Mastodon

von Einem, der auszog, um 3000 Perry-Rhodan-Romane zu lesen

Kategorie: Empfehlungen (Seite 12 von 13)

Ab und zu lese ich Dinge, die ich so gut finde, dass ich sie gern weiterempfehle. Manchmal muss ich auch einfach nur ein paar Gedankensplitter festhalten. Das landet alles hier.

Nur ein paar Gedanken zum Andromedings

Ich hab mir in den letzten Tage ein paar Gedanken gemacht. Kann sein,
dass die wirr sind, aber ich schreib sie trotzdem mal auf. Mal schauen,
wie ich in sieben Jahren darüber denke, wenn ich zurückblicke.

Ich lese ja gerade zum ersten Mal den Zyklus um die “Meister der Insel”. Schon als ich 2011 in Mannheim so richtig mit der Perry Rhodan Serie in Berührung kam, war der einhellige Tenor unter den Fans: “Das ist der BESTE Zyklus aller Zeiten.” Dicht gefolgt von: “Danach ging es bergab.”
Da ich ja zu den Spätinfizierten gehöre und damals völlig fasziniert war, welche Welt sich mir mit dem Perryversum auftat, war für mich nur schwer zu glauben, dass etwas noch besser sein könnte, als der damals aktuelle Zyklus.

Höre ich mich heute um, gibt es immer noch Stimmen, die nichts auf MdI kommen lassen, wobei sich in diesen Chor auch immer mehr Töne mischen, die da lauten: “Also, so würde man das heute nicht mehr schreiben. Die Dramaturgie ist so vorhersehbar. Der Gegner kommt so unangekündigt. Der Stil ist hölzern.” undsoweiter, undsoweiter …

Ja, was denn jetzt?

Das Schöne am Heftehaufenblog ist ja für mich, die Diskussion mit anderen Fans. (Von der Meinung, das hier sei ein reines Lesetagebuch, bin ich glaube ich schon Ende Januar abgerückt 😉 Das ist es zwar auch immer noch, aber ich liebe den Austausch mit anderen Lesern und Sammlern in den Kommentaren, auf Twitter oder Facebook. Einfach mal “Danke” an dieser Stelle.)

Jedenfalls, Meister der Insel, Kommentare. Gedanken ….

Was ist eigentlich das Maß für “Gut”?

Ich betrachte den MdI-Zyklus aus zwei Richtungen. Von vorne und von hinten, sozusagen.
Lese ich den Meister der Insel Zyklus ausschließlich vor dem Hintergrund der ersten 200 Perry-Rhodan-Romane, so bleibt gar keine Wahl, als das Ding großartig zu finden.
Zum ersten Mal gibt es keine Nummernrevue mehr, keine parallelen Handlungsstränge, die fast berührungslos nebeneinander herlaufen. Perry und seine Kumpels springen nicht mehr planlos von hier nach da und wieder zurück. Alles baut aufeinander auf, mit dem klaren Ziel, die Meister der Insel, und damit das Böse schlechthin zu finden. Dabei werden geschickt alte Fäden (die Sache mit den Posbis z.B.) aufgegriffen, mit neuem Garn versponnen. Für die körperliche Ähnlichkeit von Arkoniden und Menschen wird eine spannende Erklärung geboten (Ich hasse Zeitreisen …) – alles folgt einem Plan über einhundert Hefte.
Das ist neu, das gab es noch nicht, das ist großartig.

Nun habe ich aber, um Helmut Kohl zu paraphrasieren, das Pech der späten Geburt. Meine Expokraten sind Uwe Anton, Christian Montillon und Vim Vandeman – versierte Geschichtenerzähler, in Wolle gefärbte Perrykenner und große Träumer, die wissen, wie man eine moderne Dramaturgie aufzieht. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, habe ich 2011 dabei gesessen, als Frank Borsch den Fans Perry Rhodan Neo nahebrachte, eine Serie, die alte Namen nimmt und einen komplett anderen, moderneren Ansatz fährt und viel mehr auf die einzelnen Personen fokussiert. Ich las “Vision Terrania” und aus dem Holzschnitt Pery Rhodan der 60er wurde ein lebendiges Bild.
Vor diesem Hintergrund müsste ich eigentlich sagen: “Geh mir fort mit dem alten Zeug. Das ist hölzern, das ist platt, das ist vorhersehbar.”

Doch halt!

Würde ich vor dem Hintergrund meiner Lesesozialisation die Altmeister der Insel in Bausch und Bogen verdammen, würde ich zwei wesentliche Faktoren übersehen: die Patina und die Alterung.

Ich erinnere mich, als Kind, die “Dreibeinigen Herrscher” gesehen zu haben. Diese BBC-Serie mit den bedrohlichen Monstern, die die Menschheit unterdrückt. Keine Folge durfte ich da verpassen.
Auch, als ich die Serie vor zwei Jahren noch einmal neu geschaut habe, war ich gebannt, hatte Szenen von früher vor Augen und musste beide Staffeln so schnell wie möglich anschauen, weil die alte Faszination wieder da war.
Und dann habe ich einen entscheidenden Fehler gemacht. Ich habe das Medium gewechselt und die Romanvorlage von John Christopher gelesen, was ich als Kind nicht getan habe. Und was soll ich sagen, es war eine Katastrophe.
Bei Licht betrachtet fand ich die vierbändige Trilogie um die dreibeinigen Herrscher ziemlichen Unfug, durchweg schlechte Science Fiction und nur in Maßen zu ertragen.
Ich habe lange nachgedacht, wo der Unterschied lag, bis mir klar wurde, dass mir für das Buch jedwede wohlwollende Erinnerung fehlt. Im Gegensatz zur Fernsehserie hatte sich über das Buch für mich keine Patina aus Faszination und Erinnerungen gelegt.
Ähnlich geht es mir mit den alten ???-Hörspielen und Büchern. Dramaturgisch mag der Band 100 “Toteninsel” aus der großen Detektivserie ja tausendmal besser sein, als etwa der “Superpapagei”, aber ich habe eben dem dicken Mister Claudius beim Einschlafen zugehört. Und unter einer dicken Schicht aus Nostalgie tu ich das immer noch.
Nur leider fehlt mir dieser Patina-Faktor bei den Inselmeistern wegen meines verspäteten Einstieges. Dennoch glaube ich, könnte hier ein Grund für die ungebrochene Beliebtheit dieses Zyklus liegen.

Der zweite, vermutlich etwas weniger subjektive Faktor, ist die Alterung eines Werkes.
Letztens habe ich zum allerersten Mal den ersten Terminator-Film gesehen. (Schande über mich, dass es nicht schon eher war.) Dieser Film aus dem Jahr 1984 ist derartig zeitlos groß, dass es völlig egal ist, ob er nicht in zeitgemäßem Tempo oder mit schlimmen optischen Effekten daherkommt. Der Film war damals gut, und zwar so gut, dass er auch nach 30 Jahren noch gut ist. Ähnliches gilt meiner Meinung nach für “Der Pate” und Picards Enterprise (mit Ausnahme der Kinofilme).

Und vor diesem Hintergrund, dem Hintergrund der guten Alterung, kann ich nicht anders, als vor den Meistern der Insel meinen Hut zu ziehen. Mag manches noch so vorhersehbar, manches noch so hölzern sein, das was K.H. Scheer und die damaligen Autoren in diesem Zyklus geschaffen haben, ist einfach auch nach 50 Jahren noch verdammt gute Science Fiction.

So, und jetzt bitte, Diskussion frei. Sind die Meister der beste Zyklus aller Zeiten? Habe ich kompletten Murks geschrieben? Waren die Meister noch nie der beste Zyklus, sind die Atopen viel cooler?
Ich freue mich auf zahlreiche Kommentare hier und drüben bei FB und Twitter.

Andromedings – Eine Rückschau am offenen Hefte – Teil 4

Ich schiebe das nächste Andromedings einfach jetzt schon hinterher, weil ich schwer begeistert bin von dem, was ich da zu lesen bekomme.

Achtung, der Abschnitt über den Neo-Roman 156 enthält einen Spoiler.

Im klassischen Zyklus “Meister der Insel erfreuten mich:

251 – Die Armee der Biospalter
252 – Die Welt der Regenerierten
253 -Vorstoß in die Dunkelwolke
254 – Die Geistersonne
255 – Sperrzone in Andromeda
256 – Im Reich der Zentrumswächter
257 – Der Dreitöter
258 – Die Mikro-Henker
259 – Der unheimliche Roboter
260 – Gespenster der Vergangenheit
261 – Die Fabrik des Teufels
262 – Der Meisterplan

In der Neo-Staffel “Die zweite Insel” begeisterte mich Oliver Plaschka mit:

156 – Die Schmiede des Meisters

Fangen wir mit den Klassikern an. Nach einem eher zähen Anfang und einer Reihe langweiliger Füllhefte in den 240ern, geht in Andromeda endlich die Post ab. Band 250 ist mir mit seiner großartigen Landeszene immer noch bestens in Erinnerung, obschon sich mir immer noch nicht die Notwendigkeit erschließen will, solchen einen Koloss auf einem Planeten zu landen. Aber das scheint im Perryversum kein Problem zu sein. Ich nehm das einfach mal hin. Nach einer kurzen Unterbrechung bei Whisky und Dinosauriern in 251 und 252, entführte mich jedes Heft in eine neue phantastische Welt. Kalak ist großartig und diese Pflanzenwesen … ein Traum.
All diesen Phantastereien bieten Scheersche Kracherei und Mahrsche Spionageabenteuer einen tollen Kontrast. Herrlich!
Für mich fühlt sich die Serie an, wie in den Anfangsbänden. Nur gibt es noch mehr Sense of Wonder (Die Landung der Crest III … ich will einen Film …) und im Gegensatz zur Nummernrevue der ersten 50 Bände folgt hier alles einem großen Plan, der Stück für Stück enthüllt wird.
Schön. Sehr schön.
Dass die Dramaturgie dabei im Wesentlichen vorhersehbar ist – geschenkt. Andere Zeiten, andere Sitten.

Was mich umgehauen hat, war der aktuelle Neo-Roman mit der Bandnummer 156.
K.H. Scheer nannte den “Meister-der-Insel” Zyklus einmal ein Symptom seiner Zeit. Und genau das ist auch “Die Schmiede des Meisters” von Oliver Plaschka. Auf einem fernen Planeten muss Perry Rhodan einer öffentlichen Hinrichtung bewohnen. Die Schuld der Todeskandidatin besteht lediglich darin, für ihre Freiheit und gegen Unterdrückung eingetreten zu sein. Das ist realistisch, das ist erschreckend und das ist großartig geschrieben. Das ist Science Fiction, wie ich sie mag, als gnadenloser Spiegel der Gesellschaft.
Außerdem werden immer mehr Machenschaften der Thetiser aufgedeckt, ein Meister der Insel taucht auf, und – Parallele zum klassischen Zyklus – er scheint die Terraner und besonders Perry Rhodan zu kennen.

“Die Schmiede des Meisters” bringt endlich wieder das, was mich in der ersten Neo-Staffel so fasziniert hat: Ein aktuelles Szenario wird nur wenig in die Zukunft transformiert und so zu einer Vision, was uns im Schreckensfalle blühen könnte.
Ja klar, das ist eine Dystopie, das ist nicht schön, nicht angenehm zu lesen, aber es ist die literarische Bearbeitung eines aktuellen und relevanten Themas. Für mich bildet Band 156 bis jetzt den Höhepunkt der Staffel um “Die zweite Insel”. So darf das gern weitergehen. Wenn jetzt noch, wie auf der Phantastika angekündigt, einige lose Enden miteinander verknüpft werden, wird diese Staffel sehr, sehr schön. Ich freu mich jedenfalls auf den Rest.

Tellerrandlesen – Feuer der Leere

Die Phantastika wirkt bei mir auf sehr vielen Ebenen immer noch nach. Neben wunderbaren Erinnerungen und sich andeutenden Folgeerscheinungen schlummert immer noch ein Stapel ungelesener Bücher, auf dem zuoberst bis gestern noch “Feuer der Leere” von Robert Corvus lag.

Volker hatte mir das Buch schon länger ans Herz gelegt, und so war es kein Wunder, dass wir in Oberhausen gemeinsam die entsprechende Lesung besuchten, nachdem ich das Buch erworben hatte. (Was bitte gleich klarmacht: Ich habe kein Rezensionsexemplar erhalten und bekomme auch sonst keinerlei Zuwendung, Aufwandsentschädigung oder sonst einen Vorteil für die folgenden Zeilen.)

Wohlan, so lasset uns denn beginnen!

Bernd Robker, aka Robert Corvus erzählte und las auf der Phantastika 2017 aus Feuer der Leere

Worum geht es?

Die Erde ist zerstört. Eine Million Menschen konnte sich auf dreißig Großraumschiffe retten und durchstreift fortan die Leere des Alls. Mit dabei sind eine Kampfpilotin, ihr Bruder, Exsoldat und mittlerweile Farmer sowie ein junger Priester. Natürlich darf auch die Bedrohung durch eine verfeindete Kultur nicht fehlen. Die eigentlichen Stars des Romans sind allerdings die dreißig Raumschiffe, von denen neunundzwanzig menschengemacht sind. Ein Raumschiff, die Squid, wurde geboren, ist also ein Lebewesen, das die Menschen in sich aufgenommen hat.
Auf den dreißig Schiffen haben sich dreißig völlig unterschiedliche Gesellschaftsformen und Weltanschauungen entwickelt, wobei jede Gesellschaft von den anderen neunundzwanzig mehr oder weniger toleriert wird. (Mit einer Ausnahme, aber das könnt ihr bitte selber nachlesen …)
Die eigentliche Handlung wäre, wenn ich es denn tun wollte, schnell zusammengefasst, und gerade im mittleren Drittel bewegt sich vordergründig so wenig, dass ich die titelgebende Leere geradezu spüren konnte. Anstelle wüster Abenteuer und wilder Raumschlachten erwarten den Leser, mal abgesehen von einem atemberaubenden Anfang, faszinierende gesellschaftliche Experimente, fremde Religionen und die Frage nach dem Wesen des Menschen.
Das Feuer entflammt dann im letzten Drittel, als die Squid sich entschließt … ach was, lest selber ;))

Wie hat es mir gefallen?

Ich habe Feuer der Leere parallel zu einigen Heften des klassischen “Meister der Insel” Zyklus gelesen, in denen es auf 64 Seite nur so kracht und scheppert. Feuer der Leere war da eine hochwillkommene Abwechslung, in der ich es genossen habe, Robert Corvus in sein Universum der Leere zu folgen. Obwohl ich sonst kein großer Freund von Klappentexten bin, gebe ich Klaus N. Frick recht, der sich dort fragt, “von welchen Welten der Mann träumt”.
Mir hat am besten gefallen, dass der Autor es schafft, philosophisch und religiös relevante Themen mit einer streng wissenschaftlichen Basis zu erzählen. Ausgehend von der Physik werden Lebensumstände für Gesellschaften entworfen und die sich daraus ergebenden Konflikte geschildert. Das ist nicht immer leicht zu lesen, aber durchweg faszinierend.
Zu meiner großen Freude hat Robert Corvus auf Twitter kürzlich angekündigt, das Manuskript zu einem Nachfolgeband vollendet zu haben, der für den März 2018 geplant ist. Teile meines Literaturbudgets für den März 2018 sind also auch schon verplant.

Mein Exemplar von Feuer der Leere trägt diese schöne Widmung


Kann ich das Buch empfehlen?

Wer auf die Bildgewalt eines Peter F. Hamilton im Armageddonzyklus, die sprühende Fantasie eines David Brin oder Ian Banks und die Langsamkeit der Endymiongesänge steht, der sollte unbedingt zu Feuer der Leere greifen. Unbedingtestens, wenn nicht sogar allerunbedingtestens!
Freunde des schnellen Raumschiffkicks werden das Werk eher befremdlich und lang finden.

Die Details:  

Titel: Feuer der Leere
Autor: Robert Corvus
Erscheinungsjahr: 2017
Umfang: 495 Seiten
Piper Verlag
Preis: 16,99 € (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-492-70439-7

Und sonst so?

Feuer der Leere ist ein Papego-Buch. Wer sich die kostenlose App für iOS oder Android aufs Handy lädt, kann eine Seite scannen und erhält die nächsten ca. 100 Seiten auf sein mobiles Endgerät gespielt. Das ist kein echter Ersatz für ein ebook, hilft aber immer dann, wenn man mal gerade keinen Papierziegelstein in der Jackentasche mitnehmen will.


Noch was?

Robert Corvus erzählt in seinem Youtube-Kanal selber etwas zu Feuer der Leere

Dieses Video auf YouTube ansehen.
Mit Abspielen des Videos stimmen sie einer Übertragung von Daten an YouTube zu. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.

Die Ankündigungen zum Imagoprojekt geben einen kleinen Eindruck davon, wie wissenschaftlich fundiert die Welten in Feuer der Leere sind.

Dieses Video auf YouTube ansehen.
Mit Abspielen des Videos stimmen sie einer Übertragung von Daten an YouTube zu. Bitte beachten Sie die Datenschutzerklärung.

Andromedings – Eine Rückschau am offenen Hefte – Teil 3

Ausnahmeraumfahrer bekommt eine sagenhafte Rakete, fliegt boldly dahin where no one has  geflogen before, trifft dort komische Typen, schaut sich ein wenig um und schließt anschließend einen Vertrag mit den komischen Typen.

Das klingt ein wenig nach Unternehmen Stardust, das heute genau vor 56 Jahren im Handel erschien, passt aber genauso gut auch als saloppe Beschreibung auf Band 250 der größten Raketenheftchenserie aller Zeiten.
Mit “Die 6. Epoche” lies Karl Herbert Scheer seine Helden knapp fünf Jahre später, am 16.06.1966 endgültig in Andromeda eintreffen, um dort dem Paddler Kalak zu begegnen.
Wer die ersten zwei Folgen meiner kleinen Andromedings-Reihe gelesen hat, weiß, dass Kalak für mich eine Art alter Bekannter ist, schließlich bin ich dem Neo-Kalak bereits im Sommer begegnet.

Bevor ich ein wenig über die Lektüre sinniere, folgt erst einmal die Aufstellung, was ich seit dem Sommer gelesen habe.

In der klassischen Serie waren das folgende Hefte:

227 Der Duplo und sein Schatten
228 Die Rache des Mutanten
229 Feind aus fremder Galaxis
230 Finale für Twin
231 Das System der Verlorenen
232 Die Zeitfalle
233 Geheimsatellit Troja
234 Wachkommando Andro-Beta
235 Die Kaste der Weißrüssel
236 Im Camp der Gesetzlosen
237 Die drei Sternenbrüder
238 Der Geleitzug ins Ungewisse
239 Welt unter heißer Strahlung
240 An der Schwelle der Hölle
241 Fünf von der CREST
242 Das Rätsel des Sumpfplaneten
243 Raumaufklärer 008
244 Die Kugel aus Zeit und Raum
245 Notruf aus dem Nichts
246 Kontrollstation Modul
247 Der Herr der Androiden
248 Unter Einsatz seines Lebens
249 Der Geist der Maschine
250 Die 6. Epoche

Neo-Taschenhefte verschlang ich folgende:

153 Der Atem des toten Sterns
154 Die magnetische Welt
155 Der Andromeda-Basar

Ich habe also bei beiden Andromedingsen Halbzeit, also Zeit für ein erstes Zwischenfazit.

Die klassische Serie hat endlich Fahrt aufgenommen. Nach dem Rumgehacke auf Horror wurde für mich endlich eine Struktur erkennbar. Über den Schrotschusstransmitter ging es nach Andro-Beta und schließlich zur Plattform KA-preiswert. Die Geschichte folgt dabei klassischer Computerspieldramaturgie: Ein Gegner nach dem anderen wird gestellt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Bossgegner auch dran glauben darf. So strukturiert, so vorhersehbar.
Aber das liest sich gut, keine Frage.
Und es ist immer dies kosmische Perspektive, die aufgeht. Die Kamera nimmt mit wenigen Ausnahmen immer die Totale auf, Sterne, Weltraum, Raumschlachten. Großes Kopfkino.
Andromeda muss ein toller Ort für Raumfahrer sein, mit Lebewesen, die so groß sind, wie kleine Planeten, seltsamen Aliens mit zwei Rüsseln und Transmittern, die aus mehreren Sonnen bestehen. Im Hintergrund, immer näher kommend, die Meister der Insel als dunkle Bedrohung.
Die Figuren sind etabliert, der Fokus liegt auf der neu zu erobernden Galaxis, coolen neuen Schiffen, wie der CREST III, und der drohenden Gefahr durch die ominösen Meister.

Ganz anders bei Neo. Die stolze terranische Flotte besteht aus einem einzigen kaputten Schiff, der MAGELLAN und einem Beiboot. Hauptziel scheint die Reparatur der MAGELLAN zu sein.
Dabei stolpern Perry und seine Kumpels von einer Katastrophe in die nächste, ohne ihrem Ziel, der Reparatur wirklich näher zu kommen. Das ergibt spannende Einzelabenteuer, bei denen mir bis jetzt allerdings noch der ganz große erzählerische Bogen fehlt, obschon Kai Hirdt auf der Phantastika einige Andeutungen in die Richtung machte.
Die Bedrohung durch die Meister lauert zwar auch im Hintergrund, wobei die Perspektive auf diese Wesen weniger die kosmische, allumfassende Scheer-Totale ist. Vielmehr werden Einzelschicksale verschiedener Andromedaner (Andromedare? Andromedarianer? Wie nennt man die überhaupt?) so geschickt verwoben, dass das Netz der Bedrohung immer enger zu werden scheint. Beim lesen wurde ich das ein oder andere Mal an die legendäre Serie Babylon 5 erinnert, in der ebenfalls scheinbare Nebensächlichkeiten zu einem dichten Handlungsnetz gewoben wurden. Das gefällt mir ausgesprochen gut, obwohl für diese Geschichte nicht unbedingt der Sprung nach Andromeda nötig gewesen wäre. Die “zweite Insel” selbst bleibt leider etwas blass.

Am klarsten wurde mir dieser Unterschied in der erzählerischen Herangehensweise an den Andromedastoff beim direkten Vergleich der beiden Bände um KA-preiswert.
Um es einmal etwas überspitzt zu formulieren: Nach dem Neo-Band “Werkstatt im All” wusste ich alles über den zwielichtigen Kalak. Nach der Lektüre von “Die 6. Epoche” wusste ich nichts über Kalak, dafür alles über KA-preiswert.

Beide Zyklen faszinieren mich auf ihre Art bis jetzt sehr, und ich kann immer mehr verstehen, was die hundert Hefte um die Meister der Insel zur Legende gemacht hat. Bei der zweiten Insel bin ich noch nicht soweit, aber feine Weltraumabenteuer sind es allemal. (Es wird Zeit, dass Terminus vorbei ist, und ich mich endlich parallel dem Neoversum von Anfang an widmen kann …)

Wohlan, ich gehe mal wieder lesen und melde mich, sobald ich den nächsten Packen gelesen habe. Der neue Neo lag gestern im Briefkasten.

Ad Astra.

Tellerrandlesen – Das Unglück Mensch

Auf der Phantastika habe ich ja nicht nur signierte Heftchen für meinen Haufen sammeln können, sondern mir auch einige Literaturwünsche erfüllt. Manches war geplant, wie “Feuer der Leere” oder “Zamorra”, anderes waren Gelegenheits- und Stimmungskäufe. Eindeutig in die letzte Kategorie fällt das Werk “Das Unglück Mensch – Darwin’s Failure” von Madeleine Puljic.

Zack, da ist der Rhodan-Bezug, erfreut die Neu-Hamburgerin uns doch seit längerer Zeit mit sehr unterhaltsamen Perry-Rhodan-Neo Romanen. (Es gibt noch einen weiteren Rhodanbezug, den verrate ich aber erst zum Schluss.)

Die Überschrift “Tellerrandlesen” deutet es schon an: In loser Folge werde ich ein paar Zeilen zu Büchern schreiben, die nicht im Perryversum spielen, aber der Fantasie der Serienautoren entsprungen sind. Es wird sich also immer um Bücher handeln, die nicht komplett jenseits des Tellerrandes liegen, sich aber sozusagen noch daran festklammern.

Vorweg sei deutlich bemerkt: Ich habe das Buch zum regulären Preis gekauft, handele in niemandes Auftrag und erhielt keinerlei Belohnung, außer einem bezaubernden Lächeln der Autoren, als sie mir unter der Oberhausener Sonne einen Zehner abknöpfte.

Madeleine Puljic lächelt nicht nur in Oberhausen, sondern auch in Bonn.

So, und nun los!

Worum geht es?

“Das Unglück Mensch – Darwin’s Failure Teil 1” ist eine Dystopie aus der Feder von Madeleine Puljic. In einer scheinbar perfekten Welt führt eine genetisch optimierte Oberschicht ein sorgenfreies Leben und ist weitgehend von ihrer Umwelt abgeschottet. Die Umwelt ist die 70-Millionen-Metropole Noryak, die eindeutig auf der Erde liegt, aber nicht näher verortet wird. Ein wichtiges Gebäude Noryaks ist das N4-Center, in dem genetisch optimierte Menschen geplant und in großen Brutstationen erzeugt werden.

Schnell wird klar, dass es zu dieser beklemmend heilen Welt eine Schattenseite gibt, auf der genetisch unveränderte Menschen ihr Dasein fristen, weniger Wert als eine der Maschinen, die sie bedienen müssen. Zum einen verlässt das Mädchen Novis ihre heile Welt und gerät immer tiefer in die Abgründe Noryaks. Zum anderen lernen wir einen jungen Priester kennen, der nichts unversucht lässt, den geschundenen, nichtoptimierten Menschen der Stadt wenigstens etwas zu helfen.
“Das Unglück Mensch” setzt genau dann ein, als der Druck in diesem teuflischen System zu groß wird, und die unveränderten Menschen beginnen, sich zu wehren. Das erste Opfer der Rebellen ist schnell gefunden, ab da überschlagen sich die Ereignisse.

Wie hat es mir gefallen?

Entgegen meiner anfänglichen Annahme stellt Puljic nicht die Frage nach Grenzen und Möglichkeiten der Wissenschaft in den Mittelpunkt. Diese Frage schwingt zwar immer mit, wird aber nicht diskutiert, denn die Gentechnik scheint allmächtig und wird von den optimierten nicht infrage gestellt:

“Wozu benötigt man einen Spatz mit dem Intellekt eines Menschen?” Obwohl Niove ihre Frage durchaus berechtigt fand, zog sie damit die entrüsteten Blicke der Wissenschaftler auf sich.”

Vor dem Hintergrund eines nahezu kritiklos akzeptierten Fortschritts schreibt Puljic viel mehr eine Parabel über den Ursprung des Extremismus. Welche Dynamik entwickelt eine unterdrückte Bevölkerungsgruppe? Welche unterschiedlichen Widerstandsformen bringt der Untergrund hervor? Und welche fatale Auswirkung kann ein charismatischer Fanatiker haben, der plötzlich zum Leittier wird?
Die Autorin vermeidet bewusst plumpe Parallelen, indem sie die Stadt Noryak nicht geographisch verortet. Dazu tragen alle Figuren Fantasienamen, die vage an einen europäischen Kulturkreis erinnern. Durch diesen Kniff gelingt es, dass die Geschichte zum Nachdenken über das Wesen und die Ursachen von Extremismus und Fanatismus jeglicher Couleur anregt.

Heimlicher Held des Buches ist die Stadt Noryak. In meinem Kopfkino blitzten sofort Michael Kosers Babylon, die unteren Ebenen Corsucants oder die Welt von blade Runner auf. Noryak bietet extrem viel Potenzial und fast ist es schade, dass die Autorin ihre Schöpfung nicht noch weiter ausgemalt hat. Hier hätte etwas mehr epische Breite gut getan.
Kurz und knapp wird “Das Unglück Mensch” auch immer dann, wenn es richtig zur Sache gehen sollte. Morde und Terroranschläge, aber auch Liebesszenen lesen sich teilweise so, wie sich ein Auto mit angezogener Handbremse fährt. Mehr Dreck, mehr Trümmer und mehr Gefühle hätten die Erzählung noch besser gemacht. Mal schauen, was die Fortsetzung in der Richtung so auffähr.
Dieser gebremste Schaum führte bei mir auch zum einzigen wirklichen Stocken bei der Lektüre: Der verwendete Sprengstoff im Finale ist ein prima Einfall (sage ich jetzt mal so, als Mensch mit 10 Semestern Chemie im Leib), lediglich die geschilderte Menge der Mischung scheint mir etwas klein, um die gewünschte Wirkung zu erreichen. Oder ich habe mir das Ziel einfach größer vorgestellt. Wurst! Der Knall ist prima.

Schön fand ich das Fehlen eines unbefriedigenden Cliffhangers. “Das Unglück Mensch” ist also auch Solo zu genießen, auch wenn die Fortsetzung schon in Arbeit ist.

Kann ich das Buch empfehlen?

Wer gern Science Fiction von gesellschaftlicher Relevanz liest, ist mit “Das Unglück Mensch” bestens bedient. Eine beeindruckende Welt dient als Kulisse für ein brandaktuelles Thema: Unterdrückung und Extremismus. Das Thema wird nie platt behandelt und das an manchen Stellen fehlende Feuer wirkte zumindest bei mir gedankenanregend.
Mal schauen, was die Fortsetzung an Action bringt; hoffentlich löst Madeleine Puljic die erzählerische Handbremse, so wie sie das in den aktuellen Neos tut.

Madelein hat mir diese beiden Coverpostkarten in die Hand gedrückt: Das Unglück Mensch und seine Fortsetzung. Ich bin schwer gespannt.

Die Details:

Titel: Das Unglück Mensch
Autorin: Madeleine Puljic
Erscheinungsjahr: 2013
Umfang: 315 Seiten
Preis: 9,99 € (Taschenbuch), 1,99 € eBook, oder kostenlos bei kindle unlimited
ISBN: 978-1494270339
Erhältlich über Amazon (Nein, ich verdiene an dem Links nichts.)

Und was ist jetzt mit dem zweiten Rhodan-Bezug?

Einer der Protagonisten, der bereits erwähnte Priester, heißt Atlan …

Andromedings – Eine Rückschau am offenen Hefte – Teil 2

Wer mein momentanes Lesepensum mitverfolgt, dem ist klar: Der Mann hat Urlaub und viel, viel, viel … viel Zeit. Jippieh!
So ist es kein Wunder, dass ich in der “zweiten Insel” mittlerweile beim aktuellen Band angelangt und im “Meister der Insel” Zyklus mal wieder einen ordentlichen Satz gemacht habe.

Im Einzelnen nahm ich mir in den letzten Tagen folgende Hefte vor:

PR NEO 152 – Der Feind meines Feindes (Kai Hirdt)

sowie aus dem klassischen Zyklus:

212 – Die Mikro-Festung (W. Voltz)
213 – Giganten am Südpol (H.G. Ewers)
214 – Der Kampf um die Pyramiden (K. Mahr)
215 – Endstation des Grauens (H.G.Ewers)
216 – Aufbruch der Oldtimer (W. Voltz)
217 – Gefahr aus der Vergangenheit (K.H. Scheer)
218 – Brennpunkt Twin (H.G. Ewers)
219 – Teleporter Achtung! (K. Mahr)
220 – Der Tod von den Sternen (C. Darlton)
221 – Verschleppt nach Andro-Alpha (W. Voltz)
222 – Die Doppelgänger von Andromeda (K.H. Scheer)
223 – Die fünfte Kolonne (H.G. Ewers)
224 – Agenten gegen das Imperium (C. Darlton)
225 – Rendezvous im Weltall (K. Mahr)
226 – Die Parasprinter (K.H. Scheer)

Den Anfang machte ich diesmal mit der NEO-Staffel

Die zweite Insel

Tja, was soll ich zu diesem Band sagen. Er hinterließ mich fasziniert und ratlos zugleich. Ich mag Kai Hirdts Sprache, seine Wortwahl und vor allem die Art und Weise, wie er Eric Leyden im Griff hatte.

Kai Hirdt schildert ein verschrobenes Genie außerhalb seiner gewohnten Umgebung und zeigt uns so ganz neue Seiten dieser, wie ich finde, ausgesprochen faszinierenden Figur.

Der Absturz auf einem Planeten, der sich dann als Gefängnis entpuppt ist klassischer SF-Stoff, wie er auch schon unter Captain Kirk zu sehen war. Nichts wirklich Neues, aber echt gut umgesetzt. Selten habe ich so einen großartigen Raumschiffabsturz erlebt, seit die Untertassensektion der Enterprise D durch den Wald gepflügt ist.

Und dann kam der “From Dusk Til Dawn Augenblick” des Romans. Plötzlich haben wir es mit harter, direkter Gewalt und Hinrichtungen zu tun. Starker Tobak, ich war verstört. Wie viel mag hier Exposé und wie viel Autor gewesen sein? Mir war es ein wenig over the top. Nach der Lektüre der Klassiker habe ich aber meinen Frieden mit der Szene gemacht. Schließlich kracht es da auch sehr ordentlich, das scheint wohl zum Zyklus zu gehören. Nun gut.

Der Titel des Bandes erinnerte mich übrigens im Nachhinein an die Aktionen der Akonen in der klassischen Serie: Der Feind meines Feindes – die Akonen wollen mithilfe der Methans die Menschen besiegen.

Die Meister der Insel

Mit der Verkleinerung von Perry und seinen Kumpels scheint die Horror-Springerei zur jeweiligen Falle der Woche ja nun ein Ende genommen zu haben.

Wobei ich mit der Verkleinerungssache immer noch nicht ganz zurechtkomme. Wenn ich einen Körper um das 1000-Fache komprimiere, bekomme ich irgendwann ein thermodynamisches Problem. Sollte ich das umgehen wollen, indem ich die Atome einfach mit verkleinere, kriege ich irgendwann ein quantenphyasikalisches Problem. Das wiederum hätte wohl deutliche Auswirkungen auf ein paar Konstanten und damit auf das Leben, das Universum und den ganzen Rest.

In den Heften wird das ganze mit so einer Art Potentialkompensator erklärt. Klingt verdammt nach Fluxkompensator und ist wahrscheinlich ähnlich magisch.

Wurst. Nun sind sie ja alle wieder groß und treffen auf einen Gegner, vor dem sogar der halbgottgleiche Atlan feuchte Hände kriegt. Nicht schlecht und schön langsam aufgebaut.

Gut gefallen hat mir auch die Verzahnung mit der scheinbaren Serienvergangenheit im Methankrieg (wobei man sich in der damaligen Autorenschaft offenbar nicht einig war, ob die Methans nun Methan oder Wasserstoff atmen.) Auch das Aufnehmen alter Handlungsschauplätze und bereits vorhandener Techniken war fein.

Alles in allem hatte ich bei den gelesenen Heften den Eindruck, dass alles sehr viel runder und besser aufeinander abgestimmt abläuft, als in den ersten “Zyklen”. Ich kann mittlerweile schon nachvollziehen, wie großartig das auf damalige Leser gewirkt haben könnte, und bin gespannt, was da noch so kommt.

Bis jetzt sind die Meister der Insel ja nur ein drohender Schatten.

Ein Kind seiner Zeit

Als ein Symptom seiner Entstehungszeit hat Karl Herbert Scheer den klassischen MdI-Zyklus einmal bezeichnet.

Auch wenn man die Handlungsgänge des klassischen Zyklus und der Neuinterpretation nur schwer miteinander vergleichen kann – in diesem Stadium zumindest, so bietet Scheers Einschätzung meiner Meinung nach einen guten Aufhänger für einen Vergleich.

Den klassischen Heften ist in jeder Zeile der Sturm und Drang, das technische Vorwärtsstreben der 60er anzumerken. Es geht immer weiter. Egal, wie groß die Hindernisse sind, die Terraner packen das.

Und in Perry Rhodan NEO? Das glatte Gegenteil! Alles ist kaputt oder kurz davor auseinanderzubrechen. Die Lage ist komplett aussichtslos. Alles Mist, denn der Feind lauert überall. Das scheint so ein bisschen die Grundstimmung des frühen 21. Jahrhunderts unserer Realität zu sein, oder?

Aber hält gute Science Fiction ihrer jeweiligen Entstehungszeit nicht immer den Spiegel vor? Wie war das denn mit Battlestar Galactica und seinem Remake, oder Kirk, Picard, Sisko und Archer …

Ad Astra und bis demnächst.

« Ältere Beiträge Neuere Beiträge »

© 2024 Heftehaufen

Theme von Anders NorénHoch ↑