Heftehaufen

Aufbruch der BASIS

Ein paar Gedanken zum Perry Rhodan Silberband 102

Neue Leseweisen bringen auch Änderungen im Lesetagebuch mit sich. Da ich im PAN-THAU-RA-Zyklus auf die Silberedition ausgewichen bin, gebe ich jetzt einfach mal den Christian Wöhler und schreibe meine Gedanken zu einem einzelnen Silberband auf. Anders als Christian stütze ich mich allerdings auf die Hörversion, also Silberdition 102 – Aufbruch der BASIS. Wer oben noch nicht auf den Link geklickt hat, wird jetzt hier noch mal mit Anlauf zu Wöhlis Blog geschubst. Viel Spaß beim Lesen dort.

Das steht drin

BARDIOCS altes Boot PAN-THAU-RA zieht von alleine los und verbreitet Tod und Verderben im All. Wenn selbst ES um Hilfe ruft, kann Meister Peregrin natürlich seine Füße nicht still halten und schickt mit der BASIS sein dickstes Schiff auf die Suche, gerät aber erst einmal in die Hände religiöser Spinner auf einem Alles-Rad. Zwischendurch wieselt noch die SOL durchs Bild, von der eigentlich niemand genau weiß, was sie genau tut.

So ist es verpackt

Da ich nicht noch einen Haufen beginnen will, habe ich zu einem günstigen Download-Abo beim Anbieter meines Vertrauens gegriffen. Ein hübsches Cover wird ja auf den üblichen Abspielgeräten gezeigt, sodass ich in den Genuss einer bearbeiteten und verbesserten Version des Heftromancovers von Band 858 – Die BASIS gekommen bin.

© Eins A Medien – Quelle: https://www.perrypedia.proc.org/wiki/Datei:SE102.jpg

Die fliegenden Raketenteile über dem Mond hinterließen mich schon damals bei der Heftlektüre mehr oder weniger ratlos, hatte ich mir die Teile, aus denen sich die BASIS zusammensetzt, bis dahin immer anders vorgestellt. Irgendwie ist mir das ganze zu wenig futuristisch und zu sehr von der Raketentechnik der 1970er inspiriert. Aber nun gut, Johnny Bruck hat ja immer wieder mal auf bekannte Technik zurückgegriffen. Und vielleicht mystifiziere ich die BASIS zu sehr. (Dazu später mehr.)

Mein erster Silberband

Bisher habe ich ja eisern an den Heften festgehalten, mich auf die 64-Seiten-Dramaturgie eingeschossen und das alte Papier unter den Händen genossen. Gerade letzteres fehlt mir für das richtige Lesegefühl. Ich hoffe sehr, dass sich das schnell wieder einstellt.

Im Lese- oder genauer Hörfluss – dauerte es einige Zeit, bis ich mich vom 64-Seiten-Schema in meinem Kopf lösen konnte und die Geschichte um das Alles-Rad als Gesamterzählung genießen zu können. Hubert Haensel hat hier wunderbare Arbeit geleistet und die Übergänge zwischen den einzelnen Heften so gut geglättet, dass mir beim ersten Hören nur selten aufgefallen ist, wo mit aller Wahrscheinlichkeit ein neues Heft begonnen haben könnte. So ganz aus einem Guss ist die Sache dann aber nicht; für meinen Geschmack kommt der Schluss sehr plötzlich und wirkt als sehr willkürliche Zäsur. Aber nun gut, wir reden ja immerhin über eine Endlosserie, da ist das zu verschmerzen – zumal die nächste Silberedition schon geladen ist.

Ja und die Handlung?

Ach so stimmt, da war ja noch was mit dem Inhalt. Also, ich muss kurz ausholen: Im Rhodan-Fandom (fachlich vorgebildete Heftehaufenleser wissen das) gibt es das Phänomen des Altlesers, für den die Rhodan-Serie nach einem bestimmten Punkt quasi tot ist. Übersetzt in ein anderes Fandom: Das wahre und echte Star Wars heißt Krieg der Sterne und beginnt mit Episode 4 oder Kirk ist der einzig legitime Captain auf einem Raumschiff. So. und nicht anders.

Kann man machen, ist auch ok. Jeder Mensch, wie er mag.

Spätestens beim Hören von „Aufbruch der BASIS“ überkam mich so ein leichter Anflug von Gefühl dafür, solche Regungen in Ansätzen nachvollziehen zu können. Denn mal ehrlich: Das Genre Science Fiction ist für weite Teile des Silberbandes 102 mehr so ein Serviervorschlag. Da kämpfen Riesen gegen Zwerge vor irgendwelchen Burgen im Schein geisterhafter Lichter, eine griechische Göttin stolpert durchs Bild und die ganze Story ist eine klassische Queste, wie man sie aus der Fantasy kennt. Die paar Raumschiffe fallen da jetzt nicht wirklich ins Gewicht, selbst, wenn es sich um so fette Braten wie die BASIS handelt. (Ja, ich habs nicht vergessen, Moment noch.) Wo ist mein alter Rhodan geblieben?

Nach einem kurzen Moment der Verwunderung habe ich meinen Frieden mit der Erzählung gemacht -ach was – ich habe begonnen sie zu lieben, als mir klar wurde, dass hier vor dem Hintergrund einer vermeintlichen trivialliterarischen Erzählung sehr überlegte Religionskritik geübt wird. Die Geschichte um das Alles-Rad entpuppt sich als großer Schwindel, bei dem religiöse Motive genutzt werden, um Menschen zu manipulieren. Beim Hören erinnerte mich das ganze ein wenig an Logan’s Run. Trotzdem hat Rhodan die Größe, nicht alles kurz und klein zu schlagen, sondern erkennt, dass Wesen auch Hoffnung in einem solchen Konstrukt finden können, auch wenn der ganze Lug und Trug am Ende aufgelöst wird, weil vermutlich (sonst wäre es nicht die Rhodan-Serie) jemand Größeres dahinter steht. Einfach mal weiter hören.

Ich und die BASIS

Schon als die BASIS in Heft 858 auftauchte, bekam ich ein wenig Puls beim Lesen. Der Grund ist schlichte Sentimentalität. Eingestiegen in dieses ganze Rhodangedöns bin ich im Sommer 2011, als Uwe Anton uns gerade den Neuroversum-Zyklus serviert hat. Die BASIS ist für mich das erste Stück monströser, damals noch völlig unverständlicher Gigantomanie, die das Perryversum auszeichnet und es so faszinierend macht. Vielleicht hat die BASIS für mich damit den Stellenwert, wie es SOL und MARCO POLO für andere Leser haben. Keine Ahnung. Ich freue mich jedenfalls, dass ich ab jetzt die Reise dieses fragmentierten Wunderdings verfolgen kann.

Ach so, eins noch

Der eingangs erwähnte Herr Christian Wöhler, seines Zeichens Rhodanist, extrem feiner Kerl und Forenmoderator hat sich weiland im PR-Forum um der Thread zu PAN-THAU-RA gekümmert. Wer mag, kann hier gern nachlesen.

2 Kommentare

  1. Ja, die BASIS. Auch wenn mein endgültiger Einstieg in die Serie (nach einigen Einzelbänden) es mir damals erlaubte, die SOL von Anfang an zu begleiten, war die BASIS für mich immer das interessantere Raumschiff. Zum einen natürlich wegen der gewaltigen Größe, gegen die die SOL auch heute noch nicht anstinken kann. Das ist mal wirklich ein Trägerschiff. Zum anderen ist die ungewöhnliche Form und natürlich auch der innere Aufbau so ungewöhnlich, dass die SOL dagegen nur als billiges Aneinanderstoppeln zweier Kugelraumer und eines Mittelzylinders wirkt (auch wenn es so einfach nunmal nicht ist). Und die SOL verschwand zu oft aus der Serie, während die BASIS treu dabei blieb und immer zur Verfügung stand. Zumindest bis man sie schnöde im Stich ließ und verramschte.
    Das habe ich den Machern übrigens bis heute nicht verziehen! Faktisch war selbst die GILGAMESCH ein interessanteres Design als die SOL, aber da wurde leider nicht wirklich was draus gemacht.
    So, genug des SOL-Bashings. 😉 Natürlich liebe auch ich dieses goldene Schiff inniglich und hoffe, dass es irgendwann auch wieder in der Erstauflage auftaucht… oder bei NEO, schließlich ist man da ja inzwischen schon bei der CREST II und der FANTASY angelangt. 😀

    Und noch was zur PAN-THAU-RA: Das Sporenschiff zieht mitnichten von alleine los und sät Tod und Verderben. Zumindest nocht nicht. 😉

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