wird Sefras Ablehnung der Thoogondu dadurch, dass sie Pulanoor kennenlernt. Diese hat die gemeinsame Geschichte der beiden Völker studiert und erkennt dort Licht und Schatten, selbstkritisch auch bei ihrem eigenen Volk. Sie betont eine gemeinsame Zukunft von Thoogondu und Gäonen, die sie anstrebt. Daher sucht die den direkten Kontakt mit Sefra.
Diese erkennt, dass es weitaus mehr Gemeinsamkeiten zwischen ihr und der Tochter des Gondus gibt, als sie bislang wahrgenommen hat. Sie kann den Blickwinkel von Pulanoor nachvollziehen und schämt sich dafür, der eigenen Geschichte und den Lehren daraus so wenig Beachtung geschenkt zu haben.
Als sie ihre Ignoranz und Engstirnigkeit über Bord wirft und Interesse für ihr Gegenüber zeigt, kann sie die Abneigung überwinden.

Rabenstein verdeutlicht hier ein wichtiges Prinzip. Der Blick über den Tellerrand, ein Nachvollziehen der Beweggründe und Perspektive des Gegenüber und schlicht und einfach Kommunikation sind die Zutaten, die es braucht, um Grenzen zu überwinden und Konflikte zu umschiffen.
Und auch diese Eigenschaften können Keime sein, wie man ebenfalls am Beispiel Sefras sehen kann. Ihr Handeln (sie rettet Pulanoor das Leben) wird zum Vorbild für viele junge Gäonen und leitet eine Gedankenwende ein.

Der goldene Frieden – Ein Fazit

Diesen Roman zeichnet aus, dass sich mir diese philosophischen Ebene beim ersten Lesen nicht aufgedrängt hat. Das liegt meiner Meinung nach auch daran, dass fast bis zuletzt in der Schwebe bleibt, ob die ganze Therapie mit der Begegnung mit Pulanoor nicht doch Teil eines virtuellen Spiels ist. Man erwartet einen potentiellen Twist, ist davon abgelenkt, so dass die Moral von der Geschichte quasi unbemerkt einsickert. Außerdem bietet der Roman selbstverständlich profunde Action, das soll hier keinesfalls vergessen werden, und das Lesen macht viel Spaß. Er gibt einen Einblick in die weitere Entwicklung der Menschheit im Orionsland und es ist schön zu lesen, dass sich das Zweite Solare Imperium auf einem guten Weg befindet.



Der goldene Frieden im Film

Ich erzähle spoilerfrei etwas über den Kurzroman von Thomas Rabenstein, der mich tatsächlich ein wenig neugierig auf seine Serie “Nebular” macht.

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Videoplauderei mit Florence

Nach dem Gastbeitrag von Markus Regler habe ich ein wenig mit der Videokamera gespielt und meine Meinung “Florence” festgehalten.

Ich las den ersten der sechs Kurzromane aus der Reihe “Die verlorenen Jahrhunderte” aus der Feder von Christian Montillon und versuchte, ohne Vor- und Abspanngedöns auszukommen. Wenn sich das bewährt, kann ich mir durchaus vorstellen, öfter solche Kurzplaudereien zu veranstalten. Mal schauen.

Jetzt nehme ich mir erstmal Heft 2999 vor und werde mich danach ans Kofferpacken für die Veranstaltung in München zu Band 3000 stürzen.

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Die verlorenen Jahrhunderte – Florence

Die Erwartungshaltung – en gros und en detail:

Dass es zu einem Zeitsprung in der Handlung nach Band 3000 der Erstauflage kommen wird, ist seit längerem bekannt. Wie weit die Handlung in die Zukunft springt, ist derzeit noch Gegenstand von Spekulationen. Die von verantwortlicher Seite gestreuten Hinweise, die bislang bekannten Romantitel nach 3000 sowie die nun begonnene Reihe von digitalen Publikationen lassen viele Gedankenspiele zu. Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich eben Band 2998 gelesen, was die Phantasie nochmals anregt (Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal Kai Hirdt für den tollen Roman!).

Die eben benannte e-book-only-Reihe trägt den Titel „Die verlorenen Jahrhunderte“ und soll den Zeitraum zwischen den Bänden 2999 und 3000 beleuchten.

Damit ist es klar: Jahrhunderte werden augenscheinlich vergehen, bis die Erzählung nach dem Ende des „Genesis“-Zyklus wieder einsetzt. Aber wie groß ist die Lücke nun genau? Dreihundert Jahre? Vierhundert? Tausend?

Die Erde sei nur noch ein Mythos und Perry Rhodan sei nicht mehr bekannt, heißt es. Was bedeutet das? Sind tatsächlich Jahrtausende vergangen oder hat der Weltenbrand die Milchstraßenzivilisationen binnen weniger Jahrhunderte ihrer Geschichte beraubt? Oder haben die mysteriösen Cairaner alles gebrainwashed?

Egal wie groß die zeitliche Lücke zwischen 2999 und 3000 ist, die sechs angekündigten Kurzromane werden kein umfängliches Bild der dortzeitigen Ereignisse liefern.

Die angekündigten Themen der Romane (Florence Hornigold, Zweites Solares Imperium, Gemeni-Zellaktivator-Träger) sind breit gestreut. Ich freue ich darauf, dass diese Facetten des Perryversums etwas tiefer gehend betrachtet werden.
Daher erwarte ich, dass man anhand dieser Personen oder Gruppen etwas über die Entwicklung der Milchstraße in den verlorenen Jahrhunderten offenbart. Möglicherweise werden wichtige Eckpunkte der fiktiven Historie eine Rolle spielen, die aus einem jeweiligen Blickwinkel erzählt werden.

Der Inhalt

An dieser Stelle ergeht eine kurze Spoilerwarnung. Ich werde ein paar Details der Geschichte erwähnen. Wer sich nicht spoilern lassen will, der möge zunächst den Roman lesen.

Die Handlung setzt etwa fünfzig Jahre nach den Abenteuern von Florence Hornigold und Atlan um die Suche nach der Proto-Eiris ein. Florence hat inzwischen drei (anscheinend halbwegs erwachsene) Söhne und ist die Handelskönigin im Sternenring der Lee von Cetus.

Sie hat sich also auch nach Atlan wieder für andere Männer begeistern können. Allerdings geistert der Arkonide nach wie vor durch ihre Gedanken, wie man an der einen oder anderen Stelle bemerkt. Zudem scheint sie die Würze und das Adrenalin zu vermissen, die das Zusammentreffen mit Atlan in ihr Leben gebracht haben.

Über die Situation in der Milchstraße erfährt man nichts. Es existiert bedingt durch die große Entfernung keine Kommunikation. Niemand in Cetus weiß, ob es Atlan gelungen ist, die Katastrophe zu verhindern, wofür er die Eiris benötigte.

Das von ES im Sternenring deponierte und dort verbliebene Silo mit Proto-Eiris hat hingegen einen Riss und sein Inhalt sickert unkontrolliert daraus hervor. Die Auswirkungen werden eindringlich beschrieben. Unbelebte Gegenstände erhalten plötzlich ein Bewusstsein, Psi-Fähigkeiten manifestieren sich oder Lebewesen erleiden körperliche Mutationen.

Auch der Körper von Sano, einem Bürgermeister der Lee, verändert sich in besonders hohem Maße. Das ist darin begründet, dass er versucht die austretende Proto-Eiris und ihre negative Wirkung einzudämmen, wobei er sich häufig in unmittelbarer Nähe des Silos aufhält und regelmäßig eine höhere Dosis Eiris abbekommt.

Andere politische Strömungen sehen die Eiris als Machtmittel , das es sich zu Nutze zu machen gilt. Das will Sano zudem verhindern. Seine Gegner schrecken aber auch vor Gewalt nicht zurück.

Als Florence Zeugin eines Anschlags wird, folgt sie dem Lockruf des erneuten Abenteuers und unterstützt Sano.

Was hat mir gut gefallen?

Die Charakterisierung von Florence Horinigold.

Sie wirkt reifer und weniger nervig, als ich sie am Ende ihres Handlungsstranges in der Erstauflage empfunden habe. Dort war sie mir zu sehr darauf fokussiert, ein Beiboot der RAS TSCHUBAI zu ergattern.

Oft stellt man sich als Leser die Frage, wie das Leben der Nebenfiguren weitergeht, die ein paar Romane lang an der Seite der Unsterblichen in kosmisches Geschehen eintauchen und Abenteuer erleben durften.

Für Florence Hornigold wurde diese Frage nun beantwortet. Dabei muss man konstatieren, in der Zeit nach Atlan führt sie relativ dazu gesehen ein Spießerleben. Sie lernt (zumindest) einen Mann kennen, bekommt Kinder, zieht sie auf, erlebt deren Pubertät (die mit Auszug endet) und baut erfolgreich ihr Handelsgeschäft aus.

Das ist auch nicht anders zu erwarten. Kaum ein Wesen kommt überhaupt einmal in den Genuss, mit der Unsterblichen-Riege agieren zu können. Und das ist für die Betroffenen sicherlich ein mehr oder weniger singuläres Ereignis. Danach geht das Leben weiter, mehr oder weniger wie es vorher war. Im Rahmen dessen verleiht ihr Christian Montillon jedoch Charakter. Sie steht mit beiden Beinen im Leben, hat sich zur Handelskönigin gekrönt, was sie dadurch unterstreicht, dass sie den Kommandanten-Sessel ihres Raumschiffs als Thron ausstaffiert. Auch die von Atlan erhaltene Space-Jet scheint sie in erster Linie für entspannende Ausflüge und nicht als Machtmittel zu benutzen.
Und dennoch ist Florence angefixt von den Erlebnissen mit dem Arkoniden. Sie sehnt sich nach neuen Abenteuern und Aufregung, die ihr das Alltagsgeschäft nicht bieten kann.
Sie bezeichnet sich als den „personifizierten Leichtsinn“. Möglicherweise drückt sich darin auch eine Risikobereitschaft auf der Suche nach dem nächsten Kick aus.

Am Ende kann sie ein neues abenteuerliches Kapitel in ihrem Leben aufschlagen. Ein schöner Abschluss für die Figur, die neue Facetten erhalten hat und die ich aber definitiv gerne wiederlesen würde.

Die Milchstraße?

Was erfahren wir zum politischen/kosmischen Geschehen während der verlorenen Jahrhunderte? Eigentlich nichts.

Informationen aus der Milchstraße liegen bedingt durch die große Entfernung nicht vor.

Lediglich die Eiris und was sie bewirken kann, lassen einige Spekulationen zu. Die unspezifischen, teils zerstörerischen Wirkungen auf belebte und unbelebte Gegenstände deuten an, dass es sich um eine nicht ungefährliche Substanz handelt. Proto-Eiris ist – wie wir wissen – nicht programmiert, keinem Zweck zugeführt und agiert folglich völlig unkontrolliert.

Da möchte man nur hoffen, dass die geplante Programmierung in der Milchstraße nicht schiefgeht. Man stelle sich vor, unprogrammierte Eiris flutet die Lokale Gruppe. Nicht gut.

Wurden meine Erwartungen erfüllt?

Nicht vollständig.

Ein Einblick in die Verhältnisse innerhalb der Milchstraße ergibt sich nicht. Ehrlich gesagt ist das auch sinnvoll, denn schließlich liegt Band 3000 noch vor uns und eine rückblickende Betrachtung mit zu vielen Details würde die Spannung nehmen.

Dafür konnte man Florence Hornigold als Hauptfigur und ihren weiteren Werdegang erleben. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Man hat die Gelegenheit genutzt, die Figur noch einmal zu vertiefen und ihr gleichzeitig ein passendes Finale gewährt.

Alles in allem ein schöner Roman, bei dem auch die Action nicht zu kurz kam – und der Hoffnung auf mehr macht!

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