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von Einem, der auszog, um 3000 Perry-Rhodan-Romane zu lesen

Schlagwort: Rezension (Seite 2 von 2)

Staffelrückblick – Das galaktische Rätsel

Eine Rezension der dritten Staffel von Perry Rhodan NEO

Perry Rhodan NEO hat sich mittlerweile einen festen Platz auf meinem Heftehaufen erobert. Obschon ich die Taschenhefte nicht mit dem akribischen Eifer lese, welchen ich den Heftromanen der Erstausgabe zukommen lasse, bin ich doch mittlerweile am Ende der dritten Staffel angelangt – am Ende einer Staffel, die mich ratlos hinterlässt.

Was steht drin?

Perry Rhodan wird nicht zum Administrator gewählt und hat auch keinen Bock, unsterblich zu werden. Dazwischen liegt Horror mit Zeitmaschinen. Wer es objektiver möchte, konsultiere bitte die Perrypedia.

Was hat mir an dieser Staffel nicht gefallen?

Im Grunde schreibe ich ungern über Dinge, die ich doof finde; gemeckert wird schließlich genug. Das heißt im Gegenzug aber nicht, dass ich alles gut finde, was ich lese, und so ein Zyklusrückblick gehört ja schon auch zu den Heftehaufen-Routinen. In diesem Sinne, los gehts:

Der Anfangsband “Der Administrator” von Frank Borsch ließ sich noch ganz gut an. Der Kniff, dass der Titel sich eben nicht auf Rhodan bezieht, gefällt mir immer noch. Aha, dachte ich, hier bietet sich eine Chance, die Tücken des Originals hinter sich zu lassen, Rhodan nicht als Superhelden dastehen zu lassen, der alles macht, alles kann und total super toll ist. Rhodan darf in der Galaxis rumfliegen, ohne gleich mal nebenbei noch die ganze Erde retten zu müssen.

Weit gefehlt. Leider kann man auch Elfmeter ohne Torwart verschießen.

Denn was folgte, war eine nahezu exakte Kopie der Originalsuche nach Wanderer – nur noch schlimmer. Mithilfe eines Zeitmaschinchens, hier schlicht Transmitter genannt, eiern Rhodan und seine Getreuen durch Raum und Zeit. Und wer den Heftehaufen kennt, weiß, wie hochgradig allergisch der Heftehaufen auf Zeitreisen reagiert, ja wie hochgradig abgeneigt der Heftehaufen Geräten wie dem Nullzeitdeformator gegenüber ist. Da hilft auch ein neuer Name nichts. Vor allem war die Zeitodyssee im Falle der NEO-Wanderersuche komplett unnötig, Schlacht um Atlantis hin, Imperator da Gonozal her.

Und statt die Sache wenigstens halbwegs spannend zu gestalten, folgt die ganze Reise auch noch der Dramaturgie, die mir schon damals in den Ebenen der Hohlwelt Horror das Lesevergnügen ordentlich verleidet hat. Statt der Ebene der Woche oder dem Alien der Woche, serviert uns die dritte NEO-Staffel eben die Zeitepoche der Woche. Bäämmmm!

Der Kniff mit Tramp hat’s da auch nicht wirklich rausgerissen. Ach ich reg mich schon wieder viel zu sehr auf …

Was hat mir an dieser Staffel gut gefallen?

Keine Rezension ohne positive Eindrücke! Menschen, auf deren NEO-Urteil ich vertraue, haben mir glaubhaft versichert, dass der Tiefpunkt nun durchschritten sei. Das, und die Lektüre des Folgebandes aus der Staffel “Vorstoß nach Arkon” lassen mich hoffen.

Außerdem scheint es ja nun so, dass mein persönlicher NEO-Bann gebrochen ist, und ich wirklich dran bleibe. Das ist doch auch was Schönes.

Fazit

“Das galaktische Rätsel” ist mir zu sehr Kopie der Erstausgabe, als dass beim Lesen wirklich Freude aufgekommen wäre. Aber schließlich gab es auch in der Erstauflage schon Zyklen, mit denen ich so gar nicht warm geworden bin. Also: durchatmen, weiterlesen! Ad Astra.

Dorgon im Taschenbuch

Willkommen in einer neuen Welt

Dorgon, die größte Fanserie zu größten Science Fiction Serie der Welt erscheint seit dem Jahr 1999 in elektronischer Form und verschiedenen Überarbeitungen. Im Sommer 2018 habe ich mich ja schon durch den ersten Zyklus gelesen und ein wenig berichtet. Bei der Lektüre bin ich oft über den Stil einer typischen Fanpublikation gestolpert. Mit Nils Hirseland, Gründer, Expokrat und Autor von DORGON habe ich daher über die Änderungen der Originaltexte für die Taschenbuchausgaben gesprochen und bin sehr neugierig geworden. Beim letzen ColoniaCon war es dann soweit, ich besorgte mir mit den Bänden 1 und 9 den Anfang der Serie und den Beginn des aktuellen Zyklus.

Schon rein optisch machen die Taschenbücher echt was her. Der Rücken in mattem Schwarz mit roten Titelschriftzug, dazu Cover, die von verschiedenen Zeichnern für die Serie geschaffen wurden. Band 9, lektoriert und gestaltet von Alexandra Trinley und René Spreer, kommt extra aufwändig daher, indem im Innenteil eine ganze Reihe von Farbabbildungen eingefügt sind. Das sieht extrem wertig aus, nicht nur für eine Fanpublikation.

Der Text, im ersten Band noch moderat überarbeitet, kommt im neunten Band in völlig neuem Gewand daher. Eine tolle Leistung von Autoren und Lektorin gleichermaßen. So macht DORGON richtig Spaß zu Lesen und sieht im Bücherregal auch noch verdammt gut aus. Es wird Zeit für den nächsten Con, um noch ein bisschen DORGON anzuschaffen. Wer so lange nicht warten will, darf sich gern im Onlineshop der PRFZ bedienen.

Gelesen: Das schwarze Schiff SciFi-Horror vom Raketeningenieur

Eine der häufigsten Fragen in der letzten Zeit lautet: “Wie schaffst du es, täglich ein Perry-Rhodan-Heft zu lesen, ohne bekloppt zu werden?”

Phillip P. Peterson (Foto: Peterson)

Die Antwort liegt auf der Hand: Spaß an der Sache und regelmäßige Lektüre komplett anderer Bücher. Der letzte Beklopptheitsverhinderer dieser Art war “Das schwarze Schiff” von Phillip P. Peterson. Ein Rezensionsexemplar wurde mir vom Autor freundlicherweise kostenlos als eBook zur Verfügung gestellt.

Phillip P. Peterson ist das Pseudonym eines Autors, der in der Nähe von Bonn lebt.

Bevor er sich ab 2014 als freiberuflicher Schriftsteller ganz seinen Romanen widmete, war er beim DLR im Management für Erdbeobachtungssysteme tätig.

Worum geht es?

Die Menschheit hat sich in einer fernen Zukunft über mehrere Planetensysteme ausgebreitet und leider immer noch nichts besseres zu tun, als sich gegenseitig zu bekriegen. Die Besatzung eines interstellaren Bombers strandet nach einer so gerade eben überlebten Mission im leeren Raum, als ein mächtiges Raumschiff als scheinbarer Rettungsanker auftaucht. Die Gestrandeten bekommen luxuriöse Kabinen und beste Verpflegung gestellt.

Doch was paradiesisch beginnt, wandelt sich schnell zu einem Alptraum, in dem hinter jedem Schott tödliche Gefahren lauern.

Was hat mir gut gefallen?

Schon die Lektüre von Paradox hat gezeigt, dass niemand bei einem Peterson-Roman sicher ist; am allerwenigsten der Leser. Was beginnt wie knallharte military science fiction, wandelt sich schnell in eine Art Robinsonade im Weltraum, die schön langsam in ein fürchterliches Horrorszenario übergeht. Und gerade, wenn man es sich im Horror so schön bequem gemacht hat, überschlägt sich der Plot mehrfach und rasantestens. Nichts ist so, wie es scheint, und drei Seiten weiter ist wieder alles anders. Sehr fein!

Peterson weiß, die Beklemmung und Finsternis auf dem geheimnisvollen Raumschiff spannend zu inszenieren, und die Schrullen des Bordcomputers nicht ins Komische gleiten zu lassen. Jede Antwort, die das mächtige Schiff gibt, wirft nur neue Fragen auf – sowohl beim Expeditionskommando, als auch beim Leser. Spannend!

Sehr gut gefallen hat mir die technische Komponente, die gerade zu Beginn des Romans, vor dem Auftauchen des schwarzen Schiffes eine große Rolle spielt. Hier spürt man als Leser, das Peterson in seinem ersten Leben Raketenwissenschaftler war.  Seit Babylon 5 habe ich nicht mehr so schöne Flugmanöver im Weltraum gesehen. Klasse!

Was hat meinen Lesefluss gebremst?

Sprache lebt. Sie wandelt sich. Und das ist, um Klaus Wowereit zu paraphrasieren, auch gut so. Bei zwei Sachen bin ich allerdings pienzig:

1) Es heißt Pampelmuse und nicht Grapefruit.

2) Sinn ergibt sich.

Das Erste ist mein privat-persönlicher Spleen, aber gemachter Sinn ist grottenverkehrt. Pampelmusen rollen leider nicht durch das schwarze Schiff, aber die doch recht häufig auftauchende Sinnmanufaktur hätte im Lektorat auffallen müssen.

Kann ich das Buch weiterempfehlen?

Unbedingt! Alien, Pandorum, Arthur C. Clarke, Heinlein, Dan Simmons, Hieronymus Bosch … die Liste der Beteiligten in meinem Kopfkino ist lang. Phillip P. Petersons “Das Schwarze Schiff” ist düstere Science Fiction, die einfach Spaß macht zu lesen. Technisch fundiert und fantastisch zugleich erzählt, reißt das schwarze Schiff seine Leser mit und bietet schauderhaft gute Unterhaltung.

Wo bekomme ich das Buch?

“Das Schwarze Schiff” – © 99designs

Das Schwarze Schiff (Taschenbuch, 472 S.) ist ab sofort beim Buchhändler Ihres Vertrauens unter der ISBN 978-3-7481-2889-2 erhältlich.

Das Hörbuch wird vermutlich Anfang 2019 bei Audible erscheinen.

Gelesen: Koshkin und die Kommunisten aus dem Kosmos Ein Gastbeitrag von Markus Regler

Ben Calvin Hary hat mit ” Koshkin und die Kommunisten aus dem Kosmos” seinen ersten „großen“ Roman vorgelegt. Nachdem ich seine Lesung auf dem GarchingCon 2018 besucht hatte, war ich sehr erwartungsvoll. Dort hatte er das erste Kapitel gelesen und die Grundidee der Geschichte sowie die Hauptfigur machten Lust auf mehr. Dank des Besuchs einer weiteren Lesung im Rahmen des ColoniaCon hatte ich beim Selberlesen endgültig ständig den russischen Akzent des Boris Koshkin im Ohr.

Ben Calvin Hary präsentiert kosmische Kommunisten

Inhalt:

Die Geschichte beginnt im Jahr 1957. Der Sputnik-Schock erschüttert die USA und Boris Koshkin, ein russischer Überläufer, fürchtet um seine Daseinsberechtigung in Amerika, weil er seine Nützlichkeit verloren hat, wie er selbst denkt. Daher lässt er sich in aller Öffentlichkeit von seinem ausgeprägten Ego hinreißen und prahlt damit, einen Sternenantrieb erfunden zu haben, der nur noch gebaut werden müsse.
Unter Mithilfe seines Schwiegersohns in spe, Geoffrey Miller, der trotz Ingenieursdiplom nicht der allerhellste Stern am Himmel zu sein scheint, macht er sich daran eine Rakete zu bauen, die in wenigen Tagen einmal zum Jupiter und zurück rasen soll. Das Problem ist nur: ein solches Triebwerk existiert nicht.

Inzwischen haben Aliens, die sich auf Horchposten im Sonnensystem befinden, von Koshkins neuem Sternenantrieb erfahren. Dieser ist scheinbar besser als der technische Standard in der Milchstraße, so dass die Außerirdischen sich ihn unter den Nagel reißen wollen. Sie erhoffen sich davon einen technischen Vorsprung in einem in der Galaxis schwelenden Konflikt. Also entführen sie Koshkin samt seiner Tochter Natasha, Geoffrey und der Rakete. Auch Koshkins Nachbar Saizew kommt als Beifang mit.

An Bord des fremden Raumschiffes entpuppen sich die Außerirdischen, die sich Mokkosshin nennen, als bananoide Lebensform, die zudem in einer kommunistischen Gesellschaft leben. Nun droht Koshkins Schwindel aufzufliegen und die Mokkosshin wollen den neuen Antrieb um jeden Preis haben.

Was als leicht skurrile Geschichte startet, entpuppt daher sich im Handlungsverlauf immer mehr als Kampf um Leben und Tod für die Protagonisten.

Mein Eindruck:

Ich möchte die Besprechung mit einem persönlichen Glanzpunkt beginnen: Das Titelbild.
Es stammt von Arndt Drechsler und ich bin begeistert davon!
Es zeigt in Blautönen gehalten ein Raumschiff der Mokkosshin über der Erde. Zwar wurde auf dem ColoniaCon von einem Bekannten bemängelt, dass es schon zu viele Cover mit einem Raumschiff vor einem Planeten gäbe. Das mag sein, ist mir aber in diesem Fall total egal. Ich finde das Bild hervorragend und hoffe auf eine Posterausgabe zum Aufhängen im Wohnzimmer!

Besonders seine Hauptfigur Koshkin hat Hary mit hohem Wiedererkennungswert ausgestattet. Getrieben von seinem Ego und Narzissmus wandelt Koshkin zumeist zwischen Genie und Wahnsinn. Mehr als einmal vermutete ich, dass er eigentlich einfach nur verrückt ist. Dabei ist er eigentlich eine tragische Figur, die um Anerkennung ringt.
Geoffrey ist ein liebenswertes Dummerchen, dessen Charakterisierung ich nicht in Gänze nachvollziehen kann. Einerseits ist er studierter Ingenieur, was auf einen überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten schließen lässt, andererseits wirkt er an der einen oder anderen Stelle einfach nur dümmlich, was nicht zu seiner Ausbildung passt. Er hat im Laufe der Geschichte viel zu erleiden, so dass man ihn als Leser am liebsten in den Arm nehmen möchte.
Das tut aber bereits Natasha Koshkin. Eine intelligente und toughe junge Frau, die als Physikstudentin in die Fußstapfen ihres Vaters tritt. Sie lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen und steht ihre Frau im Kampf gegen ihre Entführer. Eine Frauenfigur, wie man sie in der Handlungszeit nicht unbedingt erwarten würde, aber auch und gerade deswegen bildet sie einen schönen Kontrast zu Koshkin und Geoffrey.

Die Bananen-Aliens werden mit viel Tiefe geschildert. Obwohl wenig Platz für die Beschreibung der Lebenswirklichkeit der Mokkosshin vorhanden ist, schafft es Hary, die wesentlichen Charakterzüge ihrer Kultur hervorzuheben. Die Gesellschaftsstruktur wird dabei ebenso angerissen, wie Anatomie und Fortpflanzung der Außerirdischen. Auf dieser Basis wird auch die Motivation einzelner Alien-Figuren sehr gut nachvollziehbar gemacht. Man merkt, dass in dieses Volk von Bananenwesen eine Menge von Harys Herzblut und Hirnschmalz geflossen ist.
Für mich ein Highlight des Romans!

Wie schon angesprochen fand ich die Grundidee des Romans bereits im Teaser sehr ansprechend und wurde auch vom Rest des Buches nicht enttäuscht. Die Handlung entwickelt sich stringent und ich habe beim Lesen keine Längen empfunden. Mit einigen Wendungen bewegt sich die Geschichte auf ein spitzes Ende zu und ist dabei nicht frei von Überraschungen.
Auch sprachlich bewegt sich der Roman auf hohem Niveau und immer wieder offenbart Hary dabei einen mir sehr sympathischen Humor.
Anfangs ist die Geschichte von dieser humorigen Darstellung geprägt. Zum Ende hin bekommt sie aber einen Schuss Ernsthaftigkeit, die in hartem Kontrast zu den anfänglichen oftmals skurrilen Szenen steht. Hier hatte ich den Eindruck, dass Hary ein wenig über das Ziel hinausgeschossen ist. Ein klein bisschen weniger, wäre wohl mehr gewesen.

Wenn ich weitere Meckerpunkte nennen müsste, dann wären das der bereits angesprochene dümmliche Geoffrey und die eine oder andere physikalisch-technische Ungenauigkeit. Aber das alles ist Jammern auf hohem Niveau und tut dem Lesevergnügen keinesfalls einen Abbruch.

Mir hat der Roman unglaublich viel Spaß gemacht. Er war erfrischend, er war spannend und er hat mich gepackt. Ich wollte ihn nicht mehr aus der Hand legen.
Was will man mehr?

Lieber Ben, ich freue mich auf die Fortsetzung, die sich – wenn man Hinweisen in sozialen Netzwerken glauben darf – bereits in der Entstehung befindet. Ich drücke – nicht ohne Eigennutz – die Daumen, dass es bis zum fertigen Roman nicht wieder sechs Jahre dauert!

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