Heftehaufen

Crossover

Treffen sich zwei Risikopiloten. Sagt der eine …

Zugegebenermaßen hatte ich es gar nicht so richtig auf dem Schirm, dass in dieser Woche die Romanheftserie Maddrax ihren 20. Geburtstag feiert. Natürlich habe ich ihren Anfang in der zweiten Auflage gelesen, ein wenig um Band 500 reingeschmökert, aber so wirklich zum regelmäßigen Lesen bin ich einfach noch nicht gekommen. Was aber nicht heißt, dass ich nicht ganz grob Bescheid weiß, wer Matthew Drax ist, was es mit Aruula auf sich hat und was die beiden so miteinander auf der Erde und auf verschiedenen anderen Welten miteinander anstellen.

Jetzt erschien mit Band 523 ein Jubiläumsheft, dass einen Raketenheftfreund kaum kaltlassen kann. In „Crossover“ lässt Oliver Fröhlich die beiden bekanntesten Risikopiloten sämtlicher Universen aufeinander treffen. Und zwar im Jahr 1971 des Perryversums. Keine Frage, dass ich mir das nicht entgehen lassen durfte.

Das steht drin

Matthew Drax und seine Gefährtin Aruula hat es auf eine Erde verschlagen, die aus Flicken verschiedenster Parallelwelt-Erden zusammengesetzt ist. Einer dieser Flicken liegt zufällig genau an der Stelle eines nicht ganz unbekannten Salzsees in der Wüste Gobi. Und zufälligerweise ist dort ein nicht ganz unbekanntes Raumschiff auf seinem Rückweg vom Mond gelandet. Der Rest ist feinste Unterhaltung mit Außerirdischen, Psychostrahlern und Mutanten. Und natürlich wäre die Dritte Macht niemals das geworden, was sie heute ist, wenn es Maddrax und seine Kumpane nicht eben genau in diese Realität zu dieser Zeit verschlagen hätte.

Die Handlung ist geradlinig erzählt, typisch für Maddrax und alte Rhodanhefte, lasst sich fein lesen, und es sind die Kumpane, die mir am meisten Spaß gemacht haben.

Fanservice muss sein

Natürlich ist Matthew Drax der uneingeschränkte Held dieses Bandes. Er darf nicht nur Aruula das Leben retten, sondern sogar den Unsterblichen selbst vor einem bösen Mutanten schützen. Klar, dass Peregrin, der erst in der zweiten Romanhälfte mitmischt, in diesem Moment darüber nachdenkt, wie großartig es wäre, ein ganzes Korps dieser Sonderlinge um sich zu haben. Crest schwingt den allmächtigen Psychostrahler, um die Serienkontinuität in beiden Universen zu wahren, und Thora darf mit ihrem zornigen Energiegeballer sogar mal nützlich sein.

Maddrax und Aruula werden von einem Archivar begleitet, einem Wesen aus fernster Zukunft, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, aus verschiedensten Realitäten kleine Artefakte zu sammeln. So ein kleines Psychostrahlerchen würde sich in der Sammlung des Archivars doch ganz gut machen. Hatte ich erwähnt, dass dieses Wesen den wundervollen Namen Dalton Shair trägt? Das ist doch eine nette kleine Hommage an die Schöpfer des Unsterblichen. Und dass der sowjetische Mutant, der den beiden Risikopiloten übel mitspielt, ausgerechnet Tarkovskij heißt, dürfte auch kein Zufall sein.

So richtig Fanservice für Freunde verschiedenster SF-Universen wird im beiliegenden Comic geboten, an dessen Ende Perry Rhodan ein Maddraxheft mit dem Titel „Crossover“ liest. Hier ist der Maler, der ein Bild von einem Maler malt, der ein Bild malt aus dem Planeten der Affen ganz nah.

So ist es verpackt

Neben dem Roman selbst und dem bereits erwähnten Cartoon von Matthias Kringe gibt es ein herzlich-kollegiales Grußwort von Klaus N. Frick, eine LKS mit ein paar Jubiläumsworten von Mike Schönenbröcher und einen sehr persönlichen Blick auf die Serie von Michael Marcus Thurner, der wie Oliver Fröhlich für beide Serien geschrieben hat und noch schreibt. (Weitere Worte gibts in Michaels Blog.)

Standesgemäß ist der Roman mit einem Hochglanzcover verziert, das ein echter Leckerbissen ist. Der Maddrax-Coverkünstler Néstor Taylor hat hier nicht nur ein Zitat des legendären Covers von „Unternehmen Stardust“ hingelegt, sondern eine hintergründige Hommage angefertigt. Für direkte Vergleiche ist das ursprüngliche Rhodancover auf dem hinteren Umschlag abgedruckt.

Maddrax 523 – Crossover © Bastei-Verlag

Taylor verlegt die legendäre Mondszene kurzerhand in die Wüste Gobi, lässt Maddrax und seine Kumpane Aruula und Dalton Shair direkt auf die Stardust zulaufen und verschafft so, wenn auch um drei Ecken, den beiden Serienbegründern Darlton und Scheer einen Platz in der Szene, die sie selbst geschaffen haben. Schön!

Versuch eines Fazits

„Crossover“ von Oliver Fröhlich ist in meinen Augen ein gelungenes Experiment, zwei so unterschiedliche und doch ähnliche Helden gemeinsam in einem Roman auftreten zu lassen, ohne dass für einen von beiden die Seriengeschichte umgeschrieben werden muss (Hach .. der gute alte Psychostrahler.)

Dabei gibt das Cover des Romans die Richtung vor: Matthew Drax hat die Hauptrolle, der Stargast darf kurz mitwirbeln und alles bei Maddrax ist etwas bunter, abgedrehter aber auch ein wenig gröber ausgearbeitet, als beim unsterblichen großen Bruder. Damit passt der Stil von Maddrax hervorragend zu den Rhodan-Roman der Serien-Frühzeit. Oliver Fröhlich und Mike Schönenbröcher haben gut daran getan, die winzige Handlungslücke in Band 2 und nich tspäter zu finden. Obwohl … ein bisschen Potential wird damit ja schon liegengelassen …

Was fehlt?

In Band 2 „Die dritte Macht“ ist Atlan nämlich noch weit davon entfernt, eine aktive Rolle im Perryversum zu spielen. Leider. Aber vielleicht trifft der Einsame der Zeit ja zum 30. Geburtstag auf die schöne Barbarin Aruula. Hans Kneifel hätte seine Freude gehabt.

Außerdem bin ich der festen Auffassung, dass es Aruula irgendwie gelungen sein muss, sich kurz von der Stardust zu entfernen. Anders ist beim besten Willen nicht zu erklären, warum die Betschidin Scoutie so durch und durch … barbarisch aussieht.

Scoutie, mit Maskottchen – PR 1002 – Das weiße Schiff
© Pabel-Moewig Verlag KG, Rastatt

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